Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
 

^ Mineralien sind sehr verschieden: man benutzt für! kieselsäurearme Erze, kieselsäurereiche Zuschläge, 'fürj solche Erze, welche bereits die Schlackenbilder imi richtigen Verhältniß enthalten, neutrale Zuschläge,! für saure Erze basische Zuschläge. Als saureZuschlagsmaterialien benutzt man Quarz, Sand,l Thonschieser, Thon u. Silicate, als neutrale od.

' schwachsaure Basalt, Granat n. andere ähnliche^ Mineralien, als basische Kalkstein und Dolomit;

, Manganerze schlägt mau zu, um Mangan in das E.

zu führen u. um auf den Schmelzgang in gewisserWeise zu wirken. Die Schlackenbilduug ist derwichtigste Theil der Fabrikationstechnik des Roh-eisens u. man kann kein gutes Roheisen machen,t wenn man nicht für gute Schlacke gesorgt hat.k Die Fabrikation selbst geschieht in den Hoh-8 vfen, Apparate von 6 — 35 m vertikaler Aus-dehnung, in denen Erze, Zuschläge u. Brennstoffe^ oben aufgegeben werden, allmählich vorgewärmt,: entwässert u. ihrer Kohlensäure u. organischen Be-

; standtheile beraubt werden. Dann werden in noch

tieferer Lage die Erze durch die Kohlenoxydatmo-sphäre des 'Apparates reducirt, durch den Ueberschußan Kohlenoxyd gekohlt und wenn unterdessen die^ Materialien in den untersten Theil des Apparatesgetreten sind, geschmolzen, wobei sich E. undSchlacken sondern. Zur Verbrennung wird amunteren Theil des Ofens oder dem E-reservoirWind, d. h. gepreßte Luft von gewöhnlich hoherTemperatur (bis 600° 0.), in vielfach vertheiltenStrömen eingefllhrt und scharf geblasen. Sobalddas Reservoir des Ofens voll ist, bei langsamgehenden n. kleinen Ösen alle 12 Stunden, bei raschgehenden und großen Öfen alle 4 — 8 Stunden,wird das E. abgestochen u. in Formen vor dem; Ösen geleitet, wo es zu Gänzen, Blatteln oderFlossen erstarrt.

! L) Stab- (Schmiede-) E. (fr. b'or, engl. 8okt-irvn). Das gewöhnliche Stabeisen hat eine hell-graue Farbe, eine sehnige Textur u. einen hakigen- Bruch; sein specifisches Gewicht beträgt 7,z—7,g,i 1 cbm wiegt also ungefähr 7300—7900 Ir. Es? ist äußerst streng flüssig, so daß es nur in kleinenQuantitäten bei den heftigsten Hitzgradcu geschmol-zen werden kann, dagegen läßt es sich in starkerRothglühhitze durch Schmieden gestalten, und beilebhaftem Weißglühen wird es so weich, daß cst schweißbar (fest mit einander zu vereinigen) ist.s Kalt läßt sich das Schmiedeeisen biegen n. Häm-! mern, mit Feile, Meißel und Dreheisen, mit Ho-belmaschine rc. bearbeiten. An absoluter u. relativerFestigkeit übertrifft es das Roheisen. In derWeißglühhitzc (Schwcißhitze) hat es eine Tempera-tur von 1500", bei 1600" schmilzt es. Beigemeng-ter Phosphor macht es kalt brüchig, Schwefelrothbrüchig, Silicium fanlbrüchig. Es ver-ringert sich die Schweißbarkeit u. Festigkeit. Die! Fabrikation des Stabeisens geschieht im Wescut-; lichen auf 2 verschiedene Arten. Entweder erzeugt! man aus den Erzen unmittelbar ein hämmerba-l res Product (Rennarbeit) oder man verwandelt! das durch den Hohofeuproceß gewonnene Roheiseni in Stabeifeu (Frischproceß). a) Rennarbcit!- (Luppenfrischen), wurde früher als einziger E-fa-brikätionsproceß betrieben, konnte aber nur beigeringem Bedarf an Maaren, sehr billigem Brenu-Pierers Umversal-ConversationL-Lexiton. 8. Auil.

stoff u. bei sehr reinen Erzen ausgeführt werden.Die Nenuarbeit bestand darin, die Erze in einemtiefen Herde mit Holzkohlen über sehr stechendemWind niedergehen zu lassen, durch passende Ma-nipulationen jede Kohlung des E-s auf Kosten dermehr oder weniger vollständigen Rednction zuunterdrücken und eine direct schmiedbare Luppeneben einer großen Menge reicher E-schlacken zugewinnen. Später machte man die Erfahrung,daß die Erhöhung des Herdes zu einem Schacht-ofen günstig auf die Production einwirkte, daßdas E. sich zwar etwas kohlte, aber durch ein-maliges Niedergehen vor einem Schmiedefeuerschmiedbar gemacht werden konnte. Dadurch ent-standen die Stück- u. Wolfsöfen, aus denensich allmählich die Formen der Hohöfen entwickel-ten; ans dem früheren schmiedbaren Product wurdedasWeichsloß, dann das Hartfloß. Jetzt wirddie directe Stabeisendarstellung aus Erzen nur nochin ganz entlegenen verkehrsarmen Ländern be-trieben; man findet sie noch in den Pyrenäen,Karpathen, den italienischen Alpen n. namentlich aberin Hochasien. Neuerdings ist man wieder auf diedirecten E°darstellnngsprocesse zurückgekommen u.namhafte Metallurgen wie die Gebr. Siemens u. A.beschäftigen sich ernstlich mit der Frage, die rei-nen Erze Spaniens und Afrikas m der Weise zuverarbeiten; s. Rennen und Renuprocesse. d)Frischproceß, Frischen; das Frischen hat denZweck, den Kohlenstoffgehalt des Roheisens zuverringern, besteht daher im Wesentlichen ans einemoxydirenden Schmelzproccß; es geschieht dies ent-weder unter Mitwirkung eines Gebläses in Herdenund in Convertern oder in Flammenöfen (Pud-delöfen) mit hoher Esse, an) Frischen in Her-den: Je nach der Beschaffenheit des Roheisensn. nach der gewünschten Qualität und Fa^on derProducts unterscheidet mau in der E-Hnttenkundeeine Menge von Frischmethoden, die sich in deräußerlichen Handhabung zwar unterscheiden, alleaber auf dem gleichen Princip beruhen. DasRoheisen wird über einem ans einer flach vier-eckigen Fenergrube bestehenden Herd, der mitbrennenden Holzkohlen angefüllt ist, u. über einemverschieden stechenden Wind von gewöhnlicher oderhöherer Temperatur (je nach den Umständen) ein-gcschmolzeu. Man erhält aus dem vorher miteisenoxydreichen Schlacken desselben Protestes be-schütteten Herdbodcn einen Kuchen von Roheisen,das bereits verändert ist, u. namentlich Siliciumund Mangan verloren hat. Dieser Kuchen wird,nach Abräumen des Feuers u. Abstcllen des Win-des gehoben, wieder auf neue Kohlcnfüllung undüber den Wind gelegt u. zum zweiten Mal nieder-geschmolzen; den so erhaltenen 2. Kuchen, ein un-gleiches aber bereits stark entkohltes Product,schmilzt man znm 3. Mal nieder, u. erhält unterAnwendung einer Menge von schwierigen und an-strengenden Manipulationen eiuenDenl von Stab -eisen, der unter einen schweren, Lurch Wasser oderDampf getriebenen Hammer gebracht, von derSchlacke befreit, fa^onnirt u. zerschnitten wird. "7 :eaus dem Zängeu hervorgehenden Schirbe' wer-den zu Kolben abgefaßt n. ausgeschmiedet, wäh-rend eine neue Portion Roheisen niedergeschmol-zen wird. Der Proceß dauert 8—9 Stunden u.vii. Band. 8