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Utopien -
ü. d. M. mit Kurhaus, Hotel u. berühmter Aussichtaus den Züricher See mit seinen Umgebungen u. aufdie Alpen (daher wol auch als der kleine Rigi be-zeichnet). Seit Juni 1875 führt eine Eisenbahn vonZürich zum Gipfel. Am 4. Nov. 1878 brannte dasBergnügungshaus Utokulm ab. Vgl. Binder, Iwclismiu äs kor cis I'IItliborA. L,vsc 25 iI1u8tr.Zürich 1878.
Utopien, ein nach dem Griechischen gebildeterName, bezeichnend einen Ort, welcher nirgend vor-handen ist (Nirgendheim), welchen Th. More (s. d.)in De optima roipudlioao atatu der erdichteten In-sel gab, wo alle Genüsse des sinnlichen LebensohneAr-beit u. Anstrengung zu erlangen sind. Dieses U. ent-sprichtdem Schlaraffenland der Mitteldeutschen Poe-sie, einem fabelhaften Land mit Seen voll Wein, Tei-chen voll gesottener Fische, die gebratenen Taubenfliegen ins Maul, das Wild laust gleich bereitet zurMahlzeit umher u. dgl. m. Daher Utopist, Je-mand welcher erwartet, daß ihm Alles ohne Arbeitznfließe; in der Politik, Jemand, welcher sich mitunausführbaren Reformplänen trägt.
Utraquisten hießen die Calixtiner, weil sie dasAbendmahl abweichend von der Katholischen Kircheunter beiderlei Gestalt, Brod n. Wein, nahmen.
Utraquisttsch, was auf zweierlei Weise geschieht.So heißen bes. in Posen utraquistische Schulen solche,in denen in polnischer und deutscher Sprache unter-richtet wird.
Utrecht, 1) Prov. in dem Königreich der Nie-derlande, an die Zuidersee, an Nord- u. Südhollandu. Geldern grenzend; 1384 f^skm (25,,4 HZM) mit184,084 Ew. (133 aus 1 Hskm, in ganz Holland116); meist eben u. niedrig, östlich etwas hügelig,fruchtbar in den niedrigeren, sandig u. heidig in denhügeligen Theilen; hat viel Torf, gute Weiden, zurBewässerung außer den Armen des Rheines (Leck,Kromme Rijn, Oude Rijn', Vecht, Issel), mehrerekleinere Gewässer u. Kanäle, bes. die den Leck mitder Vecht verbindende Baart. Klima: gesund; Pro-ducts: Getreide reichlich (berühmter Buchweizen),Tabak (bester in Holland), Pferde, Rindvieh (vonwelchem man vorzüglich Butter n. Käse gewinnt),Bienen; man fertigt allerlei Gewebein Wolle, Baum-wolle, Seide, Leinen, gute irdene Maaren, Brannt-wein, Bier u. treibt Handel mit diesen Fabrikaten,so wie mit den Erzeugnissen der Viehzucht (bes. But-ter u.Käse) u. des Ackerbaues; 140 km Eisenbahnen.2 ) Hauptstadt hier, in anmuthiger Umgebung, amOnden Rijn (alten Rhein), welcher die Stadt um-fließt u. in 2 Armen durch die Stadt geht, u. sich indie Vecht denVaartschenu.OudenRijn trennt; Kno-tenpunklderNieder!. Central-, Nieder!. Rhein-, Nie-Lerl. Staats-u. der Holländ.Bahn,umgeben vonver-schiedenen Forts; hat herrliche Spaziergänge (bes. dieMaliebaan,eine 1000 Schritte langeAlleevon6 Rei-hen Linden) 4 Vorstädte u. 36 Brücken. U. ist Sitzzweier Friedensgerichte, eines Militärgerichtshofes,eines katholischen (Jansenistischen) Erzbischofs, einesHandelsgerichts und einer deutschen Ordenshaus-ballei (wiederhergestellt 1815) hat 20 Kirchen, dar-unter 7 der Resormirten, 6 der Katholiken. Merk-würdig ist besonders die im reinsten gothischen Stil1254—67 erbaute Domkirche zum hl. Martin mitDenkmälern mehrerer Bischöfe von U. u. des Admi-rals Van Gent (in den Grüften unter der Kirche
— Utrecht.
sind die Eingeweide der hier gestorbenen deutschenKaiser Konrad II., 1039 u. Heinrich v., 1125); hateinen 103 m hohen, seit dem Einsturz des vorde-ren Theiles des Schiffes 1674 etwas abstehendenThurm, welcher eine Aussicht über den größtenTheil Hollands gewährt und ein Glockenspiel hat.Ferner:Königspalast,in welchem 1713 der UtrechterFrieden geschlossen wurde, Rathhaus mit reichhalti-gem Archiv, Gemälde- u. Kunstsammlung, Deutsch-ordenshaus,Münzgebäude,Papsthaus, Kinderhospi-tal rc. U. hat eine Universität mit 5 Facultäten und(1878—79) 502 Studirenden, gestiftet 1634, einge-weiht 23. März 1636 mit Bibliothek von über600,000 Bdn., Anatomischem Theater, berühmtemchem. Laboratorium, Sammlungen von physikali-schen Gegenständen u. Modellen, Sternwarte, Bota-nischem Garten; außerdem Thierarzneischule, Gym-nasium, höhere Bürgerschule, auch für Mädchen;Theater, Gesellschaft der Künste und Wissenschaften,Gesellschaft der Dichtkunst, Stiftung zum Unterrichtfür Waisen, Malercollegium, Museum kirchlicherAlterthümer, Museum der schönen Künste mit Jn-strumentensammlung, die Münze ('s Lijks Llunt).Die industrielle Thätigkeit ist von keinem großenBelange, um so bedeutender sind Handel u. Verkehr.1876: 65,052 Ew. Bei dem Dorfe Zeyst (wo eineHerrnhutercolonie ist) ist der Union von 1579 einDenkmal gesetzt. U. ist das alte Iraz actum ack Lsto-uu meine Stadt der Bataver im Belgischen Gallien.Schon in dem Itiusrarium Lntonii wird U-s alsStadt gedacht. Nach dem Verfall des RömischenReiches gehörtedasvon einem Burggrafen bewohnteCastellTrajectum denFriesen; dabei war eine StadtWiltaburg (Wiltrecht) gelegen, wo auch der bischöf-liche Sitz war. Nachdem König Dagobert eine Kirche,die spätere Kathedrale 630 ans der Südseite ange-legt hatte, wuchs die Stadt rasch, bes. unter demBischof Balderich (um Mitte des 10. Jahrh.). 1046schenkte Konrad der Salier die Grafschaft Theister-band u. die Insel Betau der Kirche von U., und zuselbiger Zeit scheint auch der Bischof seinen Sitz inU. genommen zu haben. U. war früh schon durchseine prachtvollen Kirchen berühmt u. war oft Kai-sersitz. 1279 brannte fast die ganze Stadt ab. BischofHeinrich, Prinz von Bayern, überließ Stadt undFürstenthum U. dem Kaiser Karl V. als dem Her-zoge von Brabant u. Grafen von Holland 1527 u.1529 baute Karl V. in der Stadt ein Schloß, dieVreeburg od. Friedensbnrg das Zwing-U., das dieBürger 1577 zerstörten (ein Platz am Bahnhofheißt noch heute Vreeburg). 1559 erhob Papst PaulIV. die Kirche in U. zur Metropolitankirche u. un-tergab dem neuen Erzbischof die Bisthümer Har-tem, Middelburg, Leeuwarden, Deventer n. Gronin-gen. Erster Erzbischof war Friedrich Schenk vonTautenburg (st. 1580). Unter Philipp II. verei-nigte sich U., nachdem die Reformation hier Ange-führt worden war, nebst seinem Gebiet, mit den 6anderen niederländischen Provinzen zu einem Staatdurch die U-er Union, 13. Jan. 1579, durch welchedie Unabhängigkeit der Niederlande begrllndetward.Bis 1593 war U. dann der Versammlungsort derGeneralstaaten. 1672 brandschatzten die Franzosendie Stadt. Den 11. April 1713 wurde hier Friede(U-er Friede) zwischen Frankreich einer-, u. England,Portugal, Holland u. Preußen anderseits geschlossen