Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
467
Einzelbild herunterladen
 

467

Erdrosseln Erdumsegelung.

des Erdinnere verborgen zu liegen. Die E. hatim Verlaufe der verschiedenen geologischen Perioden ihr Aussehen wesentlich verändert u. verdanktdie heutige Gestaltung ihrer Oberfläche dem Ein-flüsse der Atmosphäre, des Wassers u. der Orga-nismen, sowie den von Zeit zu Zeit erfolgendenoulcauischen Durchbrächen. Die E. ist die Trägerindes organischen Lebens, welches an ihre Oberflächegefesselt ist. Wenige Lm hat der Mensch vermocht,sich von der E., dem Boden des Luitmeeres, zuerheben, weniger tief noch, in dieselbe einzudringenund sie zu erforschen. Ans der Wärmezunahmenach dein Innern der Erde hat man die Dickeder festen E. auf 9 M. veranschlagt. Diese ver-hältnißmäßig geringe Mächtigkeit der E. erklärtdie säcularen Niveauschwankungen einzelner Theilederselben, das Auftreten heftiger Erdbeben undvulcamscher Durchbrüche, Erscheinungen, in wel-chen sich die Übermacht des glnthfliissigen Erd-innern äußert; doch wird die Theorie vom gluth-flilssigen Erdinnern in der Neuzeit wieder ange-zweisell.

Erdrosseln (Stranguliren), die Todesart, beiwelcher der Tod wegen Zusammendrückung derLuftröhre, Aufhebung des Athemholens, Zusam-menschnürung der Jngularvenen u. Zurückhaltungdes Blutes im Gehirn, entweder mittels der Händeod. eines Tuches, Stranges rc., gewöhnlich sehrschnell, unter einer das Bewußtsein aufhebendenBetäubung erfolgt. Kennzeichen dieser Todesartsind vorzüglich Spuren von Eindrücken des ge-brauchten Erdrosselungsinstrumentes rc., Blntunter-lausungen am Halse, die jedoch auch fehlen kön-nen, Brüche der Kehl- od. Luftröhrenknorpel, sonstdie des Erstickungstodes überhaupt. Als Todes-strafe kommt das E. bei den Römern vor, welchesim Gesänguiß geschah, auch bei den Griechen u.bei den Juden, bei welch' letzteren es an dem inMist od. Koth bis an den Hals gegrabenen Ver-brecher, dem ein in ein weiches Tuch gebundenerStrick um den Hals gelegt wurde, welchen zweiLeute zusammenzogen, vollstreckt wurde. Bei denTürken war ehedem das E. die Todesstrafe fürStandespersonen; der Sultan schickte eine seideneSchnur, welche der Todescandiüat sich selbst an-zulegen Pflegte u. die von den abgeschickten Tata-ren od. stummen Sklaven zugezogen wurde, welcheden Kopf zum Zeichen der Erfüllung Mitnahmen.In Spanien war das E. durch die Llarotta beiAdeligen lange Zeit gewöhnlich. Den auf eineman einem Pfahl befestigten Bänkchen sitzenden De-linquenten wurde ein am Pfahl angebrachtes, eiser-nes Halsband um den Hals gelegt u. dieses schnellmittels einer hinten angebrachten Schraube zu-gezogen. Vergl. auch Erhängen.

Erdrutschung, s. Erdfälle.

Erdsäcke (Kriegsw.), so v. w. Sandsäcke.

Erdschatten, s. Mondsfiusterniß.

Erdschlipf, s. u. Bergsturz.

Erdschnecke, s. Nacktschnccke.

Erdschwein (Erdferkel, Ämsenscharrer, Orxa-tswxns Eeo/fi-.), Säugethiergatt, aus der Fam.der Ameisenfresser, Ordnung der Zahulücker;

mit dünnem Halse u. Kopfe undMn sehr verlängerter Schnauze, deren Mundöffnungichr klein ist, so daß die lange Zunge weit vor-

geslreckt werden muß, um die Nahrung, Ameisenu. Termiten, zu ergreifen. Die Backenzähne sindaus hohlen Längsfaseru zusammengesetzt, so daßdie Kaufläche dem Durchschnitte eines spanischenRohres nicht unähnlich ist. Das Kapsche E. (0.«apsvsis Eso/f»-.), graubraun, fast 2 irr groß,lebt am Senegal bis zum Kap, wird gegessen,seine Haut zu Leder verarbeitet. Tho'.

Erdspill, s. u. Spill.

Erdspinne, s. Spinnen.

Erdstern, s. Geäster.

Erdstöße, s. Erdbeben.

Erdströme, 1) elektrische Ströme, die nach derAmpereschen Theorie des Magnetismus die Erdeetwa in der Richtung von O. nach W. umfließen.2 ) Elektrische Ströme von hoher Spannung, welchevor und während der Polarlichter in der Erdeauftreten und auch in Telegrapheuleitungen über-treten. Die Richtung dieser E., welche oft plötz-lich in die entgegengesetzte umschlägt, macht inDeutschland, Frankreich u. dem mittleren Englandgewöhnlich einen Winkel von 6085 Grad gegenoen astronomischen (also von 40 Grad gegen denmagnetischen) Meridian. Die Stärke der Polar-lichtströme in den Telegraphenleitungen wechseltmit der Richtung der Leitungen und ist bei untersich parallelen Leitungen der Länge derselben nahe-zu proportional. 2) ZeM,e.

Erdsturz, so v. w. Erdschlipf.

Erdtheer, so v. w. Bcrgtheer, s. u. Erdöl.

Erdumsegelung (Reiie nur die Erde rc.).Nachdem Eolombo 1492 schon von dem Glaubengeleitet gewesen, daß ein westlicher Seeweg nachIndien veftehen müsse, wurde derselbe eine Zeitlang vergebens gesucht, bis der in spanischenDiensten stehende Portugiese Ferd. Magelhaens1519 die SSpitze des amerikanischen Continentsumsegelte und 1521 bei den Molukken anlangte,aber auf der Insel Matan ums Leben lam;von seinen 5 Schiffen kehrte nur eins unter Scb.d'Elcano zurück. Dies war die erste E. (Beschr.von Pigasetta, Par. 1801). Ans diesem Wegefolgte 152426 Le Loyasa, 1534 S. LÄl-cazova, 1537 Ferd. von Grijalva (entdeckte Neu-Guinea), 1542 Jean Le Gartan rc. Um dieseZeit hatten die Engländer die Durchfahrt im nörd-lichen Eismeere vergebens versucht. F. Drake warder erste Engländer, welcher die Ecdnmschifsnng157780, Loch südl. um Amerika herum, unter-nahm. Fernere E-en vollbrachten u. A.: Caven-dish 1586, Hawkiu 1595, Ol. von Root 1598,Spielbergen 1614, Jac. leMaire u. C. ».Schon-ten 1615, Heremita u. Schopenhem 1615, Dam-Pier (mehrere Male) 16791700, Carreri 1693(Rückkehr nach 5 Jahren), Roger u. Looke 1708bis l7l2,Frezier 171214, Syelvoke 1719, Rog-geveen 1721, Anson 174044 (Dublin 1748),Byron 1746, Wallis u. Tarieret 1766, Bougain-ville 176668 (Par. 1771), Jam. Cook 1768,1772, 1776 (3 der fruchtbarsten Entdeckungsreisen),Wilson 1783, La Perouse 178688 (Beschr. vonMilet-Murean, Par. 1797, 4 Bde.), Bastementeund Malaspina 178993, Marchand 179092,Vancouver 179092, d'Entrecasteaux 1791, Sacm1798, Peront u. Freycinet 1800, v. Krnsenstern18036 (Petersb. 1810, 3 Bde.), von Kotzcvue