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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Europa (Gcschichtl. Entwicklung).

kaufen, sondern nur verkaufen sollte, u. das an-statt Handel zn schassen, nur denselben möglichstHintertreiben konnte. In der Anwendung hattendiese Grundsätze zur Folge: im Frieden ständigesMißtrauen, übervortheilt zu werden, Neid gegendie im Handel sich bereichernden Staaten u. hier-von in natürlicher Consequenz im Kriege dasStreben, den Handel des Feindes zn vernichten(Caperei), Verbreitung der Kriege nach den Co-lonien, Beschränkungen u. Bedrückungen des neu-tralen Handels. Dagegen brachte es diese Richtungauch mit sich, daß, so oft auch auf die Zerstörungdes politischen Gleichgewichtes hingearbeitet wurde,dieses sich doch immer mehr befestigte, indem dasInteresse der jetzt fast allein entscheidenden See-mächte dessen Aufrechterhaltnng erforderte u. dasauf Handel und Colonien gelegte Gewicht ihrenEinfluß entscheidend machen konnte. Die Verhält-nisse zwischen den Staaten selbst aber wurden vielenger durch die Ausbildung, welche Las Gesandt-schaftswesen erhielt.

Frankreich ist jetzt der maßgebende Staat; nichtweniger als der Erobernngsgeist Ludwigs X.IV.wirkt der von Colbert geweckte Handelsgeist, derFrankreich in die Reihe der ersten Handelsmächtestellt und damit den künftigen Einfluß des obencharakterifirten Mercantilsystems ans die allgemeinepraktische Politik begründet. Mehr aber noch schasstedieses Übergewicht die verfeinerte Cnltnr, diedurch ihren Glanz ebenso wie durch ihre Vielsei-tigkeit den Blick des Auslandes fesselte. Ihr ver-dankt die französische Nation die Herrschaft ihrerSprache, u. Herrschaft der Sprache begründet dochimmer gewissermaßen Herrschaft des Volkes. Nichtweuig endlich trugen aber auch die inneren Ver-hältnisse der übrigen Hauptstaaten des westl. E.,Spaniens, Englands, der Niederlande u. Deutsch-lands bei, um Frankreich empor zn heben, indemi sie ihm zur Folie dienten. Frankreichs Ansprüchej auf Diktatur in E. gingen aus den Friedens-> schlössen zn Nymwegen 1678 und St. Germain! mit Brandenburg, dem Sieger von Fehrbellin, 29.Juni 1679, am stärksten aus dem RegensburgerWaffenstillstände vom IS. Aug. 1684 hervor u.wurden im Ryswicker Frieden 20. Scpt. u. 30.Oct. 1697 nicht aufgegeben, obgleich schon damalsFrankreich erschöpft und dessen Seemacht bei LaHogue 31. Mai 1692 beinahe vernichtet war:es konnte dies um so leichter, als nicht nur dieTürkei, ein großer Theil Italiens, Portugal undDänemark unter französischem Einflüsse, sondernsogar das Ministerium der Stuarts, Karl II. u.Jakob II. in französ. Solde stand und deutscheReichssürsten durch Geben und Verheißungen sichgewinnen ließen. Dadurch war es auch möglich,daß Deutschland selbst dem erschöpften Frankreich1697 alles im Elsaß Reunirte sammt Straßbnrgüberlassen mußte. Von Frankreichs Gegnern waraber neben dem zu voller Bedeutungslosigkeitherabsinkenden Spanien Deutschlands Ohnmachtoffenkundig, Österreich durch türkische Drohungenu. innere Unruhen in Ungarn und Siebenbürgenlahmgelegt; nur der große Kurfürst von Branden-burg griff entscheidend in die Verbindung gegenFrankreich und das dessen Rolle im N. spielendeSchweden ein. Polens drohender Verfall ward

durch Johann III. Sobieskis Kriegsthaten abge-wehrt, aber im Innern geschah Nichts, n. unterden sächsischen Königen verschlimmerte sich der Zu-stand bis zum unheilbaren Verderben. In Ruß-land gelangte Peter I. endlich zur Alleinherrschaft n.begann die Umwandlung seines Reiches. Die Tür-kei war einiger kriegerischer Erholnngsperiodenungeachtet im Sinken begriffen n. mußte den de-müthigenden Frieden zu Carlowitz 1699 und znConstantinopel 1700 eingehen. Die Oberhoheitüber die Kosaken war Gegenstand des Kampfeszwischen Polen, Russen n. Türken. In Englandwar die Harmonie zwischen Regierung n. Nationhcrgestellt, die Herrschaft des Protestantismus n.die constitutionelle Freiheit nach dem Wunsche derNation sichergestcllt. Neben dem Allem erhielt dieStaatsvsrwaitnng bestimmtere Formen durch Ver-theilnng der Arbeit in gewisse Departements undwurde die Staatswirthschaft mehr n. mehr ans-gebildet, nach Colberts Finanzsystem; nur Eng-land ging seinen eigenen Weg durch Fundirnngder Zinsen der Anleihen, ohne Verpflichtung zurRückzahlung des an jeden Dritten übertragbarenKapitals.

Im Anfänge des 18. Jahrh. bestimmten zweiKriege, der nordische u. der über die Thronfolgein Spanien, die Gestaltung der europäischen Welt.Der erstere brachte Schweden fast an den Ab-grund, so daß cs die Fortdauer seines Daseinsnur dem bes. von Großbritannien aufrecht erhal-tenen Gleichgewichtssystem zn danken hat, währendRußland jetzt in die Reihe der europäischen Groß-mächte eintrilt, aber bei öfterenHofrevolutionen seineMachtstellung für einige Zeit noch nicht zur volle»Geltung bringen kann. Der andere Krieg, nur fürErhaltung des Gleichgewichtes in E. gegen die Ver-größerungssncht Frankreichs von den gcsammtenWest- u. Mittelmächten E-s, selbst dem DeutschenReiche mit Ausnahme Bayerns n. Kölns geführt,brachte für das europäische Staatensystem die wich-tigsten Veränderungen. Indem die spanische Mo-narchie einem Zweige der Bourbons blieb, fiel diealteRivalität zwischen Frankreich u. Spanien, dieE.so viel Opfer an Blut n. Geld gekostet hatte; die spa-nischen Niederlande, Neapel, Mailand n. Sardinienkamen an Österreich; Savoyen trat mit als pacti-rende Macht ans n. erhielt Sicilien n. die tos-cauischen Häfen; Preußen wird als Königreich an-erkannt, die Kur von Hannover wird allgemein an-erkannt. England gewann außer Menorca undGibraltar bedeutende überseeische Gebiete und dieSicherstellung der hannöverschen Erbfolge; dannaber, u. dies überwog selbst noch jene Vortheilc,einen erweiterten politischen und commerciellenEinfluß. Sein Anlcihcsystem machte es mög-lich, jetzt den Subsidicntractaten eine noch niegesehene Ausdehnung zn geben, und die schonfrüher angeknüpften Hauptfäden der Continentalpo-litik wurden zugleich erweitert u. befestigt, so daßdie Leitung der Angelegenheiten E-s in Eng-lands Hände übergegangen war. Und blieb auchdie niederländische Republik noch geraume Zeit dererste Handelsstaat unseres Welttheils, die Bestimm-ungen des Utrechter Friedens, in welchem überalldie Handelsinteressen das leitende Motiv waren,sicherten England, unter dessen Direction er ge-

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