Druckschrift 
Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

102 Einstcdeln.

grafenstand erhoben, 1760 starb; seine beiden Söhnebegründeten die beiden noch blühenden Zweige:die Reibersdorf-Gersdorfer u. die WolkenbnrgerLinie: L) Reibersdorf-Gersdorser Linie:Gras Johann Georg Friedrich, ältester Sohndes Vor., köuigl. sächsischer Cabinetsminister, geb.1730, gest. 1811. Von seinen beiden Söhnen er-hielt der ältere, Graf Georg, die Standesherr-schaft Reibersdorf mit Saidenberg. Er war unterKönig Friedrich August III. bevollmächtigter Mi-nister am russ. Hofe, wo er sich ebenso als ge-schickter Diplomat wie durch sein glanzvolles Lebenauszeichncte. Von seinem Posten abgerufen, lebteer ohne Anstellung in Dresden u. st. 1840. L)Wolkenburger Linie, gestiftet von Graf DetI-lev Karl, jüngstem Sohn des Grafen JohannGeorg, geb. 1737; sächs. Conferenzminister, machtesich bes. im Siebenjährigen Kriege sehr verdient,nahm 1787 seine Entlassung u. trug, durch Er-richtung einer Tuchmanufactur u. Eisengießerei inMückenberg, das er 1778 erwarb, einer Spinn-maschine in Wolkenburg rc., wesentlich zur Ver-vollkommnung des Manufacturwesens in Sachsenbei. Ebenso wirkte er thätig für Hebung der Land-wirthschaft in Sachsen; er erbaute 1793 1805die Kirche in Wolkenburg; er st. 1810 in Mücken-berg. Von seinen Söhnen war der zweite: GrafDetlev, geb. 12. October 1773 in Wolkenbnrg;wurde 1802 Geheimer Finanzrath, 1813 Cabi-uetsminister u. Staatssekretär der inneren (u. äu-ßeren Angelegenheiten, theilte die Gefangenschaftdes Königs Friedrich August I., ruchm am Wie-ner Congreß thcil, wurde 1816 Ordenskanzler u.Direktor der wissenschaftlichen u. Kunstsammlungzu Dresden und übte seit dem Jahre 1827 aufden König Anton den größten Einfluß; auch er-warb er sich um die Ordnung des sächsischen Fi-nanzwesens Verdienste; allein seine Abgeneigtheitgegen eine Veränderung der veralteten Verfassung,sein Halten zur pietistischen Partei, sowie der ob-schon unbegründete Verdacht einer zu großen Wahr-nehmung seiner Privatinteressen regten 1830 ge-waltige Stimmungen gegen ihn auf; er nahmseine Entlassung u. zog sich auf seine Güter zu-rück, wo er 20. März 1861 starb. H-nne-Am Rhyn.

Einsiedeln od. Maria-E., Hobrs-Vams cks8Hsrmitss, Flecken mit ständigem Jahrmarkt, Be-zirkshauptort u. berühmter Wallfahrtsort im Kan-ton Schwyz (Schweiz), 1870 7633 Ew. u. zurBeherbergung der Wallfahrer überreich mit Gast-höfen (etwa 60) ausgestattet, in einer winterlichenGegend, 900 in ü. d. M. Die gefürstete Abtei istin ihren Gebäuden die schönste und größte derSchweiz. Seit den 9 Jahrh. ihres Bestehens istsie fünfmal ein Raub der Flammen geworden.Kirche u. Religiösen-Bau, einschließlich des Col-legiums, zuletzt in den Jahren 17041721 ansQuadern erbaut (416 Fuß breit, 480 Fuß tief,3- u. 4-stöckig), schließen in der vorderen Frontdie doppelt bethürmte Kirche in italienischem Stildes vor. Jahrh. ein. Überladene schwerfälligePracht stört den Eindruck des Innern, welcherohnehin schon durch den an den Jesuiten-Stil er-innernden Fensterbau beeinträchtigt wird. BeimEintritte steht die ganz aus schwarzem polirtemMarmor 1817 errichtete Heilige Kapelle, ein selbst-

ständiger Ban, in welcher das Mntter-Gottes-Bildseit 1835 aus einem Altar von carrarischem Mar- ^mor aufgestellt ist, eine 1 m hohe, fein stilisirte !Figur des 14. Jahrh., Hände u. Gesicht schwarz. ,Der Tradition nach soll es aber von Hildegard, !Äbtissin des Frauenmünsters in Zürich, Tochter iKönig Ludwigs des Deutschen, gsschenkt,sein. NächstLoretto in Italien n. Mariazell in Österreich ist !E. der am stärksten besuchte Wallfahrtsort, dessen iPilgerzahl seit den letzten 30 Jahren zwischen !112,000 u. 210,000 jährlich schwankte. Kaisern.Könige erschienen unter denselben, wie Otto derGr., Karl IV., Ferdinand III., Napoleon III.,Ludwig XIII. v. Frankreich, Ludwig I. v. Bayern !n. A., nächst einer großen Zahl von Prinzen, !Fürsten und hohen geistlichen Würdenträgern. !Die tausendjährige Geschichte des Klosters beginnt !mit der Legende vom heil. Meinrad (daher derName der Abtei in Urkunden Lle§inuräi LsIIn, !Meinradszell) aus dem altgräflichen Geschlechts der ^Hohenzollern, welcher um 835 in die hiesige Ein- >siedelei zurückgezogen, 861 ermordet wurde. Seine !Zelle bezog der Domherr Benno von Straßburg ^(906), welcher unter Beihilfe des Domprobstes ^Eberhard 936 das erste Kloster baute. Als Letz- .terer die damals kleine Kirche weihen wollte, er-tönte eine Stimme, welche verkündete, daß Christussie bereits geweiht habe. Deshalb wird bis aus ^den heutigen Tag das Fest der Engelweihe am i14. Sept. wie ein hohes Fest begangen. Papst sLeo VIII. erklärte in einer Bulle das Wunder für ^wahr u. verlieh Allen, die den Ort besuchen wür-den, vollständigen Nachlaß der Strafe für ihre !Sünden. Kaiser Rudolf I. erhob 1274 den Abt ,zum Reichsfürsten, aber nach der Schlacht von iSempach zwangen die Schwyzer, welche schon seitdem 13. Jahrh. mit dem Kloster wegen des Be- .sitzes von Alpweiden in heftigem Kampfe lagen,die Unterthanen des Abtes, daß sie ihnen den Eid ^der Treue schwören mußten. Die Vogtei des >Klosters wurde 1397 dem Lande Schwyz über-tragen u. später, da das Kloster sie wieder streitigmachte, 1433 zu Basel von Kaiser u. Reich. 1451wurden die Unterthanen des Klosters durch einen ^Schiedsspruch der Eidgenossen frei von der Leib-eigenschaft. Von dem Administrator Theob. von sGeroldseck, der später selbst nach Zürich ging u.der Reformation sich anschloß, war Zwingli nachE. berufen worden und hatte mit solchem Erfolgegegen Ablaß, Wallfahren und Sittenlosigkeit desKlerus gepredigt, daß ein Theil der Mönche ihrOrdenskleid ablegten u. das Kloster verließen. Im -I. 1765 wurde ein Aufstand der Kloster-Unter-thanen blutig unterdrückt u. durch Errichtung derhelvetischen Republik verlor das Kloster alle poli-tischen Rechte. 4. Mai 1798 capitnlirten dieSchwyzer in dem von den Franzosen geplünder-ten E. n. letztere schlugen daselbst unter Massen»

14. Ang. 1799 die Österreicher unter Jcllachich.

Das Wallfahren brachte bisher dem Orte biszu 2 Will. Fcs. jährlich ein. Gegenwärtig sind etwa73 Priester (die?ntrss sxxositi mitgerechnet) dort-selbst, welche das geistliche Seminar n. das Colle-gium (etwa 200 Schüler) besorgen. Die Bibliothek,etwa 40,000 Bde., birgt viele Kostbarkeiten, unter ^denen viele Handschriften, z. B. der Notkerschen