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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
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155
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Eisenbau. 155

tere Herstellung der dünnen Stäbe gegenüber derdes Bleches. Das eigentliche Gitterwerk erfordertzwei verschiedene Arten von Stäben, von denendie einen ans Druck, die anderen auf Zug bean-sprucht werden. Überdieß ordnet man häufig ausNebenrllcksichten noch vertikale Stäbe an. Daselftere System nennt man ein einfaches, das letz-tere ein combinirtes System. Beim einfachenSystem sind entweder beide Arten geneigt, od. dieeine ist vertical (Fig. 22 und 23). Ein com-binirtes System zeigt Fig. 24. Die meistenausgesührten Gitterträger haben parallele Gurte,u. heißen Parallelträger znm Unterschiede von denTrägern mit gekrümmten Gurten, den Parabel-,Halbparabel- u. Schwedlerschen Trägern. Hamsch.

Eisenbau. Seitdem die Holzpreise immer höhergeworden u. man sich immer mehr n. mehr vonder Zweckmäßigkeit des Eisens als Baumaterialüberzeugt hat, ist das Eisen entschieden unter dieHauptmaterialien getreten. Wird das Eisen anStelle des Holzes in Verwendung gebracht, so be-sitzt es diesem gegenüber eine bedeutend größereTragfähigkeit, eine größere Dauer, u. mit Rück-sicht auf letztere, auch eine größere Billigkeit. Diehauptsächlichste Verwendung findet das Eisen zurLoiistriiction von Stützen, Wänden, Decken, Dä-chern u. Brücken.

I. Stützen, a. Aus Gußeisen. Hierher ge-hören: 1) Hohle gußeiserne Sänken. Nach Art derBenutzung wird der Querschnitt derselben zu gestal-ten sein. Man gibt freistehenden Sänlen allgemeineinen ringförmigen Querschnitt (s. Taf. EisenbalkenFig. 25), bei welchem der innere Durchmesser gleichü,gv5 vom äußeren gewählt wird. Die Wand-stärke nimmt man bis 13 om äußeren Durchmesser2 om, bis 20 om äuß. Durchm. 2H om,u. über 20 om äuß. Durchm. 3 em. 2) Ge-rippte Gußeisensänlen. Um die Festigkeit hoherSäulen zu vergrößern, hat man auch wol an demäußeren Sänlenuiiifange aufsteigende Rippen von1,53 om Breite n. 36 em Tiefe angeordnet(Fig. 26). 3) Gekuppelte Sänlen. Die Festigkeitzweier nebeneinander stehender Sänlen läßt sichdurch Zusamnienkuppelnug vermehren, welche letz-tere in verschiedener Weise vorgenommen werdenkann. Ein Beispiel hierfür gibt Fig. 27. 4) Flü-gelsäulen (Fig. 28). Hier n. da gießt man näm-lich die Stützen mit kreuzförmigen Querschnitten.5) Gußeiserne I-förmige Stützen, sind im Hoch-bau n. zwar insbesondere bei Schanfeiisteranlagenganz allgemein gebräuchlich. Der innere Steg er-hält, um an Material zu ersparen, Ausschnitte(Fig. 29). b. Aus Schmiedeeisen. 1) Schmiede-eiserne hohle Stützen. Derlei Stützen, gebildetdurch Znsamnieiinieten von gewalzten Säulennm-sangsstücken (Fig. 30), werden von den Ameri-kanern empfohlen, dürften indessen stets nur einebeschränkte Anwendung finden. 2) SchmiedeeiserneGitterslützen. Eine wirklich großartige Verwend-ung fanden dieselben beim Baue des Wiener Welt-ausstelliingspalastes. Die Gitterpfciler dortselbst,bestehend ans den zwei verticalen Gurtungen vonje zwei Winkeleisen n. den Gitterstäben (durchge-sührt als sog. combinirtes System) waren bestimmt,die bogenförmigen Gittergespärre zu tragen. 3)Schmiedeeiserne Kastenstützen. Auch diese kamen

ans der Wiener Weltausstellung und zwar zurUnterstützung des colossalen konischen Rotnnden-daches zur Verwendung. Ein solcher Kastenträger,,welcher auf der breitereu Seite der Höhe nach 7Öffnungen besaß, war aus einzelnen Blechen ge-bildet, die, mittels Winkeleisen zusammengehalteuwurden. Überdieß erhielten diese Kastenstlltzen zuihrer Versteifung in gewissen Entfernungen imInnern ein Winkelcisen-Gitterwerk.

II. Wände. Leicht begreiflich erscheint es, daß.man in Gegenden, wo die Holzpreise sehr hochsind, auf die Idee kam, statt der hölzernen eiserneFachwerkswände herznstellen. Die Figuren 31 u.32 zeigen den Grundriß n. die Ansicht eines mitsolchen Wänden ausgesührten Gebäudes. DieDetailconstruction ist der Hauptsache nach die fol-gende: An Stelle der Schwellen ans Holz ist eiirKlacheisen vorhanden, welches auf dem massivenFundamente anfliegt. Stumpf ans dem Fußeisenstehen die I- od. Ifförmigen Wandstiele, die mit-tels gleichschenkliger Winkeleisen mit ersterein ver-bolzt werden (Fig. 33). Als Eckstiele dienen je2 1-Eisen u. ein U-Eisen, die der Höhe nach ingewissen Abständen vermittelst gußeiserner Stegegekuppelt werden (Fig. 34). Zur Bildung derRiegel bedient man sich einfacher Eisenblechstreifen.

III. Decken. Die eisernen Decken theilen sichim großen Ganzen in die eigentlich feuersicherenDecken u. in solche mit eisernen Haupt- u. hölzer-nen Zwischenträgern. Zn den feuersicheren Decken-constructionen rechnet man die Decken aus Ge-wölben zwischen eisernen Trägern und die sog.französischen Dcckencoiistrnctionen. Die ebenerdigenLokalitäten werden gewöhnlich ans eisernen Trä-gern eingewölbt, welche manchmal in Entfernungenbis über 3 m eiugetheilt sind. Bei geringerenTiefen der Räume u. bei kleineren Entfernungender Träger werden gewalzte I-Träger, für Räumevon größeren Tiefen u. Entfernungen die stärkerengenieteten, od. Blechträger verwendet. Die fran-zösischen Decken bestehen der Hauptsache nach auseisernen Trägern n. quadratischen Eisenstäben, diezusammen einen Rost bilden, der einen Gipsauf»trag zu halten vermag (Fig. 35 im Querschnittund Fig. 35a, im Grundriß). Ähnlich con-strnirt sind die Wiener Agraffendecken, bestehendans schmiedeeisernen Balken, die etwa 47 om voneinander liegen und durch hackenförmig gebogeneEisen (Agraffen) mit einander verbunden sind, answelchen,zwischen je2 Tragbalken, kleinere, mitDrahtverbundene Eisenstäbe ruhen. Auf diesem Rost liegenHohlziegel oder Röhren in Cementmörtel (Fig.36). Bei den Decken mit eisernen Haupt- undhölzernen Zwischenträgern liegen die hölzernenTräger entweder zwischen oder über den Haupt-trägern. Dis erstere Art, die eine geringere Lon-strnctionsdicke znläßt, ist die allgemeine. Die Zwi-schenträger können nur auf den Querrippen derHanptträger anfliegen, od. mit diesen durch schmiede-od. gußeiserne Schuhe verbunden sein (Fig. 37).Anstatt der Blechträger und dies insbesondere fürgroße Spannweiten, können auch Gitterträger zurVerwendung gelangen, die zugleich den Bortheilgewähren, daß Las Gitterwerk leicht dekorativ be-handelt werden kann n. die ganze Deckennnterstütz-nng leicht anssieht (Fig. 38).