Druckschrift 
Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Stockholm. 17

fast lauter öffentliche Gebäude (Haus der Reichs-stände, Hofgericht, Gymnasium, Freimaurerloge rc.)enthält und mit der bronzenen Statue des BirgerJarl geziert ist; ferner, mit dem Rittershausplatzezusammenhängend, die für den täglichen Verkehrbestimmten Plätze Mönchbrücke, Fleischmarkt undKornhafen. Unter den Plätzen der inneren Stadt,welche sämmtlich klein und unansehnlich sind, istnur der sogenannte Große Markt (Stortorg) er-wähnenswerth. Außerdem sind bemerkensmerthePlätze in Norrmalm: der Gustav-Adolfsplatz, mitder bronzenen Reiterstatue Gustav Adolfs, der Brun-kebergsplatz, der Heumarkt, der Platz Karls XIII.(Königsgartcn) an der Salzsee, mit der Bronze-statue dieses Königs und dem colossalen Bronze-standbild Karls XII. (seit 1868), der erst vor eini-ger Zeit dem Meere abgewonueue Berzelinspark(auf Blasiiholm), mit der Bronzestatue des be-rühmten Chemikers Berzelius; in Södermalm: derAdolf-Frederiksplatz. Unter den Kirchen ist kaumeine, welche in architektonischer Beziehung sich aus-zeichnct; erwähnenswerth ist nur die Nikolai- oderGroße Kirche (Storkyrka), die Haupt- und dieälteste Kirche der Stadt (1264 von Birger Jarl er-baut), in welcher die Könige gekrönt werden, mitzahlreichen Epitaphien u. geschichtlichen Merkwür-digkeiten. Unter allen Gebäuden ist das königlicheSchloß das hervorragendste. Es erhebt sich amnördl. Ende der eigentlichen Stadt, der Rordbrückcgegenüber, ans einer Anhöhe u. wurde nach demBrande des von Birger Jarl angelegten älterenSchlosses Drei Kronen 1697 begonnen von Nie.Tessin; nach der Unterbrechung durch die KriegeKarls XII. fortgesetzt von Karl Gust. Tessin u. vonHarlemann u. Cronstedt 1754 vollendet. Dasselbeist im Italienischen Stile in Form eines großenBiereckes (136 m lang u. 127 m breit), jede Seitein etwas verschiedenem Stile erbaut, vier Stockwerkehoch mit einem platten italienischen Dache, einengroßen Hof umschließend; vier niedrige Flügel er-strecken sich an der nördlichen u. südlichen Fa^adegegen O. u. W., so daß die der Nordbrllcke zuge-kehrte Fa^ade 234 m lang ist. Außerdem umschlie-ßen an der Westseite zwei halbrunde Flllgelgebäude(in deren einem die Hauptwache) einen äußerenSchloßhof. Das Schloß enthält, außer den könig-lichen Gemächern u. Wohnungen für viele zum Hofegehörige Personen, den Reichssaal (in welchem dieReichstage durch eine Thronrede eröffnet u. geschlos-sen werden), die Schloßkapelle, die königliche (oderReichs-) Bibliothek rc., im Ganzen 817 Räume.An der Nordseite führt eine 18241834 in ihrerjetzigen Gestalt aufgefllhrte, in Zickzack gehendeRampe mit einer Balustrade von behauenem Gra-nit, von zwei dort aufgestellten großen bronzenenLöwen die Löwenterrasse (Lejonbacken) genannt, hin-auf in das Schloß; an der Ostseite ist zwischen denbeiden Flügelgebäuden u. dem Schlosse ein Baum-u. Blumenparterre (Logärden, Lnchshos) mit herr-licher Aussicht auf den Hafen, an welchen eine Treppevon Granit hinabsührt. Hervorragende Gebäudesind ferner in der eigentlichen Stadt: der Palast desOberstatthalters (von Nie. Tessin erbaut), das Rath«Haus, das Nitterhaus, das Börsengebände rc.; inNorrmalm: der Palast des Prinzen Oscar, das kö-nigliche u. das kleinere Theater, die Malerakademie,PiererL Universal-ConversatianL-Lexilon. 6. Aufl. x

die Akademie der Wissenschaften, das neue Reichs-musenm, die Gewerbschule, das Observatorium, dasneue Gebäude der königl. Bibliothek, das BondescheHaus , das Hotel am Brunkebergsplatze, der großeCentralbahnhof rc.; auf Kungsholmen: die Kranken-häuser (darunter das große Seraphinerlazareth);in Södermalm: das SchönborgscheHaus, die Enge-strömsche Bibliothek rc.; gleich außerhalb der Stadt:das neue Irrenhaus ans Conradsberg, die höhereArtillerieschule Marieberg rc. Unter den Promena-den n. Vergnügungsörtern sind hervorzuheben: dasStromparterr, der Karls XIII. Platz, der Humle-garten (Hopfengartens, der Garten von Mosebakke(d. i. Mosishügel) in Södermalm, an Schönheit u.Großartigkeit seines Gleichen suchend, mit Theater,Schaustellungen rc., der Thiergarten, ein herrlicherPark im O. der Stadt mit Villen, Kaffee- u. Wirths-häusern, Theater, dem königl. Lustschlosse Rosendal,vor welchem eine schöne Porphyrschaale und indessen Nähe die Büste des in S. geborenen DichtersMichael Bellman (sein Geburtstag wird alljährlichals eine Art Volksfest gefeiert) steht, der Park vonBellevue, mit Manlbeer-Plantagen, das LustschloßHaga, mit reizendem Park, das Schloß Ulriksdal,das Schloß Karlberg (jetztKriegsakademie) mit Park,das Lustschloß Drottningholm (s. d.) auf der Mälar-insel Lofö, von herrlichen Parkanlagen umgeben,das Schloß Svartsjö ans der gleichnam. Insel. Seit1861 besitztdie Stadt eine vortreffliche Wasserleitung.S. ist Sitz der sämmtlichen höchsten Reichscollegienu. Regiernnzsdepartements, sie selbst steht untereinem Oberstatthalter.

Wissenschaftliche Anstalten. Akademiender Wissenschaften (mitSternwarte,natnrhistorischen,ethnographischen u. a. Sammlungen u. Bibliothek),derSchönenWissenschaften,Geschichte u.Alterthums-kunde,derFreienKünste,derMusik, der Kriegswiffen-schäften, des Laudbaues (mit Experimentalfeld), dieSchwedische Akademie (der Achtzehner) u. a. Vereine.Sammlungen: die königl. Reichsbibliothek, etwa200,000 Bücher, Manuskripte rc. enthaltend (jetzt indem neuen Bibliothekgebände in Humlegaarden), dasSteinmuseum, die Gemäldegalerie, das Anliquitä-tenmnseum, das Mllnzcabinet, die Leibrüst- n. Klei-derkammer (sämmtlich in dem neuen Reichsmnseum),das Reichsarchiv, die Engeströmsche Bibliothek u. a.Unterrichtsanstalten: außerder hohen Artillerie-schule auf Marieberg, der Kriegsakademie auf Karl-berg, den Schulen der Akademie der Musik, derAkademie der Freien Künste gibt es in S. zahlreicheöffentliche Lehranstalten, darunter zwei vollständigegelehrteSchulen (in Schweden Elementarschule, ehe-mals Gymnasien genannt), mehrere theils in derclassischen Linie nicht, in der Neallinie aber vollstän-dige , theils Höhere oder Untere Bürgerschulen, einSeminar für Volksschullehrer rc. Höhere Fachschu-len sind: das Karolinische medicinisch - chirurgischeInstitut, das von Ling gestiftete Gymnastische Cen-tralinstitut, das Technologische Institut, die Ge-werbschule , die Navigationsschule, die Vetcrinär-anstalt, das Orthopädische, das Pharmaceutischeund das Forstinstitut. Wohlthätigkeits-An-stalten: das große und das Freimaurerwaisen-haus, die Mnrbecksche Stiftung, das große Ent-bindungshaus auf Kungsholm u. ein anderes (ProPatrid) ans Norrmalm, das Taubstummen- und

.'ii. Band. 2