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Europa (Geschichtl. Entwicklung).
Grenzen der Nationalität sich stützend. WährendPreußen durch die Hohenzollernschen Fürstenthü-nier vermittelst Abtretung, durch das Jahdegebietneuen Zuwachs erhält, brachte der durch denPariser Frieden 1856 beendete Krimkrieg Ruß-land um einen Theil seines Einflusses im Orientund dazu noch um einen Theil Bessarabiens.Dem Kaiser Napoleon III. war es aber damitnicht nur gelungen, die Hl. Allianz zu sprengenund die durch sie Verbündeten unter sich zu ent-zweien, sondern eine Macht zweiten Ranges, Pie-mont, in die Reihe der in Paris paciscirendenGroßmächte zu führen und sich damit einen Ver-bündeten zu schaffen zur Bekämpfung der die Na-poleoniden von den europäischen Thronen aus-schließenden Verträge von 1815. Die weitern Fol-gen des Pariser Friedens aber waren Aufnahmeder Türkei in das Europäische Concert, Garantir-ung der Integrität des Osmanischen Reiches durchdie Frieden schließenden Mächte, Maßregeln zurBesserung der Lage der Christen in der Türkei,Neutralisirung des Schwarzen Meeres u. Öffnungdesselben für die Handelsschiffe aller Nationen,freie Schifffahrt auf der Donau, Unterstellung derDonaufürstenthümer unter die Suzeränetäi derPforte und die Garantie der sämmtlichen contra-hirenden Mächte; ferner eine Reform des See-rechts mit dem Grundsätze, daß die neutrale Flaggedie feindliche Waare decke, so weit sie nicht Kricgs-contrebande enthalte, u. endlich die erst 1861 er-folgte Genehmigung der Pforte zur administrativenBereinigung der Donaufürstenthümer unter einemeinzigen Fürsten u. Proclamation der Union zueinem neuen Staate Rumänien. Den entzweitenOstmächten standen die alliirteu Westmächte Eng-land und Frankreich gegenüber, und au Napo-leons Lippen hing jetzt das «Schicksal E-s. Eswar eine vollständige Verschiebung des Gleich-gewichts eingctreten, die sich am meisten in, demVerhältnis; zwischen Rußland, Preußen n. Öster-reich in Deutschland selbst kundgab: Rußland, dessenEinfluß hier bislang namentlich an den Mittelstaat,lichen Höfen ein so bedeutender war, sah sich nunverdrängt, u. zwischen den beiden deutschen Groß-mächten regte sich schon der Streit um die Vormachtin Deutschland. Eine Förderung fand das Stre-ben Preußens nach derselben durch den Krieg,welchen Napoleon III. gegen die Italienische Stell-ung Österreichs am Nenjahrstag 1859 als bevor-stehend ankündigte. Die Nationalitätsidee war inItalien bereits so weit gereift, daß Österreichs Herr-schaft daselbst unerträglich erscheinen mußte u. Pie-mont sah bereits die Elemente um sich geschaart,welche es zur Führung Italiens beriesen: mitNa-poleonsHilfe wardÖsterreich dieLombardei entrissen.Napoleon wollte damit Halt gebieten, weil Preu-ßen am Bunde die Oberleitung sämmtlicher deut-schen Streitkräfte zur Vertheidigung des Po amRhein für sich verlangte; aber die Bewegung warzu mächtig u. der Züricher 'Frieden, noch bevorer 10. Nov. zum Abschluß kam, theilweise schondurch die Ereignisse überholt; in Florenz, Modenau. Parma war schon im August die Absetzung dervertriebenen Fürsten u. der Anschluß an Sardinienbeschlossen, 1860 sah sich der Papst ans ein Drittelseines Areals beschränkt, u. 1861 siel Neapel den:
König von Sardinien in den Schooß. Das Kö-nigreich Italien mit der Residenz Florenz warvollendet, aber Nizza u. Savoyen, die Wiege seine«Hauses, mußte der neue König an Napoleon III.aus Dankbarkeit abtreten. Während dieser folgen-schweren Veränderungen in Italien suchte Rußlaiwseinen Ersatz in Asien, England Erweiterung seinerMachtstellung inHinterindien n. China; Montenegrotrat 1862 aus der bisher bewahrten Selbständigkeitdurch Anerkennung der Oberherrlichkeit der Pforte inein größeres Abhängigkeitsverhältniß zu dieser zu-rück; in Griechenland räumte die bayerische Dynastiedas Feld im selben Jahre u. trat an deren Stellemit Georg I. das Haus Schleswig-Holstein-Son-derburg-Glücksburg; die Republik der JonischenInseln (Sieben Inseln) wurde Griechenland 186Seinverleibt. Preußen aber suchte durch eine demzum Durchbruch gekommenen Freihandelssysteürangemessene, Frankreich u. England sich anschlie-ßende Handelspolitik jene Vormachtstellung aufhandelspolitischem Gebiete in Deutschland zu er-langen, die es nachdem der österreichisch-preußischeAntagonismus sich auss Äußerste zugespitzt, aufpolitischem infolge des mit Hilfe Italiens geführtenKrieges von 1866 endlich errang. Österreich wardseines letzten italienischen Königreichs, Venetiens,verlustig u. ans Deutschland verdrängt, Hannover,Kurhessen, Nassau, Frankfurt, Hessen-Homburg,bayerische GebietStheile, Schleswig n. Holstein demPreußischen Staate eiuvcrlcibt, Lauenbnrg war esschon 1865. Die nördlich vom Main gelegenendeutschen Staaten wurden zum Norddentsch-uBundevereinigt, zu dem die süddeutschen Staaten durch dieSchutz- u. Trntzbündnisse u. das Zollparlament inein eine weitere Einigung anbahnendes Verhältnis)traten. Diese Einigung brachte der Deutsch-fran-zösische Krieg von 1870, der als erste territorialeVeränderung wenigstens mittelbar die Einverleib-ung des Kirchenstaates in das Königreich Italienveranlaßt und damit die italienische Unificationvollendete. Die deutsche Einheit aber ward durchdie den Anschluß der süddeutschen Staaten au denNorddeutschen Bund stipulirenden Versailler Ver-trägevollendet, u.aufAutragdesKönigs vonBaycrnnahm der au der spitze des neuen DeutschenBundes stehende König von Preußen den TitelKaiser von Deutschland au. Elsaß und überLothringens kamen im Frieden mit dem wie-der zur Republik gewordenen Frankreich an dasDeutsche Reich. Die Führung E s ging ausder Hand des schon seit Sadowa in seinem An-sehen u. Einfluß schwer beeinträchliglen Einzelnen,des Kaisers Napoleon III., nachdem seine zwei-maligen Versuche, auf einem europäischen Congreßdie Angelegenheiten des WelttheilS zu ordnen u.die Verschiebungen des Gleichgewichts zu reparireu,gescheitert u. seine Macht bei Sedan ein so schmäh-liches Ende genommen,, an das Bündnis) der3 Kaiser von Rußland, Österreich und Deutschlandüber: Zielpunkt ihrer Politik ist Aufrechthaltungdes europäischen Friedens, der eben jetzt, woSerbien u. Montenegro von dem zum Übertrittin die Reihe der constitutionellen Staaten sichrüstenden Ösmanischen Reiche mit Bosnien undder Herzogewina sich losreißen wollen, aufs Ernst-lichsts bedroht ist.