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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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Elcktromcteorc.

sich meist gleichzeitig die in den tieferen Luftschich-ten schwebenden Dünste vermehren nnd Nieder-schlagen (Morgenthau). Dies Steigen dauert imSommer etwa bis 6 oder 7 Uhr, im Frühlingsu. Herbste bis 8 oder 9 Uhr, im Winter 10 bis11 Uhr. Hat auf diese Art die Elektricität ihrMaximum erreicht, so vermindert sie sich wieder,meist gleichzeitig mit den Dünsten od. dem Nebelder unteren Luftschichten, u. erreicht einige Stun-den vor Sonnenuntergang, im Sommer gegen 4bis 5 u. 6 Uhr, im Winter gegen 3 Uhr, ihr Mi-nimum, ans welchem sie verhältnißmäßig längerals auf dem Maximum verweilt. Naht sich dieSonne dem Horizont, so fängt sie wieder zu stei-gen an u. erreicht etwa zwei Stunden nach Son-nenuntergang ihr zweites Maximum, währendsich wiederum Dünste in den unteren Luftschichtenbilden (Abendthau); bald aber sinkt sie wieder biszum zweiten Minimum, welches gegen Son-nenaufgang wiederkehrt. Außer dieser täglichenPeriode gibt es noch eine bestimmte jährliche Pe-riode im Maß der atmosphärischen Elektricität.Die -i- L ist nämlich im Winter bedeutend stärker,als im Sommer, und ändert sich zwischen diesenbeiden Jahreszeiten auf eine regelmäßige Art.Der Grund hiervon liegt in dem Umstande, daßdie -l- L in den unteren Luftschichten in dem Maßewächst, als sich die Wasserdünste Niederschlagen.Dies findet am stärksten in der kalten Jahreszeitstatt, wo Dünste u. Nebel oft lange in den unterenLuftschichten lagern, am schwächsten in den Som-mermonaten, wo im Allgemeinen die unteren Luft-schichten eine größere Klarheit und Durchsichtigkeitbesitzen. Die Elektricität der Wolken u. der ausihnen erfolgenden Niederschläge zeigt übrigenseinen merkwürdigen Gegensatz zu derjenigen derunteren Luftschichten. Nach Müller ist nämlichder Regen in den Sommermonaten ungleich stärkerelektrisch als in der kälteren Jahreszeit. Die täg-lichen Perioden der Elektricität werden durch leb-hafte Winde, welche die Ansammlung von Dün-sten verhindern, sehr verwischt.

Was aber die eigentliche Quelle der Luftelek-tricität sei, ist noch nicht mit Sicherheit ermittelt.Volta u. Saussure erblickten sie zwar in demVerdampfungsproceß u. Pouillet im Vegeta-rionsproceß; doch hat Reich gezeigt, daß wenig-stens eine merkbare Elektricitätserregung nur beigewaltsamer Verdampfung eintrete, bei welchersich die Dämpfe an den Gefäßwänden reiben, u.die Beobachtungen von Rieß haben nur höchstzweifelhafte Elektricitätserregungen durch das Kei-men von Pflanzen ergeben; doch hat anderseitsBuff eine elektromotorische Kraft in der Berühr-ung der Luftfeuchtigkeit und der inneren Pflanzen-säfte durch die poröse Scheidewand der Epidermisnachgewiesen. Peltier stellte sehr scharfsinnigeUntersuchungen über die Erzeugung der Luft-elektricität an und schrieb sie der Einwirkungeiner stets negativen Ladung des Erdballs zu.Ans den von Dove gesammelten u. zusammen-gestellten Erfahrungen geht hervor, daß bei jederplötzlichen Bildung dichter Wolkenmassen Blitz u.Donner gleichzeitig austretende, begleitende Er-scheinungen sind. Siemens beobachtete auf derCheopspyramide bei Kairo eine sehr interessante

elektrische Erscheinung. Als er die höchste Stufeder Pyramide erreicht hatte, vernahm er ein sau-sendes Geräusch. Er hielt den Zeigefinger hochempor, worauf er ein leises Prickeln an der demWinde entgegen gerichteten Hautfläche des Fingersfühlte u. einen eigenthümlich zischenden Ton,ähnlich dein des singenden Wassers, hörte. Sie-mens vermuthete, daß diese Erscheinungen elek-trischer Natur sein könnten und hielt eine gefüllteWeinflasche empor, deren Kopf mit Stanmol be-kleidet war. Er vernahm denselben singende»Ton wie bei Aufhebung des Fingers u. bemerkte,daß von der Etikette fortwährend kleine Funkenzu der die Flasche haltenden Hand übersprangen.Als er hierauf den Kopf der Flasche mit der an-deren Hand berührte, erhielt er eine heftige Er-schütterung, während ein glänzender elektrischerFunke vom metallenen Kopfe der Flasche in diegenäherte Hand übersprang. Als Siemens dieäußere Belegung seiner Flasche durch Umhüllungmit angefeuchtetem Papier vervollständigt hatte,wurde die Ladung derselben so stark, daß ersich ihrer als einer wirksamen Bertheidigungswafse !gegen die ihn begleitenden Araber bedienen konnte, !welche glaubten, daß er Zauberei triebe und ihnvon der Spitze der Pyramide entfernen wollten. !Einige Stufen tiefer waren die Erscheinungen sehrschwach u. in der Ebene gar nicht mehr wahrzu-nehmen. Da die elektrischen Erscheinungen erstdann bemerkbar wurden, als der Wüstenstaub dieSpitze der Pyramide erreichte, so ist Siemens derMeinung, daß die vom Winde gepeitschten Sand-körnchen, an der trockenen Oberfläche des Wüsten-bodens elektrisch geworden, die Träger der Elek-tricität waren. Ob dieselbe positiv oder negativ,konnte leider nicht sestgestellt werden. Regenu.Schnee kommt fast immer in Begleitung einerinehr oder weniger starken Elektricität in die un-teren Regionen der Atmosphäre herab. Diese !Elektricität ist im Durchschnitt häufiger negativ,als positiv, namentlich bei Südwind. Fallen näm-lich die Wassertropsen durch trockene Lust, so ver-wandelt sich ein Theil derselben in -p- elektrischeDämpfe, der größte Theil bleibt aber — elek- jIrisch, d. h. tropfbar flüssig. Die Verdunstung 1scheint hier die — L der herabfallenden Tropfen Izu begünstigen, noch mehr die Vertheilung der- sselben. Sehr häufig haben die Wolken eine starke 4-l- §, der Erdboden erhält also — 8. Befindensich min am Himmel zwei Wolkenschichten, undregnet es vorzugsweise aus der unteren, so erhaltdiese durch Vertheilung auf der unteren Seite -i-,auf der oberen — L. Daher fängt gewöhnlichjeder Regen mit -I- L an. Durch fortdauerndeEinwirkung der oberen Wolke bekommt aber dieuntere immer mehr freie — b!, die sich den jetztfallenden Regentropfen mittheilt. Bei nördlichenWinden ist meist nur eine Wolkenschicht vorhan-den, u. die Elektricität bleibt positiv. Am groß-artigsten tritt die atmosphärische Elektricität beimGewitter auf. Die Wolken, die sich zu einemGewitter ausbilden, sind Anfangs klein, ver-größern sich aber sehr schnell, weil zu der Zeit,wo sie entstehen, die Atmosphäre gewöhnlich sehrwarm u. feucht ist, n. unter diesen Umständen,wenn die Lust um einige Grade sich erkältet, eine