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Erdkunde
erhalten über seine Leistungen, ebenso wie überdie des griechischen Arztes Ktesias (398 v. Chr.)am Hofe des Perserkönigs über Indien', als daßein klares Bild davon gewonnen werden könnte.Den bei weitem größten Anstoß zur Erweiterungdes räumlichen Wissens, zur Vertiefung der geo-graphischen Anschauung und zur Erweckung einerLänder- u. Völkerkunde gaben die EroberungszügeAlexanders des Großen zu Ende des 4. Jahrh.Die Thatsache, daß zum erstenmal ein Eroberersich mit Künstlern, Gelehrten, Philosophen aufseinem Zuge umgab, mußte zu einer durchgreifen-den Erforschung der eroberten Länder führen. DieTendenz des Königs, Orient u. Griechenthum miteinander zu verschmelzen u. darauf sein Weltreichzu gründen, hatte zunächst das Verschwinden desalten griechischen Vorurtheils gegen das Fremdezur Folge, u. die Bekanntschaft mit den chaldäi-schen und phönizischen in den Archiven zuBabylon u. Tyros niedergelegten nautischen undastronomischen Studien vertiefte die wissenschaft-lichen Kenntnisse der griechischen Gelehrten. Sowurde abgesehen von der räumlichen Ausdehnungdes geographischen Wissens durch die Züge nachSogdiana im O. des Kaspischen Meeres, nachdem Pendschab, durch Gedrosien, durch die Fahrtdes Nearchos auf dem Hydaspes u. Indus in denIndischen Ocean zur Tigrismllndung die phy-sische Geographie, die Beobachtung der Erdober-fläche, die Kenntniß der Thier- u. Pflanzenweltin neue Bahnen gelenkt. Dieselbe Förderungbrachten auch die politischen Nachfolger Alexanders;Seleukos Nikator und Antiochos der Große vonSyrien durch ihre indischen Feldzüge, mehr nochdie Ptolemäer in Alexandria, unter deren Regierungder ausgedehnte Handel eine Fülle geographischerNachrichten an die dortigen Gelehrten gelangenließ, welche sie, unterstützt durch die Freigebigkeitder ersten Regenten dieses Hauses und die dortigeBibliothek, zusammenstellten u. bearbeiteten. MitHilfe dieser Quellen stellte nun Eratosthenes vonAthen (276—196), der von Ptolemäos Euergetesan die alexandrinische Bibliothek berufen war,die gesammten Kenntnisse seiner Zeit über die Erdesowohl in politischer als mathematischer Beziehungsystematisch zum erstenmal dar. Gegen N. u. W.zeigte sich keine Erweiterung der Kenntnisse gegenfrüher, gegen O. aber schon bis nach Hinterin-dien. gegen S. bis in das östliche äquatorealeAsrika. Ebenso geben seine Vermuthungen, daßman aus dem Indischen Meer durch den Äthiopi-schen Ocean Afrika umschiffen n. daß man durchden Atlantischen Ocean gegen W. vordringend,Indien erreichen könne u. in gleicher Weise seineKarten von Arabien u. Vorderindien, Zeugniß vonden großen Fortschritten der E. Gleich wichtigwaren seine geodätischen Forschungen, am berühm-testen sein System der Messung des Umfangs derErde (welchen Aristoteles auf 400,000, Pytheasauf 300,000, Archimedes ans weniger als dieseZahl geschätzt hatten), welches auch jetzt noch be-folgt wird, obwohl er ans Grund nicht ganz rich-tiger Annahmen den Umfang zu hoch berechnete,worin ihm Posidonios aus Rhodos (130 V. Ehr.),der die Rechnung prüfte, u. alle folgenden Ver-treter der E. gefolgt sind.
(Gcsch.).
Von den übrigen Geographen dieser Zeit ßyzu nennen: Agatharchides, sodann Polybios, k,die Römer einen Theil der von ihnen erobert»Länder genauer kennen lehrte; vorzüglich chHipparchos (140 v. Ehr.), der eine Kritik des Er,,tosthenes schrieb u. das Verdienst hat, die ersi»Grundlagen einer rein astronomischen E. u. viel,leicht die erste Idee der geographischen Projektneu geboten zu haben; Artemidoros (110) beschoßsehr genau die Ostküste Afrikas; Dionysios Per»,getes schrieb in Hexametern eine Darstellung däSystems des Eratosthenes, Eudoxos ging zweintzvon Ägypten nach Indien u. erklärte die WM.keit der Umschiffung Afrikas.
Die Römer verdankten ihre ersten Kenntnissein der E. allein den Kriegszügen, durch welchsie nach und nach in die verschiedenen Länder d»Erde geführt wurden; wissenschaftlich haben sie dieE. nie behandelt. Zweihundert Jahre lang siez,reich geführte Kriege gegen Karthago, in Male-Idonien, Syrien, Numidien, in Arabien, Maim-Istarnen, Gallien, Germanien n. Britannien erwei-lsterten aber den Kreis der Entdeckungen bedeutend !Ein eifriger Geograph war Cäsar, auf dessen Be-treiben der römische Senat die Äufnahme ein» .Karte des ganzen Römischen Reiches bewerkstellig!» Iließ, welche als die erste topographische Landes-aufnahme anzusehen ist. Alle in den römisch»Feldzügen gemachten Entdeckungen wurden um dieMitte des 1. Jahrh. n. Chr. von Strabo unterBenutzung des Eratosthenes zu einem großen Weckgestaltet. Unter dein Kaiser Claudius erhielten dieRömer nähere Nachrichten von der Insel Ceylon;Hippalus lernte die Eigenschaften der Monsune(Wechselwind) kennen. Man lernte die Dänisch»Inseln, die Jütische Halbinsel u. Norwegen kenne»u. besuchte die Ostsee bis zum Finnischen Meer-busen; unter Vespasian wurde die insulare LageBritanniens festgestellt u. der Schottläudische Ar-chipel entdeckt; man drang in Äsrika nach dergroßen Wüste vor, nach Fezzan u. entdeckte vieleOasen; Kaufleute drangen auf uralten Handels-wegen zu Lande bis an die Ostsee vor, um Bern-stein zu holen. Die so gewonnenen Kenntnisse ^legte der ältere Plinius (st. 79 n. Chr.) in den 'ersten Büchern seiner Naturgeschichte nieder, eine»! ;Werke, aus dem erhellt, daß eine anssührliche lo-z i-pographische Beschreibung des Römischen Reichest!,die Commentarien des Königs Juba über Asrilalftder Bericht von Stalins Sebosus über die GliiaßMseligen Inseln u. Senecas Denkschriften über JESdien für uns verloren gegangen sind. Als ZeMgenösse des Plinius schrieb Pomponius Mela einlgeographisches Handbuch, doch ebenso wie jene«von vielen Jrrthümern befangen. Isidor ve«Charax lieferte bes. Nachrichten über das Parkherlreich, Tacitus machte namentlich Deutschlandkannt. Die Eroberungen unter Trajan ( 96 ^UEverbreiteten die E. über Dacien, Armenien, MP-,potamien und Parthien, und unter dem Kats!»Hadrian unternahm der Proconsnl von CapM«cien, Arrian, eine Reise zur Untersuchung der MHsten des Schwarzen Meeres u. schrieb eine m«
jetzt fast vollständig vorhandene Geschichte der An-züge Alexanders des Großen, worin er namei..--seine Kenntniß von Kleinasien zeigt, u. ein ..