Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
455
Einzelbild herunterladen
 

455

Erdkunde (Gesch.).

Werk über Indien. Außer diesen Quellen fürdie römische E. verdienen hier einige noch vor-b-mdene Jtinerarien Erwähnung, namentlich dasMerarinm Lntoniunm, angefertigt unter KaiserAntoninus Pins (131-161), eine der vollständig-ste» Urkunden des Römischen Reiches; ferner dasItwerarinm Llisi-osol^mitanum, ein Nachweis desReisewegs von Burdigala nach Jerusalem, u. die!,» 'lainlla NonbillMimim, eine Karte, auf wel-cher die verschiedensten Marschrouten angegebenstnd, sowie die großen Gebirge und Flüsse, vieleSeen, die Meeresküste, die Provinzen u. die Namender Völkerschaften. Doch diese Jtinerarien wurdenals strenges Geheimniß bewahrt u. haben daherwenig zur Verbreitung geographischer Kenntnissebei den Römern beigetragen. Auch hatte diewissenschaftliche Bearbeitung der E. bis dahin nursehr schwache Fortschritte gemacht.

Endlich trat Marinus von Tyros wieder in dieFußstapsen des Hipparchos u. entwarf ein vollstän-diges Lehrgebäude der E., mit welchem er seineKarten erläuterte. Das Werk ist indeß verlorengegangen. Auf ihm fußte der berühmteste Geo-graph des Alterthums, Claudius Ptolemäus (im2 . Jahrh. n. Ehr.), dessen noch erhaltenes Werkeine genaue u. vollständige Beschreibung der da-mals bekannten Erde enthält; dabei wandte erdie Grundsätze der Astronomie u. Geometrie aufden Entwurf seiner Karten u. auf die verschiede-nen Methoden der Projection der Kugel an undwurde die unbestrittene Autorität für alle geogra-phischen Bestimmungen bis in die Zeit der Neuge-staltung der Astronomie; erst im 17. u. 18. Jahrh.sind seine Jrrthümer beseitigt worden. SeineKenntmß, welche die höchste im Alterthum er-reichte Stufe darstellt, umfaßt von Europa unge-fähr 2 /g, indem er Skandinavien zu einer kleinenInsel machte u. das nördliche Rußland gar nichtkannte, von Asien das südwestl. Viertel, Arabien,Indien, die Küsten Hinterindiens, Java bis zuden Molukken, den mittleren Theil bis zum Jaxar-tes, den auch er, unbekannt mit Lein Aral-See,ins Kaspische Meer fließen läßt, China (die Serer)nur in ganz unbestimmten Andeutungen, von Afrikadie OKüste bis zum Kap Delgado. die WKllste biszur Sierra-Leona-Küste mit dunklem Wissen derdortliegenden Inselgruppen, im Innern die frucht-baren Länder der NOKüste bis an den Rand derSahara, an einzelnen Punkten Oasen innerhalbdieser Wüste, welche die römische Eroberungssuchtnicht verschont hatte. Den Erdumfang setzte Pto-lemäus um r/g zu niedrig an, welcher Fehler erstim 17. Jahrh. nach langem Streit beseitigt wor-den ist. Daher erklären sich die Fehler seinerKarten, auf denen das Asowsche Meer in Ver-bindung mit dem Eismeer gesetzt, die Halbinsel-gestalt Hindostans unterdrückt, der indische Oceanzu einem Binnenmeer gemacht wurde, das von einemmythischen australischen Aethiopicn am Südpolumgeben wurde. Mit ihm schließen die Fort-schritte der E. im Alterthum im Wesentlichenab; einige durch römische Züge herbeigeführte Er-weiterungen bieten noch die Werke seiner Nachfol-ger, ,o des Ainmianus Marcellinns (im 4. Jahrh.». Ehr.), namentlich über die Völker Germaniensu. Sarmatiens, des Agathemerus n. Martianus.

Eine gute Übersicht der Kenntnisse der Küsten-länder des rochen Meeres bis nach Indien bietetder Periplus des rochen Meeres aus unbestimm-ter Zeit; dagegen ist die dem Ansgang des Alter-thums angehörende Kosmographie des AethicusJster ein vollständiges Gewebe von Phantasie u.Erfindung, aber trotzdem lange Zeit im Mittelalterals Autorität hochgeachtet.

Die Kenntnisse der Alten schließlich von derPhysischen E. waren ein seltsames Gemisch vonstie-fen Wahrheiten u. vollständigen Jrrthümern. DerMangel an geeigneten Werkzeugen ließ sie in vielenFällen nicht zu einer genauen Beobachtung, son-dern nur zu mehr od. minder richtigen Schlüssenund Verrauchungen kommen. Eine genaue Be-stimmung der Berghöhen war nicht erreicht, sowenig wie die Tiefe des Meeres gemessen; dieWirkung der vulkanischen Kräfte, die Hebungen n.Senkungen der Festländer, das Anschwemmen derFlüsse war der Beobachtung nicht entgangen. Inmeteorologischer Beziehung hatte der geniale Blickdes Aristoteles schon viele Gesetze entdeckt, so dieErzeugung von Luftströmungen durch die Sonne,die Abnahme der Wärme bei Erhebung der Erd-oberfläche, den Einfluß des Meeres auf das Klima;in Betreff der Verbreitung der Thiere n. der Racen-unterschiede der Völker ist nur sehr Geringes gelei-stet worden. Scharfsinnige und reichhaltige An-schauungen über den Einfluß der Natur aus denMenschen u. die menschliche Gesellschaft finden sichzahlreich in den Werken elastischer Gelehrten, wenn-gleich der sie umgebende Ballast von Jrrthümernsie noch nicht hat fruchtbar werden lassen.

In traurigem Contrast zu diesen Resultaten desgraphischen Wissens im Älterthum stehen die

eren Periode. Das Studium vefchränkt sichheiliahe ausschließlich auf die kümmerlichen Leist-ungen der römischen Geographen mit gänzlicherVernachlässigung der griechischen und auf trockneNamenexcerpte, durchsetzt mit ungeheuerlichen Fa-beln. Die Vorstellungen von dem Ban der Erdegewannen wieder die rohe Gestaltung der alt-classischen Zeit, z. B. bei Kosmas Jndopleustesals einer vom Firmament umgebenen, ans einer-viereckigen Fläche ruhenden Glocke, welche vonder Sonne umkreist wird. Ebenso dürftig warendie Versuche im Kartenzeichen; die Kenntniß derNatur beschränkte sich auf Wiederholung der vonden Alten gelehrten Wahrheiten und Jrrthümer.Die Ausbeute der Werke dieser Periode (die christ-liche Topographie des Kosmas Jndopleustes sausd. 6. Jahrh.), die Kosmographie des L.uonz'muskavsimas saus d. 8. Jahrh.) u. A.), ist daherfür die E. nur sehr gering. Die räumliche Er-weiterung der Kenntnisse blieb nach S. u. nachO. zu bei den Kenntnissen der Alten stehen undauch die erwähnungswerthe Reise des byzanti-nischen Staatsmanns Zemarchos zu dem Tata-renkhan Dissabulus (Ti-theu°pu-li) am Altai(569 n. Ehr.) durch das innere Asten hindurchblieb ohne Frucht; allein nach N. und NW. hinsind Bereicherungen zu verzeichnen. Schon im 8.Jahrh. drangen Mönche von Schottland aus nachden Färöer und Island vor, das sie bald wiederverließen, das jedoch schon im folgenden Jahrh.