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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

Halter nahmen eine fast selbständige Stellung ein,so namentlich die schon von den Gildschifürsten seit1203 eingesetzten Fürsten von Bengalen; derDekhan war in eine große Anzahl kleinerer mo-hammedanischer, so Ahmednagar, Golkonda, Bi-der, Vidschajapnra, u. brahmanischer Reiche, soOrissa, Vidschajanagara zerspalten, die sich unauf-hörlich befehdeten (s. o.). Außer diesengrößeren gabes noch eine ganze Reihe kleinerer Häuptlinge, so dievon Honawar, Cranganur, Cochin, Quillon, Ca-licut , unter denen die letzteren die für dieEuropäer bekanntesten sind. Fast durchaus selb-ständige Herrscher mit dem Titel Zamorin (ent-standen aus dem sanskritischen Samudrin, d. h.ein Fürst der Küste), huldigten sie schon seit demg. Jahrh. dem Islam, wozu die friedliche Be-kehrung eines ihrer Vorgänger Anlaß gegebenhatte, wie überhaupt das ganze Küstenland Ma-labar (das alte Kerala) seit dieser Zeit von ara-bischen Kauflenten des Gewürzhandcls wegen be-setzt war und unter den Fürsten und Einwohnernzahlreiche ans dem friedlichen Wege der Missiongewonnene Anhänger des Islam zählte.

So standen die Verhältnisse in I., als der ersteEuropäer auf dem Seewege, Vasco de Gama,20. Mai 1498 in Calicut landete. Die sofortweiter fortgesetzten Beziehungen der Europäer,im Anfang allein der Portugiesen, beschränktensich vorläufig auf den Dekhan, wo sie die gegen-seitigen Feindschaften der kleinen Fürsten geschicktzu ihrem Vortheil benutzten; in Hindostan da-gegen gelang es zu derselben Zeit einem mongo-lischen Führer, Baber, im Anfang des 16. Jahr-hunderts noch einmal in dem Reich des Großmogul(s. d.) in Delhi, das Land unter einer Herrschaftzu vereinigen u. seinen Nachfolgern im folgendenJahrhundert sie weit in den Dekhan auszudeh-nen (s. unten). Im Süden hatten die PortugiesenJahre lang mit der durch die Handelseifersucht derarabischen Kaufleute aufgestachclten Feindschaft derZamorine zu kämpfen, bis es ihnen unter demVicekönig Almeida 1507 gelang, sich in Calicutfestznsetzen. Außerdem gründeten sie Stationenin Goa, Negapattanam, Meliapur u. ans Ceylon.Weiter wuchs ihre Macht unter Albuqnerque(15091515), welcher Malakka in Hinterindieneroberte, die Molukken u. Philippinen im Archipelu. Hormus u. Maskat am Persischen Meerbuseneinnahm. Auch noch nach seinem Tode (1515)wuchs die Macht der Portugiesen durch Gewaltu. List, so daß sie um 1542 die Herrschaft überdie ganze Küste vom Persischen Meerbusen bis andas Cap Comorin, einzelne Niederlassungen aufder Küste Coromandel u. Stationen auf Malakkau. in dem Archipel besaßen u. den gesammtenHandelmit den östlichen Gegenden in ihrer Hand concen-trirten. Andere europäische Nationen schlossen siefast ganz davon aus; kein fremdes Schiss durfteohne portugiesische Pässe die ostindischcn Meerebefahren, keines Gewürze oder Kriegsbedürfnisseladen, keines eher in ostindischen Häfen Ladungeinnehmen, bevor nicht alle portugiesischen Schiffebefrachtet waren. Die unzweckmäßige Verwaltungder weit ausgedehnten Besitzungen (die Statthaltermußten alle drei Jahre wechseln u. wurden nur»ach Hofgunst ernannt), die vollständige Aus-

plünderung der Eingeborenen, die barbarischenGrausamkeiten der Inquisition (1542 eingesührt),die Intoleranz der zahlreichen Geistlichen (auchgegen die einheimischen Thomaschristen), endlichdie zeitweilige Jncorporirung mit Spanien seit1580, riesen sehr bald den bittersten Haß derEingeborenen und das Sinken der portugiesischenHerrschaft hervor, als andere Nationen, von denHindu als Befreier begrüßt, in den Handelswett-kampf traten. Zuerst versuchten es die Nieder-länder, angeregt durch die glückliche Reise vonCornelius Houtman (s. d.) im Jahre 1595.Da die ersten Versuche günstig ausfielen, tratendie einzelnen in Holland errichteten Handelsgesell-schaften 1602 in die Niederländisch-ostindische Ge-sellschaft zusammen, welche den offenen Kampf mitden Portugiesen begann, und Letztere, von demMutterlande schlecht unterstützt, verloren einen Platznach dem andern; so 1624 die Molukken, 1633Java, 1641 Malakka, 1658 Ceylon, 1660 Celebes,und seit 1663 die meisten Plätze auf der KüsteMalabar, so daß ihnen zuletzt nur noch Goa,Daman und Diu blieben. Die Herrschaft derHolländer war übrigens nicht weniger drückendu. allein von dem kaufmännischen Gesichtspunktedes möglichst hohen Gewinnes aus geleitet; sorotteten sie, um den Preis hochzuhalten, aus allenGewürzinseln, außer aus Amboina, den Gewürz-nägelbaum aus u. erlaubten sich die größten Er-pressungen, waren deßhalb auch in fortwährendenkleinen Kämpfen begriffen. Surat, Cochin aufMalabar, Negapattanam auf Coromandel warenin Vorder-Jndien ihre Hauptpunkte; wichtigernoch ihre Ansiedelungen im Archipel mit demHauptsitz in Batavia. Bald versuchten auch dieDänen, von einem holländischen Factor, Be-schower, bewogen, 1616 eine Niederlassung inCeylon zu gründen, welche bald nach der KüsteCoromandel übersiedelte u. dort Tranqnebar an-legte. Indessen konnte weder die 1612 gegrün-dete Dänische Handelsgesellschaft noch der Königetwas Wesentliches bewirken, u. wie in Tranquebar,so ging es in mehreren anderen, in Bahar, Ben-galen, Orissa, gestifteten Factoreien. Die Versucheeiner schwedischen (1731) u. einer preußischen(unter Friedrich dem Großen) Handelscompagnieblieben ohne Resultat. Auch die franzö-sischen 1664 durch Colbert gestifteten Handels-niederlassungen in Ceylon, Surat u. a. mußtenbald aufgegeben werden, bis ihnen endlich 1672 derKaufmann Martin einen von ihm gekauften Land-strich überließ, wo sie festen Fuß faßten u. Pon-dichery, den nachmaligen Sitz der französischenHerrschaft, anlegten. Die Franzosen errichtetendaraus Niederlassungen in Bengalen, knüpftenVerbindungen mit China, Siam u. a. Reichenan; zwar verloren sie 1693 Pondichery an dieHolländer, bekamen es jedoch 1697 im Friedenvon Ryswick wieder. Sie erhielten dann vondem Radscha von Tandschur nach und nach einGebiet von 113 Dörfern abgetreten, in welchemsie Karikal befestigten, und ihre Macht stieg, bes.seitdem sie noch am Hugli in Bengalen eine An-siedelung gewonnen halten, in der Mitte des 18.Jahrh. zu bedeutender Größe. Die Engländerhatten sich zu Anfang des 17. Jahrh. gleichfalls