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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
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705
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Jnd'cn.

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Schadschahanpur, am 6. u. 7. Bareilly inRohilkand u.säuberte dieses Land, worauf ein großer Theil Auf-rührer sich nach Audh wieder zurückwandte. DieRegenperiode während des Sommers unterbrachauf mehrere Monate die Operationen. Obgleich dieEmpörer immer noch eine bedeutende Macht ineinzelnen Plätzen hatten, hielt sich die Negierungdoch wieder für sicher genug, um die Förderungder Telegraphie, Dampfschifffahrt, Eisenbahnen n.anderer Friedenswerke wieder auszunehmen. Diegroße Peninsularbahn wurde zwischen Bombayü. dem Bezirk Puna dem Betrieb übergeben. ImAugust empörten sich in Multan zwei bewaffneteRegimenter Seapoys, die sämmtlich niedergemachtwurden. Im October wurde der Großmogul zuewiger Gefangenschaft verurtheilt u. zuerst nachEalcutta, dann nach Rangun in Hinterindien ab-gesührt.

Nicht weniger bedeutungsvoll als diese krieger-ischen Ereignisse waren für das Indisch-britischeReich die Beschlüsse des Großbritannischen Parla-ments, welche die Herrschaft der Ostindi-sch en Hand elscompag nie beendigten. DurchGesetz vom 2. Aug. 18S8 wurde die OstindischeCompagnie durch einen Minister der Krone(Staatssekretär) nebst einem Vicepräsidenten u.einer indischen Rathskammer von 18 Mitgliedern(wovon 9 durch die Krone ernannt, 4 durch Offi-ziere oder Beamte, die in Indien 10 Jahre ge-dient, und 5 durch Parlamentswahlen gebildet)ersetzt. Die Räthe haben nicht die Macht,gesetzlichen Maßregel» ihre Zustimmung zu ver-weigern, u. ihre Amtsdauer ist sechsjährig. Die-ser Entwurf, von beiden Häusern angenommen,erhielt durch die Königin Gesetzeskraft u. 1. Nov.wurde in ganz I. vermittelst einer königl. Pro-clamation den neuen Unterthanen diese Veränder-ung bekannt gemacht. Ostindien wurde einTheil des Britischen Reiches unter derNegierung der Königin. Im Übrigen bliebAlles ziemlich unverändert. Zum ersten Vice-könig, mit dem indischen Titel Nabob-Vezier,ernannte die Königin den bisherigen General-gouverneur Viscount Canning. In der Pro-klamation wurde zugleich Allen', die sich bis zum1. Jan. 1859 unterwerfen würden, wenn sie zuihrer Heimath u. zu ihren friedlichen Berufsge-schäften zurückkehrten, volle Amnestie verkündet.Ausgenommen sollten nur die Mörder britischer Un-terthanenseiu. EndeOctoberhattendieKnegsopera-tionen gegen die Eingeborenen wieder begonnen;der Schauplatz des Kampfes war verhältnißmäßigklein geworden. Es waren einestheils der sumpfigeBainswarrabezirk unmittelbar an den Ufern desGanges im S. von Audh, anderseits die gebirgi-gen u. morastigen Gegenden im N. dieses Landesbis an die Grenze von Nepal. In mehrerenTressen von Colin Campbell (nunmehr zum LordClyde erhoben) geschlagen, zerstreuten sich die Re-bellen in einzelne Trupps, die allmählich zersprengtwurden, so daß am l.Jan. 1859 Audh als wie-der unterworfen betrachtet werden konnte. Damitwar der Kampf im Wesentlichen beendigt, wenn!auch noch Jnsurgenteumassen unter der Begum-(Königin-Wittwe) von Audh, Nena-Sahib und!Lantia Topi hernmschweiftcn, die sich hauptsäch-Pierers Unwersal-Eonversations-Leriton. 6. Aull. X.

lich nach Nepal gezogen hatten. Lantia Topiwurde 7. April 1859 durch den Verrath einesFreundes gefangen u. 18. April nach kriegsge-richtlichem Urtheil an den Galgen geschlagen;Nena Sahibs ist man trotz aller Anstrengungennicht habhaft geworden. Die Stadt Lakhnau, diewährend der Belagerung des festen Schlosses u.bei der Erstürmung durch die Engländer großeVerheerungen erlitten hatte, war- im Frühjahr1859 im völligen Neubau begriffen. Die Mäßig-ung des Vicekönigs trug sehr viel zur vollständi-gen Beruhigung des Landes bei. Die schwierigsteAufgabe der Negierung war vorläufig die Regel-ung der Finanzen, die infolge der enormen Kriegs-ausgabeu in vollständige Verwirrung gerathenwaren. Durch Einführung neuer Stenern, wieder Stempeltaxe u. Gewerbesteuer; Verdoppelungu. Verdreifachung der Zölle, deren Ertrag derstetig zunehmende Handelsverkehr jährlich steigerte,ist es gelungen, ein ungefähres Gleichgewicht desBudgets herzustcllen. Die vielen Annexionen dervergangenen Jahrzehnte gaben Anlaß zu veränder-ten Eintheilungen des Landes u. Schaffung neuerProvinzen, wie des Pendschab u. der Centralpro-vinz, u. zur Errichtung besserer Controls der ein-heimischen Fürsten in besonderen Agenturbezirkenvon Radschputana u. Ccntralindien, die noch mehr-fach umgeändert worden sind, ehe die oben (III)dargestellte Eintheilung hcrgestellt war. DurchHeranziehen vornehmer einheimischer Elemente zuVerwaltungs- u. Justizämrern, durch die Bevor-zugung der großen Grundbesitzer in der Selbst-verwaltung der kleineren Bezirke suchte die Re-gierung die Eingeborenen fester an die bestehendeRegierung zu ketten u. mit den neuen Verhält-nissen zu versöhnen.

Durch außerordentliche Ereignisse ist das Reichweder nach außen noch im Innern nach demAufstand gestört worden. Den März 1862 ab-tretenden Vicekönig Canning (s. d. 2) ersetzteLord Elgin und nach dessen baldigem Tode,28. Novomber 1863, trat der Gouverneur desPendschab, Sir John Lawrence (später zum Lordof Pnnjab erhoben) 1864 an die Stelle. Diesemfolgte 1869 der Graf Mayo, der 8. Febr. 1872bei einem Besuch der Andamanen-Jnscln voneinem Sträsling ermordet u. durch Lord North-brook (früher Thomas George Baring, s. d.) er-setzt wurde. Nach dessen freiwilligem Rücktritt1876 hat Lord Lhtton die Stelle eingenommen.Die Regierung ist nach allen Seiten hin bemühtgewesen, Lurch Vermehrung der Verkehrsmittelden Wohlstand des Landes zu heben; daß in dieserBeziehung aber immer noch viel zu thuu ist,haben die großen Calamitätcn, welche die durchdie Trockenheit u. die damit verbundene Mißerntedes Reises herbeigeführte zweimalige Hungers-noth 1874 in Bengalen u. Orissa, 1877 in Be-zirken von Madras und Bombay, in Haidarabadund Maisur verursachte und wobei Tausende vonMenschen trotz aller Vorkehrungen den Tod fan-den, gezeigt. Ebenso eifrig ist sie bemüht, die Zahlder Haudelswege u. Handelsgebiete für I. zu ver-- mehren. Die Armee besteht wieder zum größerenftLheile aus Eingeborenen, die auch außerhalb J-s,wie schon früher 1800 in Ägypten u. 1839 i»Band. 45