Druckschrift 
Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

Tcmnikow

wie Haftbefehl erlassen, 22. Dec. 1848. Auf. 1849wurde er von Neuß in die Deutsche Nationalver-sammlung nach Frankfurt gewählt, und seiner Haftentlassen, ging er dahin, trat auch für den BezirkTilsit-Ragnit wieder in die Zweite preuß. Kammer,wo er wieder die Opposition ergriff. Nach der Auf-lösung der Zweiten Kammer ging er wieder nachFrankfurt n. mit dem Rumpfparlament nach Stutt-gart. Deshalb wurde er bei seiner Rückkehr nachMunster 4. Juli 1849 wieder verhaftet u. abermalsdes Hochverraths angeklagt, zwar 6. April 1850 vonder Jury freigesprochen, aber sogleich wegen derfrüheren Beschuldigung in eine Disciplinarnnter-suchnng genommen u. Febr. 1851 seines Dienstesentlassen. (Vergl. T-s Schrift: Die Proccsse gegen

1. T., Braunschw. 1851.) Darauf übernahm erdie Redaction der Neuen Oderzeitnng in Breslau,arbeitete auch als Rechtsconsulent, bis er 1852 alsProfessor des Criminal- u. Civilprocesses nach Zü-rich berufen wurde. Von seinen zahlreichen juristi-schen Schriften u. Werken seien genannt: Handbuchdes preußischen Civilrechtes, Leipz. 1832, 2 Thle.,

2. A. Berl. 1846; Handbuch des preuß. Criminal-rechtes, Lpz. 1837; Die preuß. Strafanstalten, Berl.1841; Beiträge zum preuß. Strafrechte, ebd. 1842;Das preußische Vormnndschaftsrecht, ebd. 1847 ;Grnndzüge eines deutschen Strafverfahrens, Hamm1850; Anleitung zur Civilproceßpraxis, Schaffh.1855; Lehrbuch des preuß. Strafrechtes, Berl. 1853;Lehrbuch des schweizer. Strafrechtes, Aarau 1855;Lehrbuch desgemeinendcutschenStrasrechtes,Gtuttg.1876; gab auch mit Bonseri 1841 die Criminalisti-sche Zeitung für die preuß. Staaten heraus. Außer-dem schrieb er (anfangs unter dem Pseudonym H.Stahl) die Romane und Erzählungen, bes. in demGebiete der Criminaluovelle, auf dem er Meister ist:Die Kiuder derSllnde, 1827; Otto der Schütz u. Aus-cultator Ewald; Die Familie Hachenbach; Die Ide-ale; Das Nosenfest von Valeucy; Die geheimnißvolleFamilie, 1834; Adel, Glogaul860,2 Bde.; DunkleWege, Berl. 1861 ff., 2 Bde.; Schwarzort, ebd.1863; Deutsche Criminalgeschichten, Lpz. 1858 ff.,4Bde.; Criminalnovelleu, Berl. 1860—63,10Bde.,1873; Das Recht auf Erden; Zwei Revolutionsge-schichten, 1871; Universitätssreunde, 1873; Frau-ciscanerthurm,1873;DieWeddinger,1873;Znrlin-

.ken Hand, 1874; Allerlei Reisegesellschaft, 1874; ImAmtshause zu Sinningen, 1875; Die Präsidentin,1877; Ein Erbprinz; Ein Gottvertrauen, 1878;Die Tochter desPfarrers, 1879; Westfälische Sagenund Geschichten, 1831, 2 Bde.; mit T. v. Tettau:Volkssagen Ostpreußens, Litauens u. Westpreußeus,1837; Volkssagen der Altmark, 1839; Volkssagenvon Pommern u. Rügen, Berl. 1840 rc. Lagai.»

Tcmnrkoiv, Kreisstadtim russ. Gouv.Tambow,an der Mokscha; 6 Kirchen, hat einigen Handel, et-was Industrie; 6592 Ew.

Teuipe (gr.), berühmtes, durch seine Schönheitausgezeichnetes Felsenthal in Thessalien, durch wel-ches der Peneos floß, zwischen den Bergen Olym-pos u. Offa. Seine größte Breite betrug nach Pli-nius 360 römische Fuß; wo es am engsten war, tra-ten die Felsen so nahe an einander, daß der Raumkaum 104 röm. Fuß betrug. Die Schilderungenneuerer Reisenden lassen die von den Alten gerühm-ten natürlichen Reize des T-thals in dem jetzigen

— Tempel.

Zustande nicht durchgängig wiedercrkenuen. Stra-tegisch wichtig war T. für NGriechenland als Paßans Makedonien nach Thessalien. König Philippvon Makedonien befestigte es durch Castelle, welchezwar bald wieder verfielen, aber von den Römernin dem Makedonischen Kriege wiederhergestellt wur-den. Jetzt heißt T. Paß von Lykostomo u. gehörtzum türk. Elajet Tirhala. Am Eingänge in dasThal liegt Las Dorf Hassan Bebe. Vgl. Kriegk,Das thessalische T., Lpz. 1835, u. Bursian, Geogr.von Griechenland I, S. 58 ff. Jiihnte.

Tempel (v. lat. ll?smplum), im Alterthum daseiner Gottheit geweihte u. zum Dienste derselben be-stimmte Gebäude. Jede Stadt hatte einen T., auchmehrere, wenn verschiedene Culte ausgenommenwaren, und der Schntzgottheit der Stadt war dannder größte n. prächtigste gewidmet, so der Athene inAthen, der Artemis in Ephesos, in Olympia demZeus, in Rom dem Jupiter. Auch außerhalb derStädte standen T., u. zwar nicht allein die der länd-liehen Gottheiten, sondern auch solche, welche voneinem ganzen Stamme für die gemeinschaftliche Ver-ehrung des Nationalgottes bestimmt waren, bei wel-chen sich die Stämme zu gewissen Zeiten versammel-ten , Bundesfeste feierten u. ihre gemeinschaftlichenAngelegenheiten besprachen. Solche T. waren derdes Zeus Hclikonios in Kleinasien, von den Joni-schen Cvlonien gegründet (s. Pauionion), der desApollon Triopios der dorischen Bundesstaaten inKleinasien, der des Zeus Kariös bei Mylasa, welcherden Kariern, Lydiern u. Mysiern gemeinschaftlich ge-hörte, u. a. Seit der ältesten Zeit waren die T. be-festigt (so schon im alten Ägypten u. bei den semiti-schen Völkern, wo deshalb die bewaffneten Priester,Leviten rc. Vorkommen), theils zur Vertheidigungdes Heiligthums selbst (ursprünglich Fetisch), theilswegen der im T. aufgehänsten Schätze. In analo-ger Weise gab es später übrigens auch befestigteKirchen. Der Ursprung der T. ist ans die vorhisto-rischen Steinkreise zurückzuführen, in deren Mittedas Heiligthum od. dessen Opferaltar stand (vergl.Steiukreis). Auch war der Umsang der ältesten T.in Griechenland u. Rom nicht groß, denn in ihnenstand nur die Bildsäule des Gottes u. der Opfer-altar, und nicht das ganze der Gottheit huldigendeVolk betrat den T., sondern nur der opfernde Prie-ster mit seinen Begleitern. Größer wurden in derFolge die Hanpt-T. der Schutzgottheiten u. die Na-tional-T., ferner solche, in Lenen Schatzkammern(wie bei dem der Athene Polias in Athen), od. welchereich waren (z. B. die des Zeus zn Olympia u. desApollon zu Delphi). Diese Größe aber erhielten dieT. bes. durch die Säulengänge, in welchen sich dasVolk versammelte, n. durch den Vorhof(Peribolos),welcher von einer Mauer umgeben war, welche denganzen T-platz (Temenos) einschloß. Die Lageeines T-s bestimmte man nach der Bedeutung derGottheit, welcher er geweiht war; so finden sich dieT. des Zeus, der Here n. Athene meist auf den höch-sten Punkten der Stadt (z. B. der Athene-T. inAthen auf der Akropolis, der Jupiter-T. in Romauf dem Capitolium); die T. des Hermes aus denMärkten u. an den Handelsplätzen, die des Apollonu. des Bakchos neben den Theatern, die des Hera-kles bei den Gymnasien u. Amphitheatern; vor derStadt, jedoch den Thoren nahe, dis des Ares, He-