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Ratzedurg
ist reich bewässert, hat gute Fischerei u etwaSSchif-fereiauf demRatzeburger See.—Das ehemalige Bis-thum R., zuerst 1056 von dem Hamburger Erz-bischosAlbrecht gegründet, dauu aber bei Ausrottungdes Christenthums (s. Mecklenburg, S. 714) wie-der zerstört, wurde von Heinrich dem Löwen 1154nach Unterjochung der Wenden neu gestiftet u. vonihm u. den 1216 erloschenen Grafen von R. dotirt.Der Sprengel des Bischofs erstreckte sich bis nachWismar u. Eldena n. bis zur Bille. Die Geistlichenam Dom waren Augustiner mit PrämonstratenserTracht, seit 1504 weltliche Chorherren. Die Bischöfe,deren erster Evermodus war, hatten ihren Sitz beider Domkirche in R. u. wurden früh reichsunmittel-bar. Der letzte katholische Bischof, Christoph I. vonder Schulenbnrg (seit 1550) überließ das Bisthnm1554 dem Herzog Christoph II. von Mecklenburg,unter welchem die Reformation allmählich Eingangfand. Er nannte sich Administrator, ebenso sein Bru-derKarl(l592—1610). Herzog August vonBraun-schweig-Lüneburgfolgteihm als Administrator:!.die-sem 1636 sein Coadjutor Gustav Adolf vonMecklen-Lurg-Güstrow. Unter ihm wurde das Bisthnm sä-cularisirt n. im Westfälischen Frieden Mecklenburgzngesprochen. Durch den Hamburger Vertrag 8.März 1701 kam es an die Linie Mecklenburg-Stre-litz. Vql. Masch, Geschichte des Bisthums R., Lllb.
IgZH Klemschmidt.
Ratzeburg, Hauptstadt des ehemaligen Herzog-thums Lauenburg, jetzt Kreisstadt (Kr. HcrzogthnmLauenburg), Station derLllbeck-BüchenerBahn, auseiner Insel im N-er See, die durch 2 Dämme (im O.u. W.) mit dem Festlande verbunden ist. Der Seehat seinen Ausfluß in der Wackenitz, die sich bei Lü-beck mit derTrave vereinigt. Der ans derselben Inselnördl. der Stadt liegende Palmberg u. Domhof mitdem Dom u. seinen Pertineuzen, sowie einige Pri-vatgebäude gehörten früher zum Bisthnm R. undseit der Säkularisation zu Mecklenburg (Mecklenburg-Strelitz). Der im romanischen Stile erbaute sehralte Dom ist in der ursprünglichen Reinheit des Stilsrestaurirt worden. Sitz der Ritter und Landschast,Gymnasium, Seminar, Bürger- und Fortbildungs-schule, 2 Privatschulen; 4227 Ew. (der Mecklenburg.Antheil 230 Ew.). Schroot.
Ratzeburg, Julius Theodor Christian,geb. 1801 in Berlin; prakticirte seit 1825 als Arztdaselbst u. wurde 1830 Professor der Naturwissen-schaften an der Forstakademie zu Neustadt-Ebers-walde. Er st. 24. Oct. 1871 in Berlin u. schr.: DieForstinsecten, Berl. 1837—40, 2 Bde., 1. BLs. 2.A. 1839; Die Waldverderber u. ibre Feinde, ebd.1841, 6. A. 1869; Abbildung und Beschreibungder in Deutschland wilderwachseuden Giftgewachse,ebd. 1838, 2 Abth.; Die Ichneumonen der Forst-insecten , Berl. 1844—52, 3 Bde.; Die Standorts-gewächse u. Unkräuter Deutschlands u. der Schweiz,in ihren Beziehungen zur Forst -, Garten- u. Land-wirthschast, ebd. 1859; Die Waldverderbniß (derdauernde Schade, welcher durch Insektenfraß, Schä-len, Schlagen und Verbeißen an Waldbäumen ent-steht), ebd. 1866—68,2 Bde.; ForstwirthschastlichesSchriftsteller-Lexikon, nach R-s Tode herausgegebenvon Phöbus. Wimm-nauer I,.
Ratzel, Friedrich, Geograph n. Reisender, geb.30. Äug. 1844 in Karlsruhe; begann seine Studien
— Nau.
alsPharmacent, wandte sich seit 1866 inKarlsruhe,Heidelberg, Jena u. Berlin der Zoologie, Geologieu. Erdkunde zu, machte 1870—71 als Freiwilligerden Krieg gegen Frankreich mit, unternahm 1871bis 1875 Reisen in Italien, Ungarn, Siebenbürgen,den nordamerik. Unionsstaaten, Mejico, Cuba undwurde 1875 Privatdocent u. 1876 Professor an derTechn. Hochschule in München. Schriften: Sein u.Werden der organischen Welt. Lpz. 1869; Wander-tage eines Naturforschers, ebd. 1874, 2 Bde.; Vor-geschichte des europäischen Menschen, Münch. 1875;Städte- n. Culturbilder ans NAmerika, Lpz. 1876,2 Bde.; DieChinesischeAnswanderung,Brest. 1876,u. ein umfassendes geogr. Werk: Die Ver. Staatenvon NAmerika, Münch. 1878 f., 2 Bde. Schroot.
Rau, 1) Karl Heinrich, ausgezeichneter Na-tionalökonom, geb. 23.Nov.1792 in Erlangen; stu-dirte seit 1808 Cameralia daselbst, wurde 1812 hierDocent der Staatswissenschaften, 1818 Professor u.Universitätsbibliothekar, 1822 Professor der Staats-Wissenschaften und Nationalökonomie in Heidelberg.Er war 1837—40 Mitglied der Ersten Kammer u.1851 der Zollvereinscommission zur Berichterstatt-ung über die Londoner Industrieausstellung; st. inHeidelberg als Geh. Hofrath 18. März 1870. Erschr.: Über das Zunftwesen u. dieFolgen scinerAuf-hebung (gekrönte Preisschrift), Gott. 1814, 3. A.Lpz. 1828; AnsichtendsrVolkswirthschaft, Lpz. 1820;Grundriß der Cameralwissenschast, Heidelb. 1823;Lehrbuch der politischen Ökonomie, Hcidelb. 1826 bis1837, 3 Bde. (seinHauptwerk, in welchem er die po-litische Ökonomie theilte in: Volkswirthschaftslehre,
1. Bd., 8. A. Lpz. 1869; Volkswirthschaftspolitik,
2. Bd., 5. A. 1862—63; Finauzwissenschaft, 3.Bd.,5. A. 1864—65. Das ganze Werk, das in verschie-dene Sprachen übersetzt ist, wird von Adolf Wagneru. Erwin Nasse neu bearbeitet: 1. Bd. Lpz. 1876).R. übersetzte H. Storchs Handbuch der National-wirthschastslehre, Hamb. 1820, n. gab mit Hanßen1834—53 das Archiv der politischenÖkouomie her-aus. 2) Heribert, Schriftsteller, geb. 11. Febr.1813 zu Frankfurt a.M.; wurdeKaufmann, wandtesich seit 1842 den freireligiösen Bestrebungen zu u.studirte dann, nachdem er bereits die Romane: DiePietisten, Stuttg. 1841,3 Bde.; Thaddäus Kosziuskoebd. 1843, u. auch Gedichte, ebd. 1843, 2. A. Lpz.1856, heransgegeben, von 1844—46 Theologie inHeidelberg, wurde Prediger der Freien Gemeinde inStuttgart n. 1849 in Mannheim. Daneben veröf-fentlichte er n. A.: Deutsche Erzählungen, 2 Bde.,Lpz. 1851; Evangelium der Natur, Mannh. 1853,2.A. Frkf. 1856; Feuerflocken derWahrheit, Wiesb.1854; Der Friedensfürst, Frkf. 1855; KatechismusderVernnnftreligion, Wiesb. 1855, 4.A. 1873. Disbadische Regierung entsetzte ihn 1856 seiner Stelle,u. nun siedelte er wieder nach seiner Vaterstadt über,fortan nur noch fieberhaft Romane producirend, na-mentlich biographischen Genres, in denen das That-sächliche fast verschwindet. Von diesen: Mozart, Frkf.1858, 4.A. Berl. 1875, 3Bde.; Beethoven, 4Bde.,ebd. 1859, 2. A. 1869; Alex. v. Humboldt, 7 Bde.,ebd.1860—61; JeanPanl, 4BLe., Lpz. 1861; Höl-derlin, 2 Bde., ebd. 1862; Theodor Körner, Frkf.1863, 2 Bde.; Shakespeare, Berl. 1864; Garibaldi,Berl. 1864, 3 Bde.; Karl Maria v. Weber, Frkf.1865, 3 Bde. Dann ans seiner religiösen Richtung