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Bd. 7 (1876) Eckzähne - Ferdinand
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Ehstnische

zumeist die Händel zwischen Dänen, Polen, Schwe-den u. Russen einer- und dem Deutschen Ordenanderseits ausgekämpft. Diesen Kämpfen folgtendie Unruhen der Reformation und darauf einneuer Krieg gegen Rußland, in dem der DeutscheOrden so wenig zur Vertheidigung des Landesthat, daß die chstnischen Städte und der Adel sich1561 freiwillig unter die Krone Schweden bega-ben, bei welcher E., allerdings noch bis 1621 schwerheimgesucht durch die Kriege mit Rußland u. Po-len u. die damit in Verbindung stehenden Leiden,bis 1710 verblieb. Der schwedischen Herrschafthat E. eine Besserung der bäuerlichen Verhält-nisse, die Übertragung der Criminaljustiz vonden Herren an Gerichte, welchen aus dem Volkeselbstgewählte Rechtsfinder u. Gerichtsbeisitzer bei-gegeben wurden, und damit in Verbindung dieBesserung der Rechtspflege überhaupt, daun dieErrichtung eines Gymnasiums u. der Universitätzu Dorpat 1630, an der sogar Ehstnisch u. Lettischgelehrt wurde, die Abschätzung und Feststellungder Abgaben u. Leistungen der Bauern durch dieWakkenbücher 1688 rc. zu danken, — lauterEinrichtungen, die mit der Capitulation von Reval,u. der esthuischen Ritterschaft an Peter den Gr.,2S. Sept. 1710 u. mit der Vereinigung E-s mitdem russischen Reiche, infolge des Nystädter Frie-dens von 1721, wieder über den Haufen geworfenwurden. Die ehstnischen Bauern kamen wieder involle Leibeigenschaft, u. damit die Gerichtsbarkeitwieder au die Herren, u. blieben in diesen trauri-gen Verhältnissen bis auf die neuere Zeit, woendlich durch freiwilligen Beschluß die Ehstländischeu. Livländische Ritterschaft 1816 u. 1819 ihre Leib-eigenen freigab und die Gutsherren nach n. nachauch die Frohndienste rc. anfhoben. Unter KaiserNikolaus erfolgte die jetzige Eintheiluug des seit1783 eine eigene Statthalterschaft bildenden und, in 5 Districte eiugetheilten Landes in 4 Kreise.Vgl. Hupel, Topographische Nachrichten aus Liv-land u. E., Riga 1774 — 82, 3 Bde.; Petri, E.

^ u. Ehsten, Gotha 1802; derselbe, Neuestes Ge-mälde von Livland u. E. unter Katharina II. u.Alexander I., Leipz. 1809; Bieuenstamm, Geo-graphischer Abriß von E., Livland und Kurland,Riga 1826; Kohl, Die deutsch-russischen Ostsee-Provinzen, Dresden u. Leipz. 1841, 2 Bde.;i Possart, Statistik und Geographie des Gouverne-ments E., Stuttg. 1846; v. Koppen, Die Be-wohner E-s, Petersb. 1847; Rathlef, Skizze derorographischen und hydrographischen Verhältnissevon Livland, E. u. Kurland, Reval 1852; Born-haupt, Entwurf einer geographisch-statistisch-histo-rischen Beschreibung Livlauvs, E-s u. KurlandsRiga 1855; F. Müller, Beiträge zur Orographie

u. Hydrographie von E., Petersb. 1869 — 71, 2Bde.; Jul. Eckhardt, Die baltischen ProvinzenRußlands, Leipz. 1869, 2. Ausl.; P. Jordan,Beiträge zur Statistik der Gouvernements E.,herausgeg. im Aufträge des Ehstländischen Sta-tistischen Comitcs, Reval 1867—74, 3 Bde. Willi-gerod, Geschichte E-s, Lpz. 1817; Kruse, Urge-schichte des ehstnischen Volksstammes, Lpz. 1846;

v. Richter, Geschichte der deutschen Ostseeprovin-' zen, Riga 1857—58, 2 Bde.; Cröger, Geschichte

Lw- Ehst- und Kurlands, Petersb. 1867; Jul.

Sprache.

Eckhardt, Die balt. Provinzen Rußlands, 2. Aust.Lpz. 1869. (Geogr.) H. Berns. <Gcsch.> Lagai.

Ehstnische Sprache. Die Sprache der Ehstengehört zu der Finnischen Familie des großen Al-taischen Sprachstammes u. bildet mit den Sprachender Tschuden (im engeren Sinne), der Woten u.der wenigen Liven die Tschndische Gruppe dieserFamilien. Sie wird (nach Koppen) von 633,500Ehsten im eigentlichen Ehstland, auf der InselOsel u. der benachbarten Gruppe, in der ganzennördl. und größeren Hälfte von Livland (im dor-patischen n. peruanischen Kreise, an der ganzenKüste des Busens von Riga, sowie um den Pei-pussee), auf einem Areal von ungefähr 700 slMgesprochen. Man unterscheidet drei Dialekte,den Dorpatischen oder östl. (Peipussee), den Re-valschen od. nördl. (am Finnischen Meerbusen) u.den Pernauschen od. westl. (am Rigaischen Meer-busen. Der Dorpatische zeigt das alterlhümlichsteGepräge; der Revalsche ist der ausgebildetste, inwelchem auch meist geschrieben u. gedruckt wird.Als Schöpfer der ehstnischen Kirchen- u. Schrift-sprache wird der Geistliche Joh. Hornung betrach-tet (vgl. Ahrens, Joh. Hornung, der Schöpferunserer ehstnischen Kirchensprache, Reval 1845),als der Restaurator aber in neuerer Zeit Roseu-plänter. Obgleich viele germanische, in neuererZeit auch manche russische Wörter iu das Ehstnischeeiugedrungeu sind, so bleibt sie doch eine der rein-sten Finnischen Sprachen. Die Aus spräche desEhstnischen hat für den Fremden ob gewisser feinabgeschatteter Laute ihre Schwierigkeiten; sonst istdas Lautsystem übereinstimmend mit dem derSuomi-Sprache Finnlands. Im Allgemeinen un-terscheidet das Ehstnische mehr lautliche Kürze n.Gedrungenheit, daher es sich zu dem Suomi(Finnischen) ungefähr so verhält wie das Polnischezum Russischen, obschon solche Vergleiche zwischenwesentlich verschiedenen Sprachstämmen nothweu-dig hinkend sind. Ihre größere Gedrungenheitmacht die E. S. zu Nachbildung antiker Versmaßegeschickter als die finnische Schwester, mit der sieübrigens die meisten grammatischen Eigenthüm-lichkeiten theilt. Vgl. Hupel, Grammatik undWörterbuch, Riga 1780, 2. A., Mitau 1818;Fählmann, Über die Declination der E. S.,Dorp.1844; Nens, Revals sämmtliche Namen, Reval1849; Ahrens, Grammatik der E. S. RevalschenDialekts, ebd. 1853; Derselbe, Sprachfehler, derEhstnischen Bibel, ebd. 1853: Wiedemann, Überdie neueste Behandlung der Ehstnischen Gramma-tik im 2. Bb. der Llöl-rvAss Russss, Petersburg1855. Ein mit Recht berühmtes neuestes Wör-terbuch seiner Muttersprache dankt man demselbenForscher.

Die E. S. entbehrt bis in die Zeit des Drei-ßigjährigen Krieges aller schriftlichen Documente,wenigstens sind die einzelnen Schriften, welchebis dahin gedruckt worden, nicht mehr vorhanden.Nachdem durch den Frieden zu Stolbowa 1617die russischen Kriege anfgehört u. im Frieden zuAltmark 1629 die polnische Herrschaft in Livlandein Ende genommen hatte u. Schulen, sowie Kirchenwieder in Thätigkeit traten, traten auch mehrereMänner auf, welche sich der Cultnr der Ehstenannahmen. Heinr. Stahl brach um 1630 die