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Bd. 15 (1879) Radegast - Schießscharte
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Reibolosgrün Reich.

Kreishauptmannschaft Bautzen, Hauptort der gleich-namigen gräflich Einsiedelschcn Staudesherrschast;Schloß mit Park, Bierbrauerei, Weberei; 987 Ew.In der Nähe Oppelsdorf mit Miueralbad undBraunkohlenbergbau.

Reiboldsgrun, Badeort bei Auerbach, königl.sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, 675 m ü. d.M.; Moor - u. Stahlbad (einer der stärksten Eisen-säuerlinge Deutschlands), klimatischer Kurort.

Reibung (Friction) heißt der aus der Rauhig-keit der Flächen resultirende Widerstand, der der Be-wegung eines Körpers an der Oberfläche eines an-deren entgegeuwirkt. Dieser Widerstand erklärt sicheinestheils aus der Adhäsion der Oberflächentheile,anderntheils aus der Festigkeit der ineinander grei-fenden kleinen Unebenheiten, wodurch ein Theil derbewegenden Kraft sich in Wärme nmsetzt, die stetsbei der R. auftritt. Die Verhältnisse der R. sind bisjetzt vorzugsweise experimentell untersucht. Bei fe-sten Körpern findet nur äußere R. der Ober-flächentheile statt. Man unterscheidet hierbei diegleitende R. n. die rollende N.; die erstereistviel größer als die letztere. Beide Arten von R.spielen eine große Rolle und sind besonders für dasMaschinenwesen von größter Wichtigkeit. Man ver-wandelt in der Technik bald die gleitende R. in rol-lende (Walzen, Räder, Frictionsrollen), bald umge-kehrt die rollende in gleitende (Bremsen, Seilwindun-gen rc.). Man verringert ferner die gleitende R.durch Schmiermittel (Zapfen-R.). Erfahrung undVersuche haben gelehrt, daß die R. zweier fester Kör-per dem Druck proportional ist und außerdem nurabhängig von der Natur u. der Oberfläche der sichreibenden Körper. Diese letzte Abhängigkeit gibt derN-sco'efficient an, der für je zwei Körper einenconstanten Werth hat. Um denselben für einen Kör-per u. eine Unterlage zu finden, stellt man entwederdie Unterlage horizontal u. bestimmt den Bruchtheilvom Gewicht des Körpers, der denselben fortzube-wegen im Stande ist, od. man neigt die Unterlageund bestimmt die Tangente des kleinsten Neigungs-winkels (des sog. R-swinkels), bei dem sich der Kör-per von selber in Bewegung setzt. Auf diese Weiseergab sich der R-sco'efficient bei trockenen Flächendurchschnittlich von Holz ans Holz 4, Holz aufMetall H, Metall auf Metall ^ j-. Sind dieFlächen geschmiert, so sinken dieseWerthe durchschnitt-lich resp. auf Die rollende R. ist unge-

fähr ^ der gleitenden. Doch finden diese Zahlen aufgrößere Maschinen keine Anwendung mehr. Bei derBewegung eines Lastwagens auf ebener Chausseebeträgt die R. etwa auf Eisenbahnen nur^H^der Last. Pronys Bremsdynamometer benutzt dieR. zur Messung der Arbeit einer Maschine, einesWasserrades rc. Bei Flüssigkeiten und Gasentritt neben der äußeren R. an anderen Körpern, diefest, flüssig u. gasförmig sein können, noch die in-nere R. auf, durch welche die verschieden schnell sichbewegenden Schichten derselben Flüssigkeit od. des-selben Gases hemmend oder fördernd auf einanderwirken. Man hat diese Verhältnisse vorzugsweiseuntersucht durch Vergleichung der Ausflußgeschwin-digkeit von Flüssigkeiten u. Gasen beim Austritt auseinem dünnwandigen Gefäß und beim Durchgangdurch cylindrische Röhren, insbes. durch Capillar-röhren. Die innere R. ist, wie schon Newton angab,

proportional dem Unterschied der Geschwindigkeit derbenachbarten Schichten, u. abgesehen von der Tem-peratur u. der Größe der Berührungsfläche noch ab-hängig von der Natur des Fluidums. Diese Abhän-gigkeit wird wieder durch eine Constante angegeben,dem N-scoesficienten der Flüssigkeit oder des Gases.Derselbe ist von Maxwell, Meyer n. A. für Lnft,Sauerstoff, Wasserstoff u. andere Gase genau ermit-telt und von großer Wichtigkeit für die mechanischeWärmetheorie, bes. die Theorie der Gase, da sichaus ihm die Elemente der Molekularbewegung er-geben, nämlich die mittlere Weglänge u. weiter dieEntfernung u. Größe der Moleküle. Stahl.

Reibnngsräder, s. Rad.

Reich (lat.koZuum), dar Inbegriff einer großenAnzahl von Dingen oder Gegenständen, welche zueinem allgemeinen Princip im Verhältnisse stehen,z. B. Natur-, Mineral-, Thierreich; größerer Staat,an dessen Spitze ein monarchisches Oberhaupt steht,Kaiser- und Königreich; oder mehrere zu einem Ge-sammtstaat vereinigte Staaten, so Deutsches R.

Reich Gottes vd. Reich der Himmel. Wortu. Begriff stammen aus Dan. 7,14. Das Auftretendes Täufers Johannes mit der Predigt: Das Him-melreich ist nahe herbeigekommen, zeigt, daß seil derZeit der Makkabäer im jüdischen Volk die Erwartungdes dort verheißenen Reiches rege geblieben war.Jesus Christus nahm diese Erwartung ans u. machtedas R. G. zum Ceutrum seines Evangeliums, in-dem er in die Form der populären Vorstellungenvon demselben als einer rein transscendenten, wun-derbaren, plötzlichen Umwandlung der Welt den tief-sten geistig-ethischen Gehalt niederlegte, u. die Im-manenz (das R. G. ist inwendig in euch) einer Ge-meinschaft, die durch ihn der Gerechtigkeit Gottes u.der Seligkeit theilhaftig ist, in den Vordergrundrückte. Erst die historische Entwickelung bringt danndie Entstehung der Kirche aus dem Jüngerverem,den Christus um sich sammelte. R. G. und Kirchesind nicht identisch, sondern verhalten sich einestheilswie Ideal und Wirklichkeit oder richtiger, wie dasIdeal in seinem stetigen Verwirklichtsein zu dertheils schlechten, vom Ideal noch nicht ergriffenen,theils zum Ideal hinstrebenden, ihr sich annähern-den Wirklichkeit, anderntheils wie Zweck und Mittel.Die Dogmatik unterscheidet: Reich der Macht, dasvon Gottregierte Universum, Reich der Gnade, diegegenwärtige Menschheit, soweit sie an der Erlösungtheil hat, Reich der Herrlichkeit, die zukünftigeVollendung. Vgl. I. I. Heß, Lehre vom R. G.,Zür. 1774,4. A. 1819; Wittichen, DieJdeen des R-sG., Gött. 1872. Löffler.

Reich, Ferdinand, Physiker, geb.zu Bernbnrg19. Febr. 1799, bildete sich als Hüttenmaun aus, stu-dirte noch in Göttingen u. Paris, wurde 1824 Inspek-tor der bergakademischen Gebäude u. Sammlungen,1827 Professor der Physik, 1830 Lehrer der Ver-steinernngskunde, 1842 Professor der theoretischenChemie, u. trat 1866 in den Ruhestand. Er machtesich besonders verdient durch seine Schriften überFallversuche über die Umdrehung der Erde, Freiberg1832; Beobachtungen über die Temperatur des Ge-steins in verschiedenen Tiefen der Gruben, das. 1834;Mittlere Dichtigkeit der Erde mit der Drehwaage,das. 1838. Zahlreiche Abhandlungen in Fachzeit-schriften. r.