Druckschrift 
Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
733
Einzelbild herunterladen
 

733

Jngeborg —

bedeutender Steinkohlenbergbau (ärarialische Gru-ben), Eisenerzgruben, Krämersches Eisenwerk (mitdurchschnittlich 600 Arbeiter»), Hohöfen, Puddel-,Walz- u. Drahtwerk, Maschinenfabrik, Rußhütten,Glasfabriken; 1875 9220 Ew., wovon 6920 imOrte. St. I. war vor der franz. Revolution imBesitze des Fürsten von der Leyen.

Jngeborg, Königin von Frankreich, s. Phi-lipp II. August.

Jngelsingcn, Stadt im Oberamte Klinzelsandes Württemberg. Jagstkreises, am Kocher; Schloß,Baumwollenweberei, Weinbau, Ruine der imBauernkriege zerstörten Burg Lichteneck; 1460 Ew.Früher Hauptort einer Standesherrschaft u. Resi-denz des Fürsten von Hohenlohe-Ähringen (sonstHohenlohe-J.); kam 1806 unter württembergischeHoheit.

Ingelheim, 1) Oberingelheim. Flecken imKreise Bingen der großherzogl>hess. Prov. Rhein-Hessen, an der Selz, mit Mauern umgeben; ur-alte evangcl. Kirche mit vielen Denkmälern, kath.Kirche,Synagoge,Papierfabrik, Burgreste,Weinbau(Jngelheimer, guter Rothwein); 1871: 2675 Ew.Oberingelheim, ehemals ein Reichsdorf, wird schon760 erwähnt. 2)Niederingelheim, Marktfleckenin demselben Kreise, 1 km vom vorigen, Station(I.) der hessischen Lndwigsbahn; Überreste desKaiserpalastes, viel Weinbau, mehrere Fabriken;1871: 2441 Ew. N.-J. ist Geburtsort vonSebastian Münster. — Karl der Große erbautehier in Niederingelheim, das nach der Sage seinGeburtsort sei» soll, zwischen 768 und 774 einedurch seltene Pracht berühmte Pfalz, welche 100Säulen von Granit u. Marmor (zum Theil ausRavenna) u. viele Sculpturen n. Mosaikarbeiten,meist Geschenke des Papstes Hadrian I., schmückten.Er hielt hier 774 einen Reichstag, wo HerzogThassilo II. entsetzt wurde. Hier wurde am 31.Dec. 1105 Heinrich IV. von seinem Sohn Heinrichzur Thronentsagung gezwungen. Auch viele Kirchen-versammlnngen wurden daselbst gehalten. Fried-rich I. ließ den Palast wieder Herstellen; Karl IV.bewohnte ihn zuletzt u. verpfändete ihn 1356 anKnrpfalz. Öfters wurde er, des. während des Krie-ges zwischen Diether von Isenburg u. Adolf vonNassau, von den Mainzern und zuletzt 1689 vonden Franzosen zerstört. 1831 stürzten die letztenTrümmer ein, u. jetzt sind nur noch wenige Restedes Palastes übrig. Von den Bewohnern wirddie Stelle, wo einst der Palast stand, noch heuteder Saal genannt. Vgl. Hilß, Der Reichspalastzu I., Mainz 1868. H- Berns.

Jngelmünster, Flecken im Arrond. Cortryk(Courtray) Ler belg. Prov. Westflandern, Stationder belg. Societe; Leinwand- ».Teppichwebereien,Spitzenklöppelei, Handel, Salzraffinerie; 5287 Ew.

Jngemann, Bernhard Severin, geb. 28.Mai 1789 zu Torkildstrup auf Falster, wurde1822 Lector der Ästhetik und Dänischen Sprachein Soröe, war 1843—49 Director Ler dortigenAkademie u. st. das. 24. Febr. 1862 . I. gehörtentschieden zur romantischen Schule. Als Dichtertrat er zuerst 1811 mit lyrischen Versuchen auf,1814 lieferte er ein großes romantisches Epos,Die schwarzen Ritter, u. von 1815 an eine Reiheweinerlicher romantischer Dramen, die damals sehr

- Ingenieure.

gefielen, bes. Lianen, 1815, Naaanisllo, 1815.Später schrieb er mittelalterliche Romane, die sehrgelesen sind, doch ohne besonderen literarischenWerth: kValäsmar Jsisr, 1826; Brik LIsnvscksBarockem, 1828; Lsn^ Brik oA äs Brocklöso,1833; kriocks Otto, 1835; ferner epische Gedichte(Lon-r IValäsmar, DrormmA, Nar§rota), vieleErzählungen u. Novellen (z. B. Bancksb^börnsne),Kirchenlieder rc. Gesammelte Werke, 41 Bde. in4 Abtheilungen, erschienen seit 1843; die einzelnenAbtheilungen n. Bände wiederholentlich. Manchesist ins Deutsche übersetzt (die mittelalterlichen Ro-mans von Kruse, 1827 ff.).

In gonsrs (lat.), im Allgemeinen, generell.

Jngenerirt, angeboren.

Jngenhonft, Johann, berühmter Natur-forscher, geb. 1730 in Breda in Holland, waranfangs Arzt daselbst, dann in London, wo seinehervorragenden Talente allgemeine Aufmerksamkeiterregten. Aus Wunsch der Maria Theresia kamer nach Wien, um die kaiserlichen Prinzen undPrinzessinnen zu impfen. Er wurde daraus Leib-arzt n. namentlich von Joseph II. in der hervor-tretendsten Weise ausgezeichnet. Dennoch ging ernach Holland zurück, bereiste dann Frankreich u.Deutschland u. ließ sich endlich in Bowood nieder,einem Landhause des Marquis von Lansdowne beiLondon, wo er 7. Sept. 1799 st. Er zeigte, daßsie Pflanzen im Sonnenlicht Sauerstoff, im Dun-keln aber Kohlensäure absondern; führte auch zu-erst den Gebrauch des kohlsnsauren Gases in derMedicin ein. Er schr.r Bxporimonts npon vsAs-tablss, London 1778 (deutsch von Scherer, Wien1786 , ins Französische von ihm selbst 1780, 87,89); Nene Versuche u. Beobachtungen über ver-schiedene Gegenstände der Physik (deutsch vonMolitor, Wien 1782 und 1784, lateinisch vonScherer, ebd. 1795); Bvsa^ontlasloock vlplanbs,Lond. 1796 (deutsch von G. Fischer, Lpz. 1798).Vermischte Schriften, Wien 1784. Thamhayn.

Ingenieure (franz.) hießen früher diejenigenTechniker, welche die Militärbankunde verstandenn. die Kriegsmaschinen anfertigten. Später wur-den, als diese Kunst auf die Kriegsbaumeister über-ging, auch die letzteren so genannt. Jetzt unter-scheidet man Militär- u. Civil-J., 1) Mili-tär-J., a. der Landarmee, ein sich mit der Er-bauung u. Instandhaltung von Festungswerken be-schäftigender Öffizier, welcher im Kriege zugleichden Angriff u. die Vcrtheidignng der Festungen, sowie alle pionier-technischen Arbeiten im Felde zuleiten hat. Im 15. u. 16. Jahrh. waren die I. meistItaliener, später auch Franzosen, u. Heinrich IV.ließ zuerst durch Sully 1603 I. in ein besonderesOoixv ckn sssnio (J.-Corps) vereinigen und den-selben den Bau u. die Aufsicht über die Festungenübertragen. Demnächst standen auch in Deutsch-land, den Niederlanden u. anderen Staaten guteI. auf. In Preußen bildeten sich unter FriedrichWilhelm I., in Sachsen unter August II., in Ruß-land unter Peter I., in England u. Holland unterWilhelm III. Corps, die bald als J.-Corps, baldals Pontonier- und Mineurcorps bezeichnet sind.In England behielt das Corps längere Zeit einengemeinschaftlichen Chef mit der Artillerie. InSchweden war schon unter Gustav Adolf J.-Corps