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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Russisch-Türkischer Krieg 187778.

unter Ismail Pascha in der Stärke von etwa 5000Mann bei Telisch, worauf Schefket Pascha 29. Oct.seine Stellung bei Radomirsche ausgab u. eiligst nachOrkhanie znrückging. Nachdem so die Verbindungmit Sofia gänzlich unterbrochen war, konnte dieCernirnng Plcwnas auch auf dem linken Widnserdnrchgeführt werden. Nach einigen unbedeutendenAusfallgefechten wurde Osinau Pascha 12. Nov.zur Uebergabe ausgefordert, die er indessen zurück-wies. Anfang Dec. begannen sich Anzeichen bemerk-lich zu machen, daß die Kräfte des Vertheidigersnahezu erschöpft waren, 9. Dec. hörte das Artillerie-feuer ans u. 10. Dec. versuchte Osman mit seinerganzen Macht sich einen Weg durch die russ. Cernir-nugsstellungen zu bahnen. Dieser Versuch mißlangn. bedingungslos gab sich der tapfere VertheidizcrPlewnas mit über 2000 Offiziere», 41,000 Mannund 77 Geschützen gefangen. Kaiser Alexander, derdem Kampfe beigewohnt hatte, ließ sofort OsmanPascha seinen Säbel znrückstellen. Gnrko hatteinzwischen seine Operationen nach Süden u. Westenausgedehnt, in zahlreichen kleinen Gefechten das Ge-biet südl. Plewna bis zum Balkan, westl. bis gegenden Ogostfluß hin von den Türken gesäubert u. dieHauptsperrpnnktedes nördl.Balkanabhanges besetzt.

Nach dem Falle von Plewna konnte die russischeHeeresleitung dieAusdehnnng der Operationen südl.des Balkans ins Auge fassen. Die bisherige West-armee wurde aufgelöst u. die rnss. Corps derselbenden Generalen Gnrko u. Radetzki zngewiesen, erste-rer sollte über den Etropolbalkan auf Sofia, letztererdurch den Schipkapaß auf Adrianopel Vordringen.Wesentlich erleichtertwnrden diese Operationen durchden Eintritt Serbiens in den Krieg, dessen Armee,etwa 40,000 Mann, 14. Dec. nach erfolgter Kriegs-erklärung die Grenze überschritt und zunächst gegendie türkische Festung Nisch vorging. Von der ru-mänischen Armee wurde der größte Theil ans daslinke Donauufer zurückgezogen, nur eine Divisionwar zur Cernirnng von Widdin bestimmt. Unterunsäglichen Terrainschwierigkeiten hatte GeneralGnrko in den letzten Decembertagen bei heftigemSchnecsall u. strenger Kälte den Balkan überschritten,31. Dec. ließ er die türkischen Stellungen bei Goray-Kamirli in der Front und den Flanken angreifen.Den Türken wurde hierdurch sdie Rückzngslinie ab-geschnitten n. Nedsib Pascha, der türk. Befehlshaberzog sich ans dem ihm allein noch offen stehenden Wegeaus Philippopel zurück. Gurkos nächstes Ziel warnun Sofia, woselbst noch etwa 8000 Mann, meistirregulärer Truppen standen, die bei Annäherungder Russen ans Samakowo abzogen. Am 4. Jan.1878 besetzte Gnrko Sofia. Suleiman Paschas Ar-mee, die bisher in Qstbulgarien dein GroßfürstenThronfolger gegenüber gestanden hatte, war in derzweiten Hälfte des Decbr. nach Adrianopel gezogenworden, ebendahin waren auch bedeutende Verstärk-ungen aus Asien dirigirt worden und seit längererZeit schon hatte das türkische Kriegsministerinm dieBefestigungen um die Stadt erweitern u. in Standsetzen lassen. Hier mußte also die russ. Heeresleitungneuen und nach den bisherigen Erfahrungen auchenergischenWiderstand erwarten. NachLemdieAvant-garde Gurkos 5. Jan. Samakowo besetzt n. in dasMaritzathal vorgedrungen war, nahmen 7. Jan. disRussen den Trojanpaß n. halten sich hierdurch einen

weiteren Uebergang über den Balkan geschaffen,9. Jan. capitulirte sodann das im Schipkapasse ste-hende türk. Corps mit 20,000 Mann, 60 Geschützenu. zahlreichen Vorräthen. Das russ. Hauptquartierkam nach Kasanlik. Hier erschienen auch bald türk.Bevollmächtigte, um Friedensnnterhandlungen an-znknüpfen, wurden jedoch vom Großfürsten Nikolausznrückgewiesen. Von Westen her drang nun Gnrko,von Norden Radetzki gegen Adrianopel vor, erstererbesetzte 16. Jan. Philippopel, letzterer Eski Saghrau. Akbunar. Infolge der fortgesetzten Niederlagenwar die letzte Widerstandskraft der Türken gebro-chen, und auch die Stellung bei Adrianopel wurde18. Jan. anfgegeben. 31. Jan. 1878 wurde zuAdrianopel ein Waffenstillstand abgeschlossen. ZumSchutze der Hauptstadt zogen die Neste der türkischenArmee in die Constantinopel umgebende Vertheidig-nngslinie Bnjnk Tschekmedsche-Tschadaldscha-Derkosab, die Russen folgten und hatten Ende Juni eineStellung eingenommen, die vom Marmarameerevon Nodosto in weitem Bogen bis zum SchwarzenMeere reichte. Der Präliminarfriede von San Ste-fano 3. März 1878 machte dem blutigen Ringen einEnde n. schien der Türkenherrschaft in Europa denletzten Stoß gegeben zu haben.

2) Die Ereignisse auf dem asiatischen Kriegsschau-plätze. Dis russische Kaukasus-Armee war bei Aus-bruch des Krieges schon längere Zeit an der armeni-schen Grenze versammelt, sie bestand ans 7 Infan-terie-, 1 Dragoner- u. 1 Kosakendivision, nebst denzugehörigen Specialwaffen, sowie ans verschiedenenKosakenformationen u. mehreren Regimentern irre-gulärer Reiter u. war getheilt in die eigentliche Ope-rationsarmee unter Befehl des General Loris Me«likow u. in die Armee des Inneren. Den Oberbe-fehl über die gesammte Kankasusarmee, deren Stärkeetwa 200,000 Mann betrug, führte der GroßfürstMichael. Die Türken hatten nächst der Grenzenur schwache Detachements stehen, das Gros ihrerArmee war erst in der Bildung begriffen u. wurdeunter dem Befehle Mukhtar Paschas zwischen Erze-rnm u. Kars in der Stärke von etwa 60,000 Mannznsammengezogen. Einer russ. Offensive, deren näch-stes Ziel Erzernm sein mnßre, stellten sich bedeutendeTerrainschwierigkeiten entgegen, Las Durchschreitendes armenischen Hochlandes konnte nur ans wenigen,theilweise schwierig zu passirenden Straßenzügenstattfinden. Demgemäß war die rnss. Operations-armee in 4 Colonnen getheilt: Die rechte Flügel-Colonne, das sogen. Rion-Detachement, sollte vonFort Nikolai längs der Küste über Batnm und vonda durch Las Tschorukthal über Artwin u. Tortnmans Erzerum vorrücken, das Centrnm sollte in 2Colonnen, die erste von Achalkalaki auf Kars, die 2.von Alexandropol gleichfalls auf Kars marschircn,woselbst beide Colonnen vereinigt Kars anzngreifenund hiernach den weiteren Vormarsch auf Erzerumanszusühren hatten, die linke Flllgelcolonne endlichsollte von Eriwan aus Vorgehen, die türkische Grcnz-sestnng Bajesid nehmen u. dann gleichfalls auf Er-zernm maschiren. Das Rion-Detachement (29 Bat.,20 Esc., 10 Batt.) unter General Oklobschio über-schritt 24. April die Grenze, warf die türkischen Vor-posten in leichten Gefechten zurück und bezog beiMnkha Estate ein Lager, griff sodann 11. Mai dietürkische Stellung bei Khutznbani an und wars den