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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Europa (Geschichtl. Entwicklung).

der Staaten nach eigener Theilnahme am Handelu. Ausschließung anderer wurde. Zwar wurdendie Handelsverhältnisse gegenseitig durch Handels-verträge regulirt, aber aus ihnen erwuchs nurneue Eifersucht u. neuer Zwist, welcher zu Colo-nialhändeln u. erneuerten Streitigkeiten über dieRechte der neutralen Flagge führte.

Während dieser geistigen Bewegung unter sonstfriedlichen Verhältnissen im W. von E. reifte imInnern der Cabinete immer mehr jene Ver-größerungs- u. Arrondirnngspolitik, die bald dasherrschende Princip der Politik n. zuerst in dern ersten Theilnng Polens praktisch durchgefllhrt!z wurde. Ihr gegenüber erhielt nur Friedrich II.st das Gleichgewicht, indem er, für sich selbst bei derzerrissenen Lage Preußens allerdings auch der Ar-1 rondirungspolitik huldigend, sich an der Spitze der! minderinächtigen Staaten dem Bunde der Contincn-klmächte Frankreich, Österreich u. Rußland gegeu-. überstellte u. ihre Vergrößerung hinderte; er be-hauptete durch den Statthalter gegen Frankreich, die Republik der Niederlande im bayerischen Erb-

> solIekriege n. durch den Fürstenbund das deutscheReich gegen Österreich, die Türkei und Polen,nachdem er davon auch seinen Antheil erhalten,

' gegen Rußland.

) Mit der Einführung dieser Vergrößerungspolitik,, war aber die Grundlage jedes Staatcnsystems, die^ t Heiligkeit des rechtmäßigen Besitzes, ohne welche es! nur einen Krieg Aller gegen Alle gibt, vernichtet,

> u. damit waren, bei der immer mehr um sich grei-

> senden Verrottung des politischen u. socialen Le-bens die politischen u. moralischen Stützen auch

' ^ nach Außen erschüttert. Dazu hatten aber auch! unter den Nationen selbst sich nachgerade Ideen ver-! breitet, die mit der bestehenden Ordnung derj Dinge in Widerspruch standen. Die Ideen vonNationalrepräsentation u. Volkssonveränetät, für'' welche die Nordamerikaner gegen England kämpf-i ten, pflanzten sich bald nach Europa über undfanden namentlich in Frankreich, das an dem! nordamerikanischen Freiheitskampfe gegen England^ i Theil genommen, einenwol vorbereiteten, empfänq-^ lichen Boden.

Mit der französischen Revolution begann eine! neue politische Ordnung der Dinge: bürgerliche. u. politische Freiheit u. Garantie beider durch die! Verfassung ward jetzt die allgemeine Losung. Vor ihrsanken das alte Feudalsystem und alle Privilegien int Frankreich bald in den Staub, aber der Geist ders Neaction weckte auch ebenso bald den Bürgerkrieg,h und ans der anderen Seite mußte das revolutio-E näre Frankreich, indem es Throne u. Altäre nicht

> nur mit dem Untergange bedrohte, sondern inH Frankreich selbst umstürzte, eine Coalition Europas

gegen sich erstehen sehen. Jndeß die Macht derIdee half ihm gegen die physische Uebermacht u.das Weitere mußten Separatfriedensschlüsse thun,zu denen einzelne Mächte bei der nur zu rück-sichtslos hervortretenden Jnteressenpolitik nur zuleicht zu bringen waren. So mehrte Frank-reich seine Macht, halb E. ward von ihm nachu. nach abhängig, das politische Gleichgewicht E-s,durch die Vernichtung Polens verrückt, wurdegänzlich umgestürzt,», aus seinen Trümmern er-^ hob sich die Gewaltherrschaft eines Einzigen über

ganz E. mit Ausnahme von Großbritannien u.Rußland. E-s Karte ward durch die Friedens-schlüsse zu Lüneville 1801, Preßburg 1805, Tilsit1807, Wien 1809, durch die Bildung des Rhein-bundes , durch die einfach Lecretirten Staatengrllnd-uugen rc. total umgestalret.

E. bestand 1792 aus folgenden Staaten a) den3 Kaiserreichen: 1. das Deutsche Reich (mit demErzherzogthum Oesterreich und den übrigen inDeutschland, den Bnrgundischen Kreis die Bel-gischen Provinzen mit eingcschlossen, liegendenösterr. Ländern), bestehend aus 293 Reichsfürsten-thümcrn, 66 Reichsstiften n. Klöstern, 121 Reichs-grafschafteu, 61 Reichsstädten u. Reichsdörfcrn,29Reichsritterschaften u.Herrlichkeiten im Ganzen570 Landen; 2. das Russische, 3. das TürkischeReich; b) den Königreichen: 4. Portugal, ü Spanien,6. Frankreich, 7. Großbritannien mit Irland, 8.Dänemark mit Norwegen, 9. Schweden, 10. Böh-men, 11. Polen, 12. Ungarn, 13. Preußen, 14.Sardinien, 15. Neapel mit Sicilien, 16. Galizien u.Lodomerien mit der Bukowina, 17. Slavonien,18. Kroatien mit den Seeplätzen; v) dem Groß-fürstenthum 19. Siebenbürgen; ci) dem Groß-herzogthum 20. Toscana; s) den Herzogthümern:21. Modena, 22. Parma, u. den zu Österreichgehörenden 23. Mailand, 24. Mantua; k) den 8Republiken: 25. die vereinigten Niederlande, 26.die Schweiz, 27. Venedig, 28. Genna, 29. Lucca,30. Ragusa, 31. San Marino, 32. Gersan; §)den 2 geistlichen Staaten: 33. Kirchenstaat, 34.Ritterstaat Malta.

Im Jahre 1800 bestanden in E. nach ihrenRegiernngsformen folgende Staaten: das Os-manische Reich als Despotie; Rußland, Däne-mark, Spanien, Portugal, Preußen, beide Sicilien,Toscana, Kirchenstaat als uneingeschränkte Mo-narchien; das Deutsche Reich, Großbritannien,Schweden, Ungarn, Böhmen, Sardinien als ein-geschränkte Monarchien; Ragnsa als aristokratische,Frankreich, Batavien (Niederlande), Helvetien, Ita-lien, Ligurien, die sieben Inseln, Lucca u. SanMarino als Demokratische Republiken.

War in Folge des Lüneviller Friedens u. desReichsdepntationshauptschlusses v. 25. Febr. 1803die Karte Deutschlands schon eine ganz anderegeworden, einmal in Folge der Säcularisirungder geistlichen Kurstaaten mit Ausnahme des Knr-sürsten von Mainz, welcher als Reichs-Erzkanzleru. Fürst Primas von Deutschland die Fürsten-thllmer Aschaffenburg u. Regensburg erhielt, dersämmtlichen west- u. ostrheinischen Kirchenfürsten,Reichsstifte u. Klosterherrschaften, dann der Ver-theilung von 41 west- u. ostrheinischen Reichsstädtenu. 8 Reichsdörfern rc., so gehört zu den Folgen desPreßburger Friedens die Gründung der Familien-herrschaft Napoleons in Neapel ».Holland, die Er-hebung Bayerns n. Württembergs zu Königreichen,die Stiftung des Rheinbundes, mithin Auflösungdes deutschen Reiches, worauf Kaiser Franz II.6. Ang. 1806 resignirte, nachdem er schon ,11. Aug.1804 den Titel eines Erbkaisers von Österreichangenommen. Die Siege Napoleons über Preußen1806 riefen zwei neue Königreiche hervor, West-falen u. Sachsen, u. das Großherzogthum War-schau. Endlich wurde in Folge des Wiener Frie-