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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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610 Europa (Gcschichtl. Entwicklung).

cher sie seitdem den Gipfel ihrer Größe und ihresRuhmes erreichten, dieS um so leichter, als Por-tugal nach nur kurzer Blüthezeit unter spanischerHerrschaft lahm gelegt war.

Während dieser Entwickelung der Dinge im W.E-s u. zum Theil in Folge derselben bildete sichdas norditalienische Staatensystem: das HerzogthnmFlorenz (Toscana) erblich geworden, Modena,Parma und Savoyen consolidiren sich als selbst-ständige Staaten. Venedig u. Genna gelangen zurhöchsten Spitze ihrer Macht. Österreich tritt im-mer mehr dominirend in den Vordergrund, mußaber in der Säcularisirnng des dem deutschen Ordengehörigen Preußens, wenn auch unter polnischerOberhoheit noch, den Grund zum preußischen Staatelegen sehen. An seiner OGrenze erweitert sichdas Osmanische Reich, indem es Siebenbürgen,die Moldau u. Walachei sich unterthänig macht;dazu bemächtigt sich der Halbmond der ganzengriechischen Halbinsel, während am SchwarzenMeer das Khanat Krim durch Losreißnng von derGoldenen Horde sich bildet. In Rußland schreitetdas Großfürstenthum Moskau immer inehr derOberherrschaft entgegen, so sehr ihm Litthauen u.Polen auch den Rang streitig zu machen suchen.Norwegen n. Dänemark sind noch zu einem Reicheverbunden, wogegen Schweden sich mehr u. mehrnach N. u. Finnland hin ausbreitet. Neben diesenVeränderungen darf als ein wichtiges neues Mo-ment nicht unerwähnt bleiben, daß man jetzt grö-ßere Aufmerksamkeit der Staatswirthschaft zuwen-det, durch die Noth dazu gedrängt, n. daß in dieserBeziehung, wenn auch die desfallsigen Verdiensteeines Sully nicht ganz unterschätzt werden dürfen,die Einrichtungen der Holländer am meisten aufLas Ausland zurückwirklen.

Mit Beginn des 17. Jahrhunderts ist durchFerdinandsII. vonOesterreich Thronbesteigung wie-dereine engere Verbindung zwischen den beidcnHabs-burger (spanischen u. österreichischen) Linien herge-stellt, beeinflußt durch die Jesuiten. Gegen das ansdieser Verbindung drohende Übergewicht der Habs-burger richtet sich in erster Reihe die Politik Riche-lieus u. zieht durch ihren Einfluß nach u. nach dasübrige E. in sein Interesse, so daß nun auch dienordischen Mächte, namentlich Schweden, an denHändeln des südlichen E. theilnehmen, in welchensich noch wie bisher religiöses und politisches In-teresse aufs Engste verflochten finden. Dieses Zu-sammentreffen ist es auch, das den ursprünglichnur das Habsburgisch - Österreichische Haus an-gehenden Böhmischen Krieg zum DreißigjährigenKriege macht. Dieser ward, so weit er das Ver-hältniß zwischen Spanien u. den Niederlanden u.dann das Deutsche Reich betraf, durch den West-fälischen Frieden beendet, die spanisch-französischenHändel endeten erst 11 Jahre später mit demPyrenäischen Frieden. Während letzterer nur be-züglich des Überganges von Russillon u. mehrererPlätze an den niederländischen Grenzen an Frank-reich u. der Restituirung des Herzvgthums Loth-ringen Territorialveränderungen trifft, erhält durchden Westfälischen Frieden E. seine neue diploma-tische Karte: Schweiz ».Niederlande erhalten ihreAnerkennung als Freistaaten, Frankreich das El-saß, so weit es Österreich gehörte, die Hoheit über

Metz, Toul u. Verdun bestätigt, sowie über Pi-gnerol und das Besatzungsrecht in Philippsburg;Schweden bekommt Vorpommern nebst der InselRügen u. einen Theil von Hinterpommern, Wis-mar, Bremen u. Verden, alles mit den Rechtender deutschen Reichsstandschaft; Kurbrandenburg,das 1618 das Herzogthnm Preußen (allerdingsnoch unter polnischer Hoheit) erheirathet, erhältdas übrige Hinterpommern und die säcularisirtenStifte Magdeburg, Halberstadt, Kammin u. Min-den; Mecklenburg bekommt Schwerin n. Ratzeburg,sodann das Pfälzische Hans eine neue 8. Kur, derdeutsche Staatskörper aber seine feste Form, dienachher durch den beständigen Reichstag noch mehrfixirt wurde. Im übrigen E. war inzwischen Por-tugal wieder selbständig geworden, die Sicben-bllrgischen Wahlfürsten, Vasallen der Pforte undzugleich Ungarns, strebten wieder nach dem Be-sitze des letzteren, von dem schon die Spuren spä-teren Verfalls zeigenden Osmanischen Reiche unter-stützt; Polen ging als Wahlreich seit 1572 denGreueln wilder Aristokraten-Anarchie entgegen u.mußte sich dem Auslande gegenüber demüthigcn,namentlich vor dem in Rußland aufstrebenden HausRomanow u. Schweden, das sich ihm wie Däne-mark gleich furchtbar erweist n. sich in den BesitzLivlands setzt. Den schwedisch-polnischen Krieg aberbenutzt Kurbrandenburg, um durch den Tractat zuWehlau 1657 für sein Herzogthnm Preußen sich dieUnabhängigkeit von Polen zu erkaufen, die ihm1660 im Frieden von Oliva auch durch Schweden !bestätigt wird. f

Der hier in Betracht gezogene, bis znm Jahre >1660 reichende Zeitraum war für die praktische fPolitik sowol bezüglich ihrer Formen, als ihrer iGrundsätze von höchster Wichtigkeit. Ihre Formenwurden unter der Rückwirkung des WestfälischenCongresses durch Richelieu, den Gründer der Ca-binetspolitik, um Vieles bestimmter, aber auchihre Fäden verschlungener, und daneben belehrteein Hugo Grotius die Fürsten, daß es auch einVölkerrecht gebe, u. auf Englands Boden erwuch-sen die Grundsätze der Freiheit u. Gleichheit; frei-lich kamen sie auch hier erst nachdem weder dieRepublik noch die Wiedererrichtung der Monarchieden Kampf zwischen König n. Volk beenden ge-konnt, durch die Wilhelm III. auf den Thron be-rufende Revolution zur praktischen Anwendung. DieStaatswirthschaft machte nur insofern Fortschritt«,als sich nach dem Vorbilde der Niederlande mehru. mehr die Überzeugung befestigte, daß Fabrikenu. auswärtiger Handel die Hauptquelle des Na-tionalreichthums zu werden berufen seien.

Diese Frage ist eS, welche für den nächstenZeitraum, das Zeitalter Ludwigs XIV., die ent-scheidende wurde: während der allgemeine Cha-rakter des vorigen durch die Verflechtung vonReligion u. Politik bestimmt war, bestimmt denneuen die Verflechtung des Geld-Interesses uutdem der Politik. Aber indem die Regierungen di«ganze Nationalthätigkeit nur auf den Gelderwerbhinlenkten, theils durch Anlage privilegirrer Fa-briken, theils durch Zolltarife, theils durch gänz-liche Verbote von Einfuhr od. Ausfuhr gewisserArtikel, bildete sich jenes Jsolirnngssystem, dem-zufolge jeder Staat sich selbst genug sein, nicht ^