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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

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um Theilnahme an dem indischen Handel bewor-ben. 1600 gingen ihre ersten vier Schiffe nachI,, dann gründeten sie Niederlassungen sowol imArchipel als in dem vorderindischen Festlande ausder Küste von Coromandel, u. rivalisirten in Be-treff des Gewürzhandels mit den Holländern. DerHandelsneid führte zu blutigen Auftritten zwischenbeiden Nationen, so 1623 auf Amboina; schließlichzogen sich die Engländer aus dem Archipel zurück,behaupteten sich aber in Vorder-Jndien, so dortin ihrer 1625 angelegten Factorei Madras, be-mächtigten sich 1622 der portugiesischen Ansiedel-ung zu Hormus am Persischen Meere und ge-wannen, da ihnen die Perser die NiederlassungBender Abbas überließen, den ganzen von dorther betriebenen Handel mit Seide, Teppichen,Goldstoffen u. anderen persischen Maaren. Hier-durch u. durch die Abtretung von Bombay, wel-ches König Karl II. bei seiner Verheirathuug mitder portugiesischen Prinzessin Katharina 1662 alsHeirathsgut erhielt, durch Anlegung von Factoreienzu Hugli, Calcutta (1683 oder 1698) u. Benkulen(1669) u. durch kluge Uuteruehmiiugen der beidenHandelsgesellschaften (der 1600 gestifteten Londoner-Ostiudischen u. der 1698 gebildeten Englisch-Ost-indischen), deren verderbliche Rivalität 1708 durchVerbindung zu Einer Gesellschaft geendet wurde,wuchs die britische Macht in Ostindien bedeutend,und die Engländer besaßen in der Mitte des 18.Jahrh. außer den Factoreien ans den großenSunda-Jnseln u. in Hinter-Jndien Niederlassun-gen an den Küsten Vorder-Jndiens,die geographischin die Bezirke Bombay, Calcutta, Madras, unterwelche die damals zahlreichsten u. wichtigsten Plätzeder Coromandelküste begriffen wurden, zerfielen.

Eine besondere Gestaltung hatten in derselbenZeit die Geschicke der einheimischen Staaten ge-nommen. Das Reich der Mongolen, mit demSitz des Herrschers, des Großmoguls, in Delhihatte sich im Laufe des 16., noch mehr des 17.Jahrh. durch die Thatkraft u. Energie mehrererFürsten, wie Mbar u. Aureng-Zeyb, zu einem be-deutenden Umsang u. großem Einfluß ans die in-nere Entwickelung des indischen Landes erhoben.In Hindostan war jede selbständige Dynastie ver-schwunden; im Dekhan war nicht minder der größteTheil der dortigen kleinen Reiche durch die Waf-fen des Mogul vernichtet worden u. nur wenigenin unwegsamen Bergen wohnenden Stämmen, wieden Gond, gelungen, sich die Freiheit zu retten.Die Verwaltung dieser ausgedehnten, zur Zeit dergrößten Blüthe in 15 Statthalterschaften gechecktenHerrschaft besorgten die Mogule durch muselmani-sche Statthalter (Subahdar od. Subah), od. durchHindu Radscha, welche für die erblichen Lehns-herrschasten einen bestimmten Zins entrichteten, imUebrigen sich aber fast unbeschränkter Freiheit inder Verwaltung ihrer Bezirke erfreuten. Diekleineren Bezirke standen unter Kreisbeamten (Na-wab, gewöhnlich Nabob, d. h. Abgeordneter), welcheder Bestätigung des Kaisers in Delhi bedurften,sonst ihrem direkten Gebieter, dem Subadhar,allein zu gehorchen hatten. Die Folgen diesesSystems, das stets einen energischen und that-krästigen Oberherrscher verlangte, zeigten sich bald,als nach dem Tode Aureng-Zeybs die Dynastie

der Mogul ausartete. Wiederholte Empörungenu. gegenseitige Befehdungen der Statthalter, wieKriege u. Thronwechsel sührten bald den Zustandherbei, daß der Dekhan in eine Unzahl mehr od.minder umfangreicher Reiche zerfiel, deren Herr-scher sich selbständig gemacht hatten, so die Nabobsu. Radscha von Carnatic, Arkot, Tandschur, Tra-vankore, Bhopal, Cochin rc., u. die mächtigste dieturkmanische Dynastie zu Haidarabad (s. d.), ge-stiftet vom Statthalter Asof Dschah, mit dem ihrgebliebenen Titel Nizam (d. h. Stütze) al Mulk(des Herrschers) n. daß in Hindostan die Subahsu. Nabobs (von Audh, Bengalen, Bahar u. a.)den Befehlen des auf ein geringes Gebiet zurück-gedrängten Herrschers zu Delhi auch nur in ge-ringemMaße gehorchten. Andere Reiche verdanktender Energie einzelner kriegerischerStämme ihre Ent-stehung. So das der Radschputen, dessen Stift-ung schon in eine frühere Periode fällt u. das sichdurch alle Stürme mit seineneigenthümlichen Lehns-verhältnissen in Radschputana erhalten hatte, dasder Mahratten im nördlichen Dekhan, einesauch körperlich vor den andere» Hindu sich aus-zeichuenden Volkes, welches, schon früher in diedortigen Gegenden eingewaudert, im 17. Jahrh.sich zu einer einflußreichen, brahmanischen Herrschaftin Concaua emporschwang. Bei ihren eigeuthüm-lichen Institutionen, dieallein aufdeuKrieg zugespitztwaren u. den Unterhalt von dem Ertrag der Ar-beit ihrer Unterthanen erpressen ließen, wurde dieMacht der obersten Feldherr», des sog. Peischwa,bald die maßgebende. Schon 1738 war ganzMalwa, und alles Land zwischen Nerbndda undTschumbul dem Mogul entrissen. Eine einheitlicheMacht der Mahratten kam dabei auch nicht zuStande; einzelne hervorragende Häuptlinge machtensich selbständig u. schon aus derselben Zeit datirendie Fürstenthümer des Bhunsla von Nagpur (s. d.),des Scindiah von Gwalior (s. d.), des Holkar vonJndor (s. d.) u. des Guicowar in Baroda (s. d.).Das Peudschab endlich war der Schauplatz wech-selvoller Kämpfe zwischen den Afghanen, dem Groß-mogul u. der aufstrebenden Sekte der Sikh (s. d.),bis es den letzteren unter energischen Herrschern,namentlich Rundschit Singh, gelang, gegen Endedes Jahrh. sich die Herrschaft zu erringen. Un-gefähr dasselbe Schicksal hatte Kaschmir (s. d. Gesch.).Traurig war unter diesen Umwälzungen die Lagedes einzelnen Volkes. Vollständig rechtlos, denhärtesten Erpressungen ausgesetzt (das von denEngländern adoptirte Steuersystem hat sich in die-ser Zeit ausgebildet), blieb ihnen nichts mehr alsdas nackte Leben; die Kunst ».Wissenschaft erloschod. blieb wenigstens ohne weiteren Fortschritt; diealten Prachtbauten u. Städte waren verfallen, dieBewässerungsanlagen verstecht; allein der religiöseGlaube trotzte unvertilgbar festhängend allen Be-kehrungsversuchen der fanatischen Eroberer. Wolwaren unter den Moguls einige Pracht- u. kunst-liebende Fürsten, von denen die nun auch demVerfall entgegengegangenen Bauten von Agra,Delhi u. A. zeugen; indessen insofern ihre Be-strebungen in Kunst u. Wissenschaft von dem demaltindischen Wesen durchaus feindlichen Geist desIslam durchdrungen waren u.überhaupt meist mehraus luxuriösen Neigungen als aus Interesse her-