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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Rcicha Reichelsheim.

Reich«, Anton, Componist u. Musiktheoretiker,geb. 27. Febr. 1770 in Prag, war Chorknabe derKreuzschule, widmete sich 1786 bei einem Onkel inBonn ganz der Musik, ging 1794 als Klavier- undGesanglehrer nach Hamburg, 1799 nach Paris, dannnach Wien, wo er denUmgang vouHahdn, Albrechts-berger, Salieri u. Beethoven genoß, mit den, einigeZeit Aufsehen erregenden 36 Fugen für Klavier nacheinem nenen System hervortrat u. als Lehrer undComponist zu gleichem Ansehen gelangte. Durch denKrieg in schlechtere Verhältnisse gekommen, ließ ersich 1808 neuerdings in Paris nieder, unterrichtete,gab Compositionen, eine Abhandlung über die Me-lodie (Par. 1814) heraus, was ihm einen bedeuten-den Namen und 1817 die Lehrerstclle des Kontra-punktes am Conservatorinm verschaffte. R. schriebnoch Mails eompisi et raisonnö ä'llarmonis pra-tigus, Paris 1816; Mails äs Irants somposilionmusionlo, ebd. 1855, 2 Bde.; auch einige Opern,doch sind diese nicht so bedeutend als seine Jnstrn-mentalcompositionen, wovon die Quintette für Blas-instrumente hervorragen. R. wurde Ritter der Eh-renlegion, 1835 Mitglied der Akademie der schönenKünste u. st. 28. Mai 1836. Siebcnrock.

Neichard, Heinrich August Ottokar, viel-seitiger Schriftsteller, geb. 3. März 1751 iu Gotha,studirte in Güttingen, Leipzig n. Jena die Rechte,wandte sich aber den Schönen Wissenschaften zu, warim Dienste des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Go-tha Bibliothekar, dann Secretär u. endlich Rath imKriegsdepartcment u. st. 17.Oct. 1828. Sein blei-bendes Verdienst beruht in der Urheberschaft derReisehandbücher. Im I. 1784 veröffentlichte er inLeipzig zuerst Handbuch sllrReisende aus allen Stän-den ; dieser ursprünglich reincompilatorischen Schriftfolgte sein 6uiäs äes voz'nAsnrs en Lurops, Weim.1793, sein Passagier ans der Reise in Deutschlandn. einigen anderen Ländern, ebd. 1801 rc. DieseSchriften erlebten zahlreiche Auflagen u. die letztge-nannte ist noch in der Gegenwart franz. u. deutschim Gebrauch. Er war auch über 40 Jahre langRedacteur des Gothaer Hofkalenders. Seine Selbst-biographie erschien überarbeitet von H. Uhde, Stutt-gart 1877. Schroot.

Reichardt, 1) Johann Friedrich, Compo-nist u. Schriftsteller, geb. 25.Nov. 1752 in Königs-berg, wurde frühzeitig in der Composition, im Kla-vier« und Violinspiel unterrichtet, trat auch schonmit 10 Jahren vor die Öffentlichkeit, besuchte 1769bis 1772 die Universitäten Königsberg u. Leipzig,ging dann auf Reisen, erhielt 1775 die Hofkapell-meisterstelle in Berlin, schrieb Operetten für dasDöbblinsche Theater, errichtete 1783 die Ooucsrtssxirilnois, durfte aber seiner eigenen Richtung keinenfreien Lauf lassen, weshalb er, Urlaub nehmend,1782 nach Paris ging, daselbst die Composition derOpern Panthee und Tamerlan begann, dieselbentrotz verschiedener Reisen nach der französischenHauptstadt jedoch nie vor das Publicum zu bringenvermochte. Nach dem Tode Friedrichs II. schenkteihm Friedrich Wilhelm II. seine Zuneigung und erschrieb die Opern Andromeda (1788), Protesilao,Olympiade (1790); doch wandte sich später die Stim-mung des Königs gegen ihn u. er bekam einen Ur-laub, 1794 seinen Abschied, worauf er seinen Wohnsitzin Altona ausschlug, bis ihn 1796 die Ernennung

zum Salineninspector nach Halle rief. Als der Königgestorben, suchte er nochmals Berlin auf und wußtesich hier (bes. durch die Opern Brennns, Die Geister-insel, Rosamnnde), wie in Paris, künstlerische Ehrenzu erringen, wurde 1808 Kapellmeister in Kassel,kehrte aber bald auf sein Gut in Giebichenstein beiHalle zurück u. st. daselbst 27. Juni 1814. R. schr.Opern, Schauspielmnsik, Oratorien, Kirchenmnsik-werke, Cantaten, Lieder, Klavier- n. Violinsonaten,Klavier- u. Violinconcerte, Sinfonien für Orchester,Quintette, Trios, Klavierstücke rc., u. war auch alsmusikalischer Schriftsteller thätig; so gab er 1791das Musikalische Wochenblatt, dann die Monats-schrift , Studien für Tonkünstler, Briefe eines auf-merksamen Reisenden (Franks, u. Lpz. 1774, Franks,und Berlin 1776); Über die deutsche komische Oper(Hamb. 1774); Schreiben über die Berlinische Musik(ebd. 1775); Uber die Pflichten der Ripien-Violi-nisten (Berlin u. Lpz. 1776); Musikalisches Kunst-magazin (Berl. 1782); Vertrante Briese über Paris(Hamb. 1802); Vertraute Briefe, geschrieben aufeiner Reise nach Wien u. den österr. Staaten 1808u. 1809 (Amsterd. I810)w. heraus. Als Componistanfänglich den Bahnen Granns u. Hasses nachfol-gend, wandte er sich später Gluck zu, wie er auchVieles zum Verständnisse dieses Meisters in Deutsch-land beitrug. Seine Werke zeichneten sich mehr durchgeschickte, auf den Effect gerichtete Arbeit, als reicheErfindung, edle Empfindung aus. Er ist der Schöpferdes Liederspiels, das er mit Liebe u. Treue begrün-dete u. dem er noch viele seiner Schöpfungen (z. B.Juchei, Kunst u. Liebe, Erwin u. Elmire, Claudinevon Villa Bella, Jery u.Bätelyrc.) widmete. Seinegrößte Bedeutung hat er als Componist einfacher,volksmäßiger Lieder gefunden, indem er namentlichein großes Gewicht ans den Sprachaccent legte unddadurch bes. die Goetheschen Liederdichtungen (z. B.Sah ein Knab' ein Röslein stehn, Die Trommel ge-rührt rc.) weit tiefer als seine Vorläufer zu erfassenvermochte. Vgl.Schletterer,Joh.Friedr.R.,Augsb.1865; Schneider, Geschichte der Oper; Verzeichnißder R-schen Schriften von Ledebur, Tonkünstler-lexikon. 2 ) Gustav, Gesangscomponist, geb. 13.Novbr. 1797 zu Schmarsow (Vorpommern), triebfrühzeitig Musik und konnte schon mit 9 Jahren imViolin- u. Klavierspiel öffentlich anftreteu, war von18091811 in Neustrelitz, wo er Mitglied der dorti-gen Kapelle wurde, besuchte alsdann das Gymnasiumu. die Universität Greifswald, 1818 u. I8l9dieUni-versität in Berlin u. widmete sich, von der Theolo-gie abgehend, daselbst ganz der Musik, weshalb erbei Bernhard Klein Musikunterricht nahm. R. tratbes. als Bassist hervor u. war für Concerte, Musik-feste, wie die feinsten Privatcirkel einer der gesuchte-sten Lieder- und Oratoriensänger, wie er auch alsGesang- u. Klavierlehrer eine große Thätigkeit ent-faltete. Er dirigirte auch die Berliner Liedertafel,übernahm den Gesangunterricht des Prinzen Fried-rich Wilhelm, zog sich aber mehr u. mehr von seineranstrengenden Thätigkeit zurück u. widmete sich fastausschließlich der Composition. Unter allen seinenWerken, hauptsächlich der Männerquartett-Literaturangchörend, ragt die Nationalhymne: Was ist desDentschenVaterland? ammeisten hervor. Siebenrock.

Reichelsheim, 1) Flecken im Kreise Friedbergder Hess, Prov.Oberhesfen, an der Horloff; Cigarren-