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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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Erdwachs.

1814 u. 1823 (Wenn. u. Petersb. 1821, 3 Bde.n. 1830, 2 Bde.), Dumont d'Urville 182629(Par. 183033, S Bde.)u. 1837. Bisweilen wer-den E-n im wissenschaftlichen Interesse auch jetzt nochvon Regierungen veranlaßt, so von der schwedischenunter Admiral Birgitts 185153 (beschr. vonSkog-inann, deutsch Berl. 1857), von den VereinigtenStaaten unter Commodore Percy von 185355(beschr. von Heine, Lpz. 1856, 2 Bde.), von SeitenÖsterreichs ans der Novara 185759 (beschr. durchWiillerstorf-Urbain, Wien 186102, 3 Bde.);von Seiten Englands ans dem Challenger (s.Challenger-Expedition). Bei dein jetzigen Standerer Transportmittel kann eine E. aber unterMitbenutzung von Landrouten, in 80100 Tagenvollendet werden, wobei jedoch von jedem län-ger» Aufenthalt abznsehen ist Vgl. Suchard, Iwtour Un iUoncks sn ^ranäo vitssso, Nenfchatel1876, sowie die Artikel Dampfschifffahrt u. Erd-kunde. Schroot.

Erdwachs (Ozolerit), findet sich in geringenMengen, die nur ein mineralogisches Interessebieten, in den Steinkohlengrnben von Urpeth beiManchester, im Quadersandstein bei Gaming undGersten in Österreich u. in Texas. Von größererBedeutung ist das Vorkommen bei Slanik undeinigen Fundorten in Rumänien. Große indu-strielle u. nationalökonomische Wichtigkeit aber hatnamentlich in dem letzten Decennium das Vor-kommen in Galizien gewonnen, wo das E. besondersbei Boryslaw unweit Drohobycz an der Dnjester-bahn in großen Massen bergmännisch gewonnenwird. Genauen statistischen Angaben zufolge wur-den zu Boryslaw 1873 325,000 Wiener Ctr., beiDzwimocz 960 Ctr. und bei Sturunia etwa 100Etr., zusammen im Werthe von 3H- Mill. Guldengefördert. Von Boryslaw zieht sich eine Reihevon Fundorten am Fuße der Karpathen in süd-östlicher Richtung durch das siebenburgische Hügel-land bis in das Donanticfland der Moldau (wobei Slanik eine bedenlende Gewinnung stattfindet),um erst an der Küste des Schwarzen Meeres zuverschwinden. Das Vorkommen des galizischenE-es steht in innigem Zusammenhänge mit demdes Erdöls, das sich aber bedeutend weiter nachW. sortsetzt. Beide treten als Ausfüllung vonSpalten in tertiären (miocänen) mit Schieserthonwechsellagernden Sandsteinschichten auf, häufig inBegleitung von Fasergips u. Steinsalz und sinddurch allmähliche Übergänge mit einander ver-bunden, indem man häufig in demselben Schachtefestes.E., eine zähe, ans einem Gemenge von E.mit Öl bestehende Masse, dem sog. Kindybal undgewöhnliches Erdöl oder Naphta antrifft. Auchbedeutende Ansammlungen von Gasen (Sumpfgas)finden sich dort, die durch ihr Herausströmen denBergbau u. die Förderung gefährlich machen undzuweilen das zähflüssige E. in dicken Wülsten ausden Spalten heransbrängen; es sind Fälle bekannt,wo hierdurch der ganze Schacht so schnell ange-süllt wurde, daß die Arbeiter kaum Zeit hatten,sich zu retten.

Da die Gewinnung des E-es durch sein Vor-kommen in geringer Liese sehr erleichtert wird u.das Eigenthumsrecht bisher nicht gesetzlich geregeltwar, so hat sich bei Boryslaw ein Raubbau in

üppigster Blllthe entwickelt. Auf einer Fläche vonwenig mehr als 86 üa, find 12,000 ältere undneuere Schachte zerstreut, die oft so nahe an ein-ander liegen, daß die Bretterverschläge Uber Tagekeinen Raum zuni Hindurchgehen lassen u. häufigdie Nachbarn, wenn die Schächte nicht hinreichendsenkrecht geführt wurden, mit einander löcherten.Da cs unter diesen Umständen an Platz für dasAusstürzen des todten Gesteins fehlt, so bietet derBergbau von Boryslaw auch äußerlich ein Bildder größten Unordnung.

Im reinsten Zustand ist das E. wachsgelb, zu-weilen grünlich, faserig-blätterig, wird vom Finger-nagel kaum geritzt, zerbröckelt beim Schneiden mitdem Messer und läßt sich bei gewöhnlicher Tem-peratur zu Pulver zerreiben. Der Schmelzpunktist Lei Proben von verschiedenen Fundorten bei60" bis 82" gefunden. Gegen Lösungsmittel ver-hält es sich ähnlich wie Bienenwachs u. Paraffin;in Weingeist n. Äther nur wenig löslich, löst essich in raffinirtem Petroleum n. Schwefelkohlen-stoff in der Wärme so reichlich auf, daß die Lösungbeim Erkalten einen dicken Brei bildet. GegenSäuren n. Alkalien verhält es sich ähnlich indif-ferent wie Paraffin. Unreine, mit mehr od. wenigerNaphta gemengte Sorten sind braun, biegsam n.nehmen vom Fingernagel Eindrücke an.

Die Handelswaare wird durch Umschmelzen desRohproduktes erhalten, wobei die erdigen Gemeng-theile sich zu Boden setzen, theilweise auch aus demzähflüssigen Kindybal, dessen fluchtige Bestandtheilesich hierbei größtentheils verflüchtigen. Die Farbeist gelblich braun bis schwarz, die Härte u. Schmelz-barkeit aber sehr verschieden. Die härteste Sorte,das sog. Sprungwachs, ist spröde wie Wachs,hat wie dieses sptittrigen Bruch, läßt sich aberzwischen den Fingern weniger leicht kneten, schmilzterst bei 70" n. riecht nur sehr wenig; die weicherenSorten werden Bteichwachs genannt, sie riechenstark nach Erdöl, nehmen von weichen Gegenstän-den tiefe Eindrücke an, lassen sich leicht biege» u.zerreißen u. schmelzen schon unter 60".

Als identisch mit dem E. hat sich ein Productder durch ihre Naphtaquellen berühmten Gegendam westlichen Ufer des Kaspischen Meeres erwiesen.Es wird besonders auf der Insel Tschelekän ähn-lich wie in Galizien das E. aus seinen weicherenSorten gewonnen, wird aber auch in dem benach-barten Tnrkmanien und im russischen Transkau-kasien in der Kabarda gewonnen. In seinen äußerenEigenschaften und seinem chemischen Verhaltenstimmt das Naphtagil im Wesentlichen mit demgalizischen E. überein, wobei jedoch bemerkt wer-den muß, daß es nicht mit dem Kir verwechseltwerden darf, einer schwarzen, wachsähnlichen Masse,welche zugleich mit dem Naphta auf der HalbinselApscheron vorkommt u. eine weite Strecke mit eineroft mehrere Fuß mächtigen Schicht bedeckt. DerKir soll in früheren Zeiten, wo die Naphtaquellennicht durch Ausschöpfen entleert wurden, durchÜberlaufen derselben entstanden sein u. wird sürein Zersetzungsproduct des schwarzen Naphta ge-halten. Da er mit stark hitzender Flamme brennt,liefert er den dortigen Naphtafabriken ein vorzüg-liches Brennmaterial.

Das E. enthält nur Kohlenstoff u. Wasserstoff.