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Europa (Geschicks
schon morsches, aber immer noch dastehendes Ge-bäude, die Hierarchie, gerichtet waren, die auf dasTiefste in die bestehenden Staatsverwaltungen u.Staatsverfassnngen eingegriffen.
Die Gestaltung E-s nun in diesem Zeiträumebetreffend, so traten, während Rußland sich gegenEnde des 14. Jahrh. von der Mongolenhcrr-schaft frei zu machen begann, die nordischen ReicheSchweden, Norwegen und Dänemark, freilich nurfür kurze Zeit, zu einer Union zusammen; Polenerhebt sich unter Jagello zu seiner Glanzperiode, diefrühem Verluste durch neue Erwerbungen ersetzend,Böhmen und Ungarn gelangen an das HansLuxemburg, von diesem an das Österreichische,um nach nochmaliger 80jähriger Trennung undSelbständigkeit dauernd diesem Hanse znzufallcn,das im Laufe des 15. Jahrh. durch die Bnrgnn-dische Heirath Maximilians I. die Niederlande n.Lurch die Spanische Heirath seines Sohnes Phi-lipp des Schönen, das Anrecht ans den SpanischenKönigsthron ererbt, so ,daß Karl V. DeutscherKaiser von der Spanisch-Österreichischen Linie unterseinem Scepter ein Reich vereinte, in dem die Sonnenie nnterging. Im Deutschen Reich selbst aberlegteder Burggraf von Nürnberg zu Ans. des 15. Jahrh.durch den Kauf des Knrfürstenthnms Brandenburgden Grund zur Hohcnzollernmacht, n. während denbereits bestehenden 7 Kurfllrstenthümern, dann demSächsischen, Bayrischen, denBrannschwcigischenHer-zogthüuiern sich Hessen, Mecklenburg, Württemberg,Baden, Pommern, Kleve als die bedeutenderenfürstlichen Häuser anschlicßen, reißt sich die Schweizvollends vom Deutschen Reiche los. Burgund istnach einer 100jährigen Glanzperiode von derKarte verschwunden, im nördlichen Theile demHanse Österreich, im südlichen n. westlichen derKrone Frankreich zngefallen. Diese erhebt sich überihre mächtigenBasallen, derenGebicte sie einverleibt,u. erstarkt, nachdem es ihr gelungen, die Engländer,außer aus Calais, vom Continent zu vertreiben, n.die Bretagne durch Heirath zu erwerben, jetzt so, daßFrankreichs Entwickelung auch durch die Niederlagengegen Karl V. nur momentan unterbrochen wer-den konnte. England muß sich nach Beendigungdes Kampfes zwischen den beiden Rosen erst imInnern erholen, ehe es seine Stellung zu deneuropäischen Continentalhändeln nehmen kann;noch ist Schottland von ihm getrennt, u. seineHerrschaft in Irland eine schwankende. Italien,das mehrere Jahrhunderte wie durch Gewerb-sieiß u. Handel, Kunst und Wissenschaft u. durchseine Grundsätze der Staatsknnst, so auch durchUnsittlichkeit entscheidend ans ganz E. eingewirkt,wurde, invielekleinefürNationaleinheit immer unem-pfindlicher werdende Staaten— das Herzogth. Mai-land, Mantua, die Republiken Venedig, GennaFlorenz rc., das päpstliche Gebiet, das KönigreichNeapel, das zu Aragon gehörige Sicilien — auf-gelöst, Gegenstand fremder Vergrößernngssncht.In Spanien wurden die beiden Königreiche Ca-stilien n. Aragon durch Heirath zu Einem ver-schmolzen, der letzte Rest der arabischen Herrschaft,das Königreich Granada vernichtet, das König-reich Navarra nur mehr auf den niederen Theilbeschränkt, während Portugal sein Augenmerk ansAfrika richtet, wohin es den Islam geworfen,Pierers Unwersal-Conversatüms-Lriiton. 6. Ausl. ^
tl. Entwicklung).
der nun, im Westen besiegt, im Osten sich um somächtiger erhebt u. dem byzantinischen gleich einEnde macht.
So gestaltet fanden die europäische Welt die fürdie Zukunft entscheidenden Ereignisse, die Entdeck-ung Amerikas n. des Seewegs nach Ostindien u.die Reformation. Elftere hatte zur Folge, daßder Welthandel sich vom Lande weg auf die Seeverwiesen sah und sein Sitz demgemäß von denLändern des Mittelmeeres, von den italienische»Städten an die Länder des Westens überging. DieLänder der Levante verlieren an ihrer Weltbedeut-ung u. die am Atlantischen Ocean gelegenen Staa-ten, in erster Reihe Portugal u. Spanien, werdenzu Mächten ersten Ranges. Des letzteren Erheb-ung unter Karl.V., der zugleich Herr der Nie-derlande, Erbe Österreichs u. Deutscher Kaiser, u.dessen darauf sich stützender Plan einer Universal-monarchie rief zwischen Spanien und Frankreichjene Rivalität hervor, welche einerseits zu festenpolitischen Grundsätzen führte, indem das praktischangenommene System des Gleichgewichts ans ihrsich entwickelte und durch sie seine Hanptbestimm-nngen erhielt, anderseits der Reformation, wennauch Franz I. nicht weniger als Karl V. Gegnerderselben blieb, nur günstig werden konnte. AlsKarl V. vom politischen Schauplatz abtrat, hattedie Reformation schon im Ganzen den Umfangerreicht, den sie nachmals behalten sollte, ihrepolitischen Folgen beschränkten sich nicht mehr aufDeutschland, die Wiege der Reformation, sondernverbreiteten sich schon über einen großen Theil vonE. n. zwar dahin, daß einmal in protestantischenwie in katholischen Staaten die Religion weit mehrdie Basis der Verfassung ward als bisher, unddann daß in den protestantischen Staaten durch dieAufhebung des Zusammenhangs mit Rom, theil-weise auch Einziehung der Kirchengllter die Machtder Fürsten wuchs; die gegnerischen Fürsten aberhatte sie auch zu Anstrengungen genöthigt, durchwelche sie sich erst als Fürsten fühlten n. die ein-mal aufgeregte Kraft konnte nicht wieder ersterbenbei der dauernden Spaltung in ein katholisches n.ein protestantisches E., wie sie sich nach Abschlußder 1. Hälfte des 16. Jahrh. bereits begeben hatte.Ans dem Gange aber, den die Reformation über-haupt genommen, entwickelte sich jene bald znrGrundlage der praktischen Politik werdende Hanpt-idec, daß die Anhänger der neuen Lehre als Feindedes Staates, Rebellen galten, während diese in denFeinden der Reformation Vertheidiger der Tyranneierblickten, so daß man bald die alte Religion alsdas Bollwerk der nnnmschränkten Fllrstenmacht,die neue Lehre als das Panier der Freiheit be-trachtete. Diese Idee verkörperte sich so zu sagenin der Rivalität zwischen Spanien, ungeachtet derTheilung des österr. Hauses in zwei Linien nochdie ansehnlichste Monarchie, n. England, das jetztbeginnt, den Grund zu seiner maritimen Welt-herrschaft, seiner Industrie u. seinen ausgedehntenColonialreichen zu legen. Mit dessen Hilfe er-reichen die Niederlande ihre Unabhängigkeit vonSpanien u. die Niederlage der Armada gab nichtmir die beste Bürgschaft für die neue Republik,sondern eröfsnete auch durch die Befreiung desOceans für beide Staaten die Laufbahn, auf wel--ii. Baud. 39