Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
469
Einzelbild herunterladen
 

Erdwalze -

Nach den zuverlässigsten Analysen ist seine procen-tische Zusammensetzung nicht von der des Parasfinsa,,z Branukohlentheer u. s. w. verschieden (85,§p e. Kohlenstoff und 14,^ x. e. Wasserstoff); ge--nauer hat seine Constitution nicht ernnttelt werdenlönnen, weil weder durch Krystallisiren noch durchDestillation eine homogene Substanz daraus er-halten werden kann, indem bei letzterer das Sie-den erst weit über 300" eintritt und zugleich eineUmsetzung erfolgt. Alle Umstände führen jedoch-u der Ansicht, daß das E. ein Gemenge der höch-sten, d. h. an Kohlenstoff reichsten, Glieder derLumpfgasreihe ist, welche über 300°

sieden, also wenigstens 16 Atome 0 enthalten,denen aber geringe Mengen von unter 100 ° sieden-den Kohlenwasserstoffen derselben Reihe beigemengtsind, von welchen Heptan 0,14^ vom SiedepunktS 8 ° sicher nachgewiesen ist. Für sämmtliche Pro-ducts des galizischcn Ölterrains ergibt sich hier-nach die interessante Beziehung, daß im E. diehöchsten, im Erdöl die flüssigen u. die niedrigstenMieder dieser Reihe bis zu 044^ herab in denGasausströmungen vertreten sind, welche wir obenbesprochen haben.

Die Verwendung des E-es als Beleuchtungs-Material war anfänglich eine sehr primitive. Schonvor langer Zeit Halen die Bewohner von Borys-law aus den ausgeschmolzenen Massen Kerzen be-reitet, die zwar mit sehr Heller und geruchloserFlamme brannten, aber ihres wenig elegantenAussehens wegen keine weitere Verbreitung findenkonnten. Erst vor 12 Jahren hat man angesangen,das E. behufs der Darstellung eines reinerenMaterials einer Destillation zu unterwerfen, beiwelcher man, wie bei Destillation der Boghead-kohle Englands u. der sächsischen Braunkohle einGemisch von Lcuchtölen, Schmieröl und Paraffinerhält. Das Verfahren, welches hierbei von denwenigen an den Fundorten in Galizien selbst u.am Kaukasus, sowie einigen in Wien u. in Eng-land befindlichenFabriken eingeschlagen wird, stimmtdarin überein, daß das rohe E. ähnlich behandeltwird, wie der durch Destillation der Braunkohlenerhaltene rohe Theer. Die Verarbeitung des E-shat vor der der Braunkohlen aber nicht nur vor-aus, daß bei ihm der erste Theil derselben, derSchweelproceß, wegfällt, sondern auch noch denVortheil einer bedeutend großem Ergiebigkeit anfertigen guten Prodncten. Denn, während diesebei einem Branukohlentheer von mittlerer GüreKV bis 68 p. 0 . betragen, liefert das E. 80 x. e.u. zwar macht unter diesen das werthvollste Pro-duct, das Paraffin, beim Branukohlentheer nur15 bis 17 p. 0 ., beim E. aber 36 p. 0 . aus. Diedaraus verfertigten Kerzen (Ozokeritkerzcn Fieldsin London) llbertrefsen endlich an Qualität alleübrigen; ihr Beleuchtungswerth ist sowol größerwie der des Stearins, als der des Wachses, demsie im Aussehen n. Schmelzpunkt sehr nahe kom-men u. des gewöhnlichen Paraffins; denn um die-selbe Menge Licht zu liefern wie 1000 § Wallrathsind 1200 § Stearinsäure, 1150 A Wachs, 798bis 891,8 Paraffin u. nur 750 A E. erforderlich,«re bleiben ferner bei einer Temperatur von 42°hart, während die Paraffinkerzen schon bei3V° bis 60° sich biegen. Der Schmelzpunkt läßt

Erdwärme. 469

sich sogar, wie sich ans der Betrachtung der ver-schiedenen Destillationsproducte des E. ergibt, nochüber den der Stearinsäure steigern.

Das E. läßt sich vollständig überdeslillircn; ge-schieht dies durch allmählich steigende Erhitzung,so erhält man zuerst ein Destillat, welches beimErkalten schmalzartig bleibt n. schon bei ca. 35 °schmilzt; die späteren Portionen zeigen immergrößere Härte n. höheren Schmelzpunkt. Werdenalle Products wieder vermischt, so zeigt das Ganzeeinen um 15° oder mehr niedrigeren Schmelz-punkt, als das der Destillation unterworfene E.Dieses Verhalten, sowie die Resultate der Destil-lation im Großen, bei welcher neben 82 p. e. sog.Paraffin 18 ;>. 0 . flüssige Products erhalten wer-den, zeigt also, daß das E. beim Erhitzen bis zumSieden eine Veränderung erleidet, durch welche sichder Gehalt an festen Bestandtheilen erheblich ver-mindert. Es ist daher als durchaus unrationellzu bezeichnen, wenn die englischen und die öster-reichischen Fabriken die Reinigung des E-es aufdem Wege der Destillation erzielen, welche einProduct liefert, das in Betreff der Schmelzbarkeit,dieses für die Qualität eines Beleuchtungsmaterialsso wesentlichen Factors, dem Rohproducte nachsteht.Auch die Plasticität, die es dem Bienenwachse soähnlich macht, geht zugleich verloren. I. F. Ottoin Frankfurt a. O. hat das Verdienst, zuerst dieReinigung mit Umgehung der Destillation ansge-fllhrt zu haben; er liefert gereinigtes E. von un-tadelhafter Schönheit, so hart, daß der Fingernagelkaum eindrnckt u. von Schmelzpunkten bis zu 83°,ja er würde Material von noch höherm Schmelz-punkte fabriciren, wenn nicht zugleich die krystalli-nische Beschaffenheit inunerwünschterWeiseznnähme.

Unter dem Namen Ceresin fabriciren H. Ujhelyu. Co. in Stockerau bei Wien seit einigen Jahrenein Material, welches bestimmt ist, als Surrogatfür das Bienenwachs in allen seinen Anwendungenzu dienen und zu welchem ohne Zweifel E. ver-wendet wird. Die Fabrik beschränkt sich nicht da-rauf, das Material für alle die Industriezweige znliefern, welche bis jetzt auf das immer seltenerwerdende Bienenwachs angewiesen waren zurBereitung von Glanzkattunen, Buntpapier, Zwirnu. s. w. sondern fertigt auch Kerzen in jederSorte, von den einfachen Tafel- n. Weihnachts-kerzchen, bis zn den mit Vergoldung, Bilderschmucku. plastischer Verzierung reichst verzierten Kirchcn-kerzen u. den mannigfachsten aus Wachsstock ver-fertigten Luxusgegenstäuden. Die Schönheit undBilligkeit haben dem Fabrikat schon einen großenAbsatz verschafft; 1873 betrug ihre Production12,000 Ctr. «'st.

Erdwalze, der von der Pioniertruppe bei derförmlichen Belagerung durch schrittweises Vor-wärtsgraben unter dem Schutz einer Erdmaskeausgehobene Laufgraben von 1 , 4 a m Tiefe. Diedeckende Brustwehr desselben nach Vorwärts heißtTetendeckung, die nach der Seite Seiten-deckung. Ist letztere auf beiden Seiten vorhan-den, so hat man die doppelte E., ist sie nur aufeiner Seite da, die einfache E. l.

Erdwärme. Die auf der Erdoberfläche dasLeben der Organismen bedingende Wärme ist nach-weisbar wesentlich eine fremde, von der Sonne