Elcktricität.
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Platte ans einem leinenen Beutelchen Bärlapp-samen, feingepulvertes Colophonium, Schwefel-blumen oder Mennige siebt, so ordnet sich derI Staub zu einer für die beiden E-en charakteristi-schen Figur. War der Körper positiv elektrisch,so besteht die Staubfigur ans verästelten, von demgetroffenen Punkte ausgehenden Strahlen, war ernegativ elektrisch, so entsteht nur ein strahlenloser,den Punkt umgebender Kreis von weit kleineremDurchmesser. Diese Staubfignren sind von Lich-i tenberg entdeckt und werden nach ihm Lichten-I belgische Figuren genannt.
' IV. Die Hypothesen über das Wesen! der E. Zur Erklärung aller dieser Thatsachensind zwei verschiedene Hypothesen ausgestellt wor-den, die eine von Benjamin Franklin, dieandere von Robert Symmer. Franklin^ nahm an, daß jeder Körper von Natur eine ge-wisse Menge eines und desselben (impondera-beln) elektrischen Fluidums (elektrische Ma-terie, Elektricum) enthalte (daher seine Anhänger! Unitarie r genannt werden); daß er, so lange diese' Menge unverändert dieselbe bleibe, unelektrisch sei;daß ferner ein Körper, je nachdem er mehr oderweniger als diese bestimmte Menge elektrischer^ Materie enthalte, positiv oder negativ elektrischsei. Dieser Hypothese verdanken die Bezeichnun-gen positiv und negativ elektrisch ihren Ursprung.Daß ein positiv u. ein gleich stark negativ elek-trischer Leiter einander gegenseitig bei der Be-^ rnhrung unelektrisch machen, erklärt sich darnach
st sehr einfach; dagegen ist die Erklärung des Ab-
stoßnngs- und Anziehungsgesetzes mit Hilfe derFranklinschen Hypothese so gezwungen, daß diesekeine allgemeinere Anerkennung fand. Nach derSymmerschen Hypothese gibt es zwei elek-trische Fluida, einpositives n. ein negatives (da-her nennt man die Anhänger dieser Hypothese Dna-listen); die Theilchen jedes dieser Fluida stoßeni einander gegenseitig ab, ziehen aber die des an-
! deren Fluidums an. Jeder Körper enthält nach
^ dieser Hypothese von Natur beide Fluida in glei-
l cher Menge, so daß sie einander gegenseitig im
Gleichgewicht halten. Ein Körper ist positiv oderl negativ elektrisch, je nachdem er einen Überschuß! an positivem oder negativem Fluidum, an -l- DI oder an — L, besitzt. Zwei gleichnamig elektrische! Körper stoßen sich ab, weil beide einen Überschuß! desselben Fluidums haben, und dessen Theilcheneinander abstoßen; zwei ungleichnamig elektrischej Körper ziehen sich an, weil der eine einen Übcr-! schuß an -l- L, der andere einen Überschuß anD besitzt u. die Theilchen des einen Fluidumsdie des anderen anziehen. Viele, ja die meistenelektrischen Erscheinungen lassen sich nach dieseri Hypothese ungezwungen erklären; daher bedientl man sich der auf dieselbe gegründeten Sprech-. weise noch heute allgemein, obwol es mehr alszweiselhaft ist, ob sie dem wahren Wesen der E.entspricht. . Neuere Untersuchungen haben es viel-mehr wahrscheinlich gemacht, daß die E. inSchwingungen des Äthers besteht.
V- Verbreitung der E. auf der Ober-üjiche der Leiter. Elektrische Spannung.Allmählicher Verlust der E. Wenn man zweilsokrte Metallkngeln von gleicher Größe und Be-
schaffenheit durch Mittheilnng elektrisch macht,während sie mit einander in Berührung sind, sonehmen sie selbstverständlich auch ganz gleiche elek-trische Ladungen an. Trennt man nun die Kugelnu. bringt die eine mit einer hohlen, isolirten, dieandere mit einer gleich großen massiven, ebenfallsisolirten Metallkngel in Berührung, so nehmendie beiden letzteren Kugeln genau gleiche Mengenvon E. aus jenen auf. Wenn die E. sich auchim Inneren eines Leiters ansammeln könnte, sohätte die massive Kugel mehr E. aufnehmen müssenals die hohle. Da dies nicht der Fall ist, so mußgeschlossen werden, daß sich im Inneren einesLeiters keine E. ansammeln kann. Elektrisiert maneine isolirte hohle, mit einer Öffnung verseheneMetallkngel, so zeigt sich nur die äußere, nichtaber die innere Fläche der Kugel elektrisch. Ausdiesen n. zahlreichen ähnlichen Versuchen ergibtsich das Gesetz, daß die einem isolirten Leiter mit-getheilte E. sich nur ans dessen äußerer Oberfläche,nicht aber auf inneren Flächen od. im Innerender Masse, ansammelt. Dies erklärt sich sehr einfachaus der Symmer'schen Hypothese, wonach dieTheilchen eines u. desselben elektrischen Fluidumssich gegenseitig abstoßen, also das Bestreben haben,sich möglichst weit von einander zu entfernen. —Dieses Bestreben würde die Theilchen des elek-trischen Fluidums nöthigen, sich von der Ober-fläche des Leiters zu entfernen, sich noch weiterauszubreiten, wenn sie daran nicht durch denLeitungswiderstand der Umgebung gehindert wür-den. Der Zustand, in welchem die an der weiterenAusbreitung gehinderte E. sich befindet, wirdSpannung genannt. Dieselbe ist um so größer,je größer die Dichtigkeit der E., d. h. die auf derFlächeneinheit angehäuste E-smeuge ist — eben-falls eine nothwendige Folge der Symmer'schenHypothese. Dieser Artikel behandelt die E.im Zustande der Spannung. Ist der isolirteLeiter eine Kugel, so verbreitet sich jede mitge-theilte E-smenge gleichmäßig über deren Oberfläche,so daß die Dichtigkeit der E. an allen Stellen die-selbe ist. Auf der Oberfläche anders geformterKörper ist dagegen die Verbreitung der E. eineungleichmäßige; Versuche, wie auch die auf dieSymmersche Hypothese begründete Rechnung, leh-ren übereinstimmend, daß an den hervorragendenStellen, namentlich da, wo die Krümmung derOberfläche die stärkste (der Krümmungshalbmesserder kleinste) ist, sich die meiste E. anhäuft. Soist bei einem Cylinder mit halbkugeligen Endflächendie Dichtigkeit der E. in der Mitte am kleinsten,an den Enden am größten; an Spitzen (an welchender Krümmungshalbmesser unendlich klein ist),ebenso an scharfen Kanten, ist die Dichtigkeit undsomit auch die Spannung der E. unendlich groß,sie überwindel also den Leitungswiderstand auchdes besten Isolators: daher die bekannte Erfahr-ung, daß aus Spitzen die E. ausströmt, daß alsoein mit einer Spitze versehener Leiter nicht elek-trisirt werden kann, weil er alle E. sofort durch dieSpitze wieder abgibt. Soll also ein Leiter elek-trisirt werden, so muß er nicht nur isolirt sein,sondern er darf auch keine Spitzen und scharfeKanten haben und muß von Staub — der wieSpitzen wirkt — frei sein.