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Evangelische Gesellschaft — i
Nachdem 1855 auf einer Versammlung inParis die Baptisten sehr eifrige Fürsprecher fanden,u. auf der Versammlung der britischen Abthcilungin Glasgow 1856 die lebhafte Theilnahme desKönigs von Preußen an dem Bunde versichertworden war, wurde für 1857 eine Versammlungnach Berlin ausgeschrieben. Infolge dessen ent-stand eine heftige Polemik, die jedoch hauptsächlichdurch einen königlichen, den Unwillen über dieVerdächtigungen des Bundes knndgebenden Erlaßihr Ende erreichte. Der König Friedrich Wil-helm IV. von Preußen nahm 1858 den Titeleines Protektors des Evangelischen B-es an.Zwar fehlte es auch ferner nicht an Reibungennach Innen u. Außen, so 1861 aus Anlaß derGenfer Versammlung mit der Genfer National-kirche, 1864 mit dem deutschen Zweige wegen desDeutsch-Dänischen Krieges, aber im Ganzen hatder Evangelische B. eine gesicherte Existenz undeine vielfach wohlthätige Wirksamkeit. Mag auchdie Anordnung von allgemeinen Gebetsvereinig-ungen je am Anfänge des Jahres seit 1860 demdeutschen Geschmack weniger znsagcn, die Ver-sammlungen des Evangelischen B-es haben dochden großen Nutzen, die verschiedenen Zweige desProtestantismus durch gegenseitige persönliche An-näherung der Mitglieder unter sich in Berührungzu bringen u. die kirchlichen Zustände der evan-gelischen Länder mehr öffentlich bekannt zu machen.Besonders aber hat der Evangelische B. eine höchstsegensreiche Thätigkeit entfaltet Lurch Bekämpfungder Sclaverei seit 1846, durch sein Wirten fürReligionsfreiheit, Befreiung des vr. Achilli inRom 1849, der Madiai in Florenz, freie Religions-Übung der christl. Secten in Deutschland, Frei-lassung des Protestanten Matamoros u. Genossenin Spanien 1863, Vertheidigung der deutschenProtestanten in den russischen Ostseeprovinzengegen religiöse Bedrückungen, ebenso 1874 derprotestantischen Christen in der Türkei gegen Gc-waltthätigkeiten der Pforte. Vgl. Rspsrtor/ oktüo prossoäings oktlls eonksisnos krom 19. ^.nA.to 2. Lspidr. 1845, London 1847; Massie, MoLvanzelioal ^Ilianos, ebd. 1847; L. Bounet,I-'nnitlS äs l'esxrib xar Is lisn äs la pnix, Par.1847; Mann u. Plitt, Der Evangelische B., Bas.1847; die Zeitschrift des brit. Zweiges: DvanAs-lloal Oirristenäova, London. Löffler.»
Evangelische Gesellschaft nennen sich ver-schiedene Gesellschaften mit Zwecken der innerenMission, der Evangelisation katholischer Länder,so z. B. in Brüssel (gegründet 1837), in Genf,in Württemberg u. sonst, besonders aber eine E. G.in Frankreich, deren Zweck dahin geht, die evange-lische Wahrheit mit allen Mitteln, welche Gott andie Hand gibt, zu verbreiten. Sie entstand be-sonders unter englischem Einstuß bald nach derJulirevolution 1830, als den Protestanten Reli-gionsfreiheit zugesichert war, in Paris, wo eineCentralstelle für die evangelisirende Thätigkeit derProtestanten in Frankreich errichtet wurde. Siesuchte besonders die unter einer katholischen Be-völkerung lebenden Protestanten zu einem Ge-meindeverband zu sammeln und versah sie mitBibeln u. Tractätchen; zugleich unterstützte sie dievom Katholicisnms zum Protestantismus über-
Evangelische Kirchcnconferciiz.
tretenden Gemeinden, trat aber der freisinnigenRichtung des Protestantismus entgegen. Die Ge-sellschaft hat eine große Thätigkeit entfaltet u. vielGutes gestiftet, gilt aber für eine Hanptträgerindes Methodismus und wirkt entschieden für dieTrennung der Kirche von dem Staate, die sichdurch die 1848 gegründete Jndcpendentengemeindebereits verwirklicht hat, während die von ihr ge-trennte, ebenfalls kirchlich gesinnte E. G. desNordens die Interessen der Staatskirche zu för-dern sucht, dabei aber nicht über so viele Mittel,als die von reichen Familien sehr begünstigteE. G. gebietet. Die Zahl ihrer Stationen betrug1860 in 25 Departements, besonders Dep-Donneund Haute-Vienne, 150, ihre Ausgaben 1867145,000 Frcs. Sie steht in Verbindung mit demGustav-Adolph-Verein. Eine E. G. besteht auchin der protestantischen Schweiz, namentlich imCanton Waadr mit bedeutendem Einfluß. Löffler»Evangelische Kirchenconferenz, eine Con-fcrenz von Abgeordneten der meisten deutschenKirchenregierungen, um „auf Grund des Bekennt-nisses wichtigere Fragen des kirchlichen Lebens infreiem Austausche zu besprechen und unbeschadetder Selbständigkeit jeder einzelnen Landeskirche einBand ihres Znsammengehörens darzustellen n. dieeinheitliche Entwickelung ihrer Zustände zu för-dern." Von Preußen u. Württemberg aus durchSnethlage u. Grllneisen 1845 angeregt, fand dieerste von 30 Abgeordneten oberster deutscher Kir-chenbehördcn besuchte Conferenz 1846 in Berlinstatt n. hielt Berathungen über die Cnltussrage,über Kirchcnverfassung u. über das Bekenntniß.Die Bewegung 1848 unterbrach diese Conferenz,u. dieselbe trat erst 1852, besond. angeregt durchdie Kirchentage in Stuttgart u. Elberfeld 1850u. 1851 u. unterstützt durch das 1852 begründeteAllgem. Kirchcnblatt für das evangelische Deutsch-land (redigirt von dem Prälaten von Moser) alsCentralorgan, in Eisenach wieder zusammen,wo über die Herstellung eines allgemeinen Gesang-buches, über die liturgischen Einrichtungen, überdie Behandlung der Secten, über die Beaufsich-tigung der Geistlichen, über Kirchenvisitationen,über die Lutherische Bibelübersetzung rc. Anträgegestellt wurden. Bei der Conferenz 1853 wurdeder Gesangbuchsentwurf mit 150 Kernliedern an-genommen. Über die liturgischen Einrichtungenhielten einzelne Kirchcnbehörden, da es in Eisenachzu keiner Einigung kam, 1852 u. 1854 besondereKonferenzen in Dresden. Bei der Conferenz 1854beschäftigte man sich mit der Behandlung derSectcn, mit der Heilighaltung der Sonn- u. Fest-tage, mit der Feier des Augsburger Neligions-friedens, mit der Mitwirkung der Gemeinden beiBesetzung geistlicher Stellen, mit Synodalwesen,Abhaltung von PassionsanLachten rc., jedoch wurdezugleich beschlossen, sich künftig nur alle 2 Jahrezu versammeln, n. wurde es so unter Betheiligungder evangelischen Kirche Österreichs auch nach 1866seither gehalten. So wichtig zum Theil die
Fragen waren, welche auf der E-n K. zur Sprachekamen und so sehr dieselbe, namentlich auf demGebiete der kirchlichen Statistik, Verdienstvolles ge-leistet hat, so ist sie doch gerade aus die kirchlichenGrundfragen der Gegenwart nirgends tiefer ein-