794
Johannischristcn -
hängende Waldung (etwa 100 km lang und45 Lna breit); 1676,g- LZüm (30,„ UM) mit(1875) 44,797 Ew. 2) Kreisstadt darin, amAusflusse des Pischflusses aus dem Nosch-See;Hauptzollamt; Fischfang, Getreidehandel; 1875:2780 Ew. Das 1345 erbaute, einst sehr wichtigeSchloß I. liegt nordöstlich, unweit des Nosch-Sees.Der 6 lcm lange Johannisburger Kanal, 1764bis 1766 angelegt, verbindet I. mit dem Spirding-See. H- Berns.
Johannischristen, s. u. Johannisjllnger.
Johannis Empfängnis), der 24. September;Johannis Enthauptung, der 29. August;Johannisevangelium, s. Johannes 3).
Johannisfest, 1) so v. w. Johannistag 1);2) (Freim.) das in allen Logen der Johaunis-maurerei gefeierte Bundesfest.
Johannisfeuer, der bei den germanischenVölkern u. auch anderwärts, so in Spanien u.Portugal, übliche Gebrauch, Feuer in der Nachtvom Johannistage anzuzünden und unter allerleiabergläubischen, bes. auf die Fruchtbarkeit, auchdie geschlechtliche, bezüglichen Ceremonien darüberzu springen. Im 15. u. 16. Jahrh. betheiligtensich an dieser Feier noch die höheren Stände u.selbst Fürsten. Sie wird für ein Überbleibsel einesdem Freyr gewidmeten Festes gehalten. Schroot.
Johannisjünger, Anhänger Johannes desTäufers, hielten sich zusammen, auch als ihrMeister Lurch seine Gefangeunehmung von öffent-licher Thätigkeit getrennt war. Sie verkehrtenmit ihm im Gefangniß, begruben seinen ent-haupteten Leichnam, stritten gelegentlich mit denJüngern Jesu über das Fasten und beobachteteneifrig die von Johannes gelehrten Gebetsübungen.Die Art, wie das 4. Evang. das Verhältniß Jesuu. des Täufers auffaßt, auch die, freilich schwan-kende und nebelhafte Erzählung von den J-n inEphesus (Apostelgesch. 19, 1 ff.) läßt daraufschließen, daß der Kern derselben später in derchristlichen Gemeinde aufging, daher sie aus derGeschichte verschwinden. Über die Johannischristen,mit welchen der Karmelitermissionar Ignatius aJesu während des 30jährigen Krieges die gelehrteWelt bekannt machte, ist erst neuestens durch Chwol-sohn (Die Ssabier und der Ssabismus, Petersb.1856) und Petermann (Deutsche Zeitschrift fürchristl. Wrfsensch. und christl. Leben, 1854, 1856,Herzogs Realencycl. IX. 318 ff.) Licht verbreitetworden. Darnach find zu unterscheiden die älte-ren, am Zusammenfluß des Euphrat u. Tigriswohnenden, aramäisch redenden, halbchristlichenSsabier (voui aram. reimt, waschen, sogenanntwegen ihrer Waschungen), die seit alter Zeit unterdiesem Namen vom Islam geduldet wurden. Vonihnen sind noch etwa 500 übrig. Sie verehrenden Äon, Naväa äooimjjs, Wort oder Kraft desLebens (daher Mendäer), u. huldigen einem ausverschiedenen Religionen gemischten Gnosticismus,dessen Urheber nach ihren heiligen Schriften Jo-hannes der Täufer als Erneuerer der reinen Ur-rcligion sein soll. Mit Sterudienst haben sie nichtszu schaffen, hängen auch nicht mit den alten J-nzusammen. Von ihnen verschieden find die heid-nischen Ssabier, Anhänger der alten Landes-religion bei Haran, welche diesen schon in Koran
- Johamnterordcn.
vorkommenden Namen annahmen, um sich gegendie Verfolgungen des Islam zu schützen. Sietrugen einen neuplatonisirenden Monotheismuszur Schau, find übrigens seit dem 12 . Jahrh.verschwunden. Das h. Buch der christlichen Men-däer, Kolasta, ist von Dr. Euting 1867 auto-graphisch veröffentlicht worden. Löffler.
Johanniskäfer, 1) s. Leuchtkäfer; 2) so v. w.Brachkäfer.
Johanniskraut, ist n^xsrioum, bes. n. xgr-
koratum.
Johannislauch, s. u. Jacobszwiebel.
Johannisorden, 1) verschiedene Orden, Con-gregatiouen, Brüderschaften u. Einsiedler, zu denendie Johanniter, Johanniterinnen, Johannbonitenrc.gehören; bes. aber 2) Geistlicher Ritterorden vonSt. Johannes u. St. Thomas, gestiftet im 12.Jahrh. zu Ptolemais in Syrien, verbreitete sichüber Italien u. Spanien, wo er gegen die Maurenfocht, wurde nach Verlust Palästinas den Johanni-tern einverleibt, lebte jedoch unter dem Namendes St. Thomasorden noch einige Zeit fort.
Johannistag, I) der 24. Junius, Johannesdem Täufer zu Ehren kirchlich gefeiert (Johannis-fest), Abschluß des 2. Quartals; 2) der 27. Dec.,als Namenstag Johannis des Evangelisten, anwelchem die Johannisweihe, Weihe von Wein,welcher nun frei von aller Vergiftung bleibensollte, weil jener Heftige ohne Schaden Gift ge-trunken habe. Da der Evangelist Johannes vonJesu vor Anderen geliebt war, so wurde sein Ge-dächtniß durch Anbieten eines freundschaftlichenBechers an diesem Tage erneuert; daher der St.Johannistrunk (St. Johannissegen, Johannis-liebe). Ein solcher Trank wurde auch zuweilendem Neuvermählten Ehepaar zu trinken gegebenu. ihnen dabei Johannisliebe gewünscht.
Johanniswnrm, s. Leuchtkäfer.
Johanniter, so v. w. Mitglieder des Johanni-terordens.
Johanniterinnen (Hospitaliterinnen vomOrden des St. Johannes von Jerusalem), im13. Jahrh. in Frankreich gestiftet, besaßen meh-rere Hospitäler (zu Beaulieu, St. Martin, Tou-louse, Fienx) u. standen unter dem Großprioratvon St. GilleS. 1610 wegen zu freien Lebensvon der Gräfin von Vaillac reformirt, begabensie sich 1624 in den Schutz des Johanniterordensu. erhielten 1644 neue Satzungen. Sie wurden1789 aufgehoben.
Johanniterorden, geistlicher Ritterorden. Umden Bedrückungen zu entgehen, welche die Pilgerim 11. Jahrh. in Palästina leiden mußten, er-kauften 1048 mehrere Kaufleute aus Amalfi vondem Khalifen von Ägypten die Erlaubniß, inJerusalem bei dem Grave Christi eine Kirche u.ein Mönchskloster nach den Regeln St. Benedictszu erbauen. Bald verbanden die Mönche einHospital (daher Hospitaliter) damit; sie weihetendabei eine Kapelle dem St. Johannes u. hießendavon Johanniter. Der erste Vorsteher war Ger-hard Tonque (aus der Provence, st. 1118 oder1120); Gottfried von Bouillon schenkte dem Hospi-tal große Güter und der Papst Paschalis II. be-stätigte 1113 die neuen Stifte u. bestimmte, daßdie Hospitalbrüder künftig unabhängig sein u. ihre