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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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727
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WWM

Jnfantados — Infanterie.

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öffentlichen Meinung, nicht vollstreckte. 1808 Oberstder Garden und Generalcapitän von Neucastilieugeworden, begleitete er Ferdinand VII. nachBayonne, eifrigst bestrebt, der Dynastie den Thronzu erhalten, trat aber, von Napoleon beschuldigt,das zwischen dem alten Könige u. seinem Sohneobwaltende Mißverhältniß zu unterhalten, alsOberster der Garden in Josefs Dienste u. Unter-zeichnete 7. Juli 1808 die von Napoleon für dieSpanier bestimmte Constitution. Indessen seinerRolle hier bald müde, verließ er den Hof, stellte sichan die Spitze der Gegenpartei u. rief die Nation zuden Waffen gegen Frankreich, worauf ihn 12. Nov.1808 Napoleon als einen doppelten Verräther äch-tete. 1809 führte er ein Corps, das jedoch vonSebastian! zweimal geschlagen wurde, so daß dieoberste Junta ihm den Befehl entzog. Er gingnun nach London, wurde aber Jan. 1811 von denCortes zum Präsidenten des Regentschastsrathesvon Spanien n. Indien ernannt, an den Prinz-Regenten von England in einer außerordentlichenSendung geschickt u. kehrte 1812 nach Cadix zu-rück. Hier war er das Haupt der Partei der Ser-vilen u. verlor deshalb seine Stellen, ja die Cor-tes verbannten ihn selbst aus Madrid, wohin ersich 1813 begeben hatte. Indessen der König be«rief ihn nach seiner Rückkehr zum Obersten derGarde und Präsidenten des Raths von Castilien,eine der einflußreichsten Stellungen. Die Revo-lution von 1820 nöthigte ihn, seine Stellen nie-derzulegen, u. beschuldigt, an der von den Gardenim Juni im Palaste des Königs angezettelten Ver-schwörung theilgenommen zu haben, wurde er auskurze Zeit verhaftet und dann nach Majorca ver-bannt, von wo er nach England gehen wollte;durch den Sturm verschlagen u. aufs Neue ver-haftet, wurde er nach Madrid gebracht, wo ihmder König seine Freiheit gab. Stach der Wieder-herstellung der Constitution 1820 legte er seineStellen nieder u. wurde nach Jldefonso verwiesen,bald daraus jedoch nach Galicien geschickt, hier aberverhaftet u. nach Madrid zurückgebracht, weil manihn im Verdacht hatte, an den Vorgängen des 7.Juli theil zu haben. 1823 trat er an die Spitzeder von den Franzosen eingesetzten Regentschaft,u. als Ferdinand VII. frei wurde, erhielt I. denOberbefehl über die Garde, wurde 1824 aberGeneralcapitän der Armee. Unter Zea stand eran der Spitze der königl. Opposition, wurde andessen Stelle 1825 erster Staatssecretär u. Prä-sident des Ministerialraths, verlor die Stelle je-doch im August 1826 wieder und ging nach derVerheirathnng Ferdinands VII. mit Marie Chri-stine nach Paris; später kehrte er nach Madridzurück u. st. daselbst 28. Nov. 1841. «ag-ü.-

Jnfantados, s. Schafe.

Infanterie (angeblich aus dem Span, vonlutUuoisros, d. h. Kinder der Soldaten, die nochnicht Ritter waren u. daher zu Fuß Dienste leiste-ten; nach And. aus dem German, von kaut odervenb, d. i. junger Bursche, Knecht eines Ritters;endlich von einer span. Infantin, die eine größereZahl Fußvolkes gegen die Mauren in den Kampfgeführt haben soll, abgeleitet), derjenige Bestand-theil eines Heeres, welcher zum Gesecht zu Fußbestimmt ist. Die I. ist die älteste Truppengatt-

ung u. bildet den Kern u. die Hauptmaste einesjeden Heeres; sie ist im Fern- u. Nahkampf, ingeschlossener u. zerstreuter Ordnung, in der Offen-sive u. in der Defensive, ferner in jedem militä-risch überhaupt benutzbaren Terrain zu verwenden,ist am wohlfeilsten u. leichtesten zu erhalten, aus-zurllsten n. zu ergänzen, sowie am schnellsten ans-zubilden, u. wird daher auch als die Hauptmasseder Heere bezeichnet. Im Alterthum war das Fuß-volk mit Keulen, Bogen, Wurfspießen, Schwer-tern rc. bewaffnet. Zum Schutze gegen die feind-liche Waffenwirkung bediente man sich der Schilde,Harnische u. Helme; doch war meist nur die be-sitzende Klasse mit diesen Schutzwaffen versehen,während die besitzlosen Sklaven ohne dieselbenkämpfen mußten. So bildete sich schon früh einUnterschied zwischen schwerem u. leichtem Fußvolk:ersteres, die Gewappneten, waren zum Entscheid-ungskampfe, letzteres, die Ungewappneten, warenmit Fernwaffen (Schlender, Wurfspieß, Bogen)bewaffnet u. daher mehr für den Einzelkampf be-stimmt. Bei den Griechen zählten die Hoplitenu. Phalangiten zum schweren Fußvolk, die Gym-neten od. Psilen zum leichten; Letztere waren wie-der unterschieden in Akontisten (Speerschützen),Peltasten (Schildträger), Sphendoneten (Schleude-rer) und Toxoten (Bogenschützen). Bei den Rö-mern gehörten die Triarier, Hastaten u. Princi-pen zum schweren, u. die mit einem leichten Wurf-spieß bewaffneten Veliten zum leichten Fußvolk.Allmählich verwischt sich indessen dieser Unter-schied, theils infolge veränderter socialer Verhält-nisse, theils infolge des zunehmenden Gebrauchsvon Fernwaffen, namentlich des Bogens. Imfrühen Mittelalter ist die Reiterei die Hauptwaffe,Fußvolk kommt fast nur im Städtekrieg zur Ver-wendung, erst zu Anfang des 16. Jahrh. wirdes wieder vermehrt u. im Feldkricge gebraucht;es war mit Hellebarte u. Spieß u. bald — wennauch noch in beschränktem Maße — mit Feuer-waffen bewaffnet; hiernach unterschied man Pike-niere u. Handschützen od. Arquebnsiere, Elftere intiefen Colonnen zum Eiitscheidungskampfe, Letzterein zerstreuter Ordnung zur Einleitung des Ge-fechts verwendet. Mit Verbesserung der Hand-feuerwaffen nimmt auch ihr Gebrauch immer mehrzu: dis mit Musketen Bewaffneten werden Mus-ketiere genannt; ihre Zahl wächst im Verhältnis)zu der der Pikeniere, welche nach Einführung desBayonnetgewehrs allmählich verschwinden u. durchdie mit diesem bewaffneten sogen. Füsiliere ersetztwerden. Eine besondere Gattung der I. warendie zum Werfen von Handgranaten bestimmtenGrenadiere; der Gebrauch der Handgranaten imFeldkriege kam zwar bald wieder ab, die Bezeich-nung Grenadier hat sich aber, wie auch die derMusketiere u. Füsiliere, bis auf die heutige Zeiterhalten, obwol bezüglich ihrer Bewaffnung undVerwendung damals, wie auch jetzt, keine Unter-schiede bestanden. Die Einführung der Feuerwaffenmußte natürlich auch die bisherige Kampfesweiseverändern; an Stelle der tiefgliederigen Colonnetrat die Aufstellung in Linie u. es wurde für dieMasse des Fußvolkes die Bezeichnung Linien-J.gebräuchlich. Die zerstreute Fechtart war für dieI. gänzlich aufgegeben, schon die Organisation der