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Jesuiten.
Apostel nur der Zeit nach verschieden. Der Stif-ter des Ordens ist Ignatius von Loyola,Jnigo Lopez de Recalde (s. d.). Derselbe sam-melte in Paris 16. A»g. 1534 sechs Genossen umsich, mit denen er Jan. 1537 zur Bekehrung derUngläubigen ins H. Land gehen wollte; aberdurch den Türkeukrieg an der Ausführung ver-hindert, stellten sie sich als Oompania llssu demPapst Paul III. zu unbedingter Verfügung. Alsdieser ihre Statuten las, soll er gerufen haben:die sst äiAitua vsi (das ist Gottes Finger). Erbestätigte 17. Sept. IS4V die Gesellschaft mit derBedingung, daß ihre Mitgliederzahl nicht über60 betrage, doch wurde später diese Beschränkunganfgehoben. Ignaz erlebte noch die Ausbreitungdes von ihm gestifteten Ordens über das ganzeAbendland. Außer den 3 Mönchsgelübden übernahm die Gesellschaft noch das Gelübde: ihr Lebendem beständigen Dienst Christi u. der Päpste zuweihen, unter dem Kreuzesbanner Kriegsdienstezu leisten, nur dem Herrn u. dem Papste in Rom,als dessen Stellvertreter auf Erden, zu dienen, sodaß, was immer der gegenwärtige Papst u. sei»Nachfolger in Sachen des Heils der Seele undder Verbreitung des Glaubens ihnen befehlen n.in welche Länder er sie immer senden möchte, sieohne jegliche Zögerung und Entschuldigung, so-gleich, soweit es in ihren Kräften läge, Folgezu leisten gehalten sein wollten.
Geist u. Verfassung des Ordens. DerJ.-O. ist nach dem ursprünglichen Entwurf imsoldatischen Geiste seines Stifters als eine geist-liche Miliz im Dienste des Papstthums gedacht,u. aus dieser vom Anfang an kriegerischen Be-stimmung des Ordens erklärt sich seine Haupt-tendenz wie seine Organisation. Die ganze Richt-ung des Ordens geht auf Erringung resp. Unter-stützung jener Art von Weltherrschaft, die vonAnfang an das Papstthum als Fortsetzung derrömischen Universalmonarchie in höherer Potenzund geistlicher Form anstrebte. Der J.-O. gingmit dem Papstthum, dem von jeher die geistlicheWeltherrschaft eben so sehr Mittel wie Zweck derpolitischen Machtstellung war, das engste Büudnißder Interessen ein und machte ebenso sich deniPapstthnm, wie das Papstthum sich dienstbar.Hatte das Papstthum seit seinem Emporkommcndurch Gregor VII. den erneuerten Benedictiner-orden, noch mehr seit Jnnocenz III. die Bettel-vrden für seine Zwecke zu benützen verstanden, sohatte es nun erst das ganz entsprechende Organgefunden, namentlich gegenüber der Reformation,die zu derselben Zeit, da in Ignatius der ersteGedanke eines solchen Ordens dämmerte, denganzen Bau der mittelalterlichen Hierarchie zu er-schüttern begann. Der J.-O. war daher im voll-sten Sinne des Wortes ein Kind seiner Zeit undgehört mit der mittelalterlichen Papstkirche ununter-scheidbar zusammen. Der Kampf gegen denProtestantismus stand daher im Vordergrundder Bestrebungen des J.-Ordens. Diesen Kampfsuchte er zu führen theils durch Polemik, wissen-schaftliche u. populäre, auf den Kathedern der Uni-versitäten, durch gelehrte, theologische Werke (Bell-armin, Perrons), durch gelehrten Jugendunter-richt, die Stärke u. den Ruhm des Jesuitismus
(organisirt durch den 4. Ordensgeneral Aguaviva,1581—1615), durch Bolkspredigt, am »leisten mitHilfe des Beichtstuhls. Da aber diese mehr morali-schen Mittel gegen den in geistiger Hinsicht baldgleich starken Protestantismus nicht völlig aus-reichten, so suchte der Jesuitismus desto mehrdurch politischen Einfluß auszurichten. Die jesuiti-schen Beichtväter katholischer Fürsten schürten un-ablässig gegen die Protestanten u. führten zuletztdie große Reaction des 17. Jahrh., besond. imDreißigjährigen Krieg herbei, durch welche derProtestantismus große Gebiete verlor. Auch durchseine Proselytenmacherei unter regierenden Häup-tern, Männern der Aristokratie u. des Geldes hatder J.-O. bis heute dem Protestantismus viel-fach Abbruch zu thun gewußt. Da nun dennochtrotz der Erfolge gegenüber dem Protestantismusdem Papstthum weite Strecken verloren blieben,so juchte der Jesuitismns in der fernen Heiden-welt das Verlorene hereinzubringen. Daher ent-faltete der J.-O. eine ebenso eifrige u. thatkräf-tige, wie klug angelegte Missionsthätigkeitin Japan, China, Ostindien, Abessinien, auf demsüdamer. Continent, n. weil zu diesem Missioinrenviel Geld gehörte, so wurde damit eine ausge-breitete Handelsthätigkeit verbunden, die den Or-den kaum weniger reich machte, als die Benütz-ung der Frömmigkeit zu Hause zu Schenkungen,Vermächtnissen n. dgl. Unbestreitbar bleibt aberbei Alledem, daß der Orden der Kenntniß dervon ihm besuchten Länder Bahn gebrochen, sichum Sprachen-, Länder- u. Völkerkunde die wesent-lichsten Verdienste erworben hat, Verdienste, denenauch solche auf einigen anderen wissenschaftlichenGebieten würdig zur Seite stehen. — Der Tendenzdes J.-O-s entspricht seine Organisation, in der sichebenfalls der militärische Grundcharakter des Ordensnicht verleugnet. Dis strengste Subordination,noch ganz anders als die militärische, ist die Grund-forderung des Ordens au seine Mitglieder. Wie einCadavcr, wie ein Stab soll sich jedes Mitgliedvon den leitenden Oberen behandeln lassen, u. einsein ausgedachtes System der gegenseitigen Über-wachung u. Controle der Mitglieder unter sich solldiese Subordination unterstützen. Auch die Aus-bildung der Ordensmitglieder und ihre Gradaü-stufung unter sich ist ganz militärisch. Die Exer-citien, wie sie schon Ignaz vorschrieb, sind sy-stematisch darauf berechnet, zum völlig willenlosenGehorsam zu erziehen, den religiösen Sinn auf-zuregen u. doch in festbegränzter Richtung zu er-halten u. damit unlösbar au den Orden zu bin-den. Wie in militärischer Rangordnung steigtman im Orden, je nachdem man sich bewährt, zuhöheren Graden auf. Der unterste Grad ist derder Novizen, der nächste der der Scholastiker, diehauptsächlich zum Unterricht in den Collegien ver-wendet werden; dann folgt die Stufe der Coad-jntoren, theils weltlicher, theils geistlicher. Dieeigentlichen Leiter sind die nicht sehr zahlreichenProfessen mit 4 Gelübden, neben welchen auchProfessen mit S Gelübden bestehen, wahrscheinlichgeheime Ordensmitglieder des höchsten Grades.Die Oberleitung des Ordens hat der J.-Generalmit dem Sitz in Rom. Unter ihm haben dieProvincialen die Aufsicht über die einzelnen Pro-