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Ehstland.
durch einen großen Theil breiten sich ausgedehnteSümpfe ans, die meist auch mit Bäumen undBuschwerk besetzt sind. Die Küste, die über 820Lm lang u. vielfach tief eingeschnitten ist, springtmit mehreren theils hohen u. steilen, theils flachenHalbinseln weit ins Meer vor, n. vor derselbenliegt eine Reihe von meist kleinen, niedrigenKüsteninseln. Vorgebirge: C. Perespe, C.Jammida, C. Snrrop, C. Spint. Baien: KundaB., Papon B., Kollo B., Rewel B., Nef B.,Matsel Wieck. Inseln: Wrangel, Wulff, Nargön,Baltischport, O.-- n. W-Ragö, Odensholm. Ansdem Landrücken haben zahlreiche Flüsse u. Bächeihre Quellen. Sie fließen entweder trägen Laufeszwischen Sumpfufern, od. in flachen Betten überKalksteinplatten, hier mitunter Wasserfälle bildend;einige verschwinden auch ans eine längere Streckein den Kalkselsen, nin später wieder znm Vorscheinzu kommen. Mehrere haben auch ein tiefer ein-geschnittenes Bett, dessen Ufer durch schöne, steile,belaubte Felswände gebildet wird. Alle treibenWassermühlen, dem Verkehr aber dienen sie nurin geringem Maße; denn außer dem GrenzflüsseNarowa, die von ihrem Ausfluß aus dem Pei-pnssee an bis zu ihren: Wasscrsall bei Narwaschiffbar ist, ist kaum einer der übrigen Flüsse mitgrößeren Schiffen befahrbar. Nach N. in denFinnischenMeerbnsen fließen: Narowa, Puhhajöggi,Purz, Kunda, Selgs, Loop, Jaggowal, Brigitten,Fähna, Kegel- od. Fallbach, Malhics u. Wichter-pol. Nach W. in die Ost ee fließt der Kassarten.Zahlreiche, meist kleine Landseen (gegen 280) sindüber das ganze Land vertheilt; viele liegen inder Mitte großer Sümpfe. Allenthalben findetman erratische Blöcke, hin und wieder Mineral-quellen. Der Boden ist wenig-ergiebig; die denaus filmischem Sand - u. Kalksteinschichten besteh-enden Untergrund bedeckende Dammerde ist meistnur von geringer Mächtigkeit, an manchen Stellensogar nur einige Zoll hoch, weshalb auch derAckerbau mit großen Schwierigkeiten zu kämpfenhat. Das Klima ist im Innern sehr veränder-lich, im Sommer drückend heiß, im Winter sehrkalt; an den Küsten und auf den Inseln milder.Die mittlere Jahrestemperatur für Reval beträgt-l-3,z"R., die mittlere Temperatur des Sommers-s- 12,5 u. die des Winters —4,g"R. Regen- u.Schneetage hat derselbe Ort jährlich gegen 130.In den Waldungen sind die Nadelhölzer vorherr-schend, doch schien auch die Laubhölzer (Birken,Erlen, Weiden rc.) nicht. Von wilden Thierenfinden sich Bären, Wölfe, Luchse, Dachse, Füchse,Hasen u. (aber nur selten) Elennthiere. Ackerbaun. Viehzucht bilden die Hauptbeschäftigung derBewohner; um die Förderung derselben hat sichdie seit 183S bestehende Ehstländisch-ökonomischeGesellschaft große Verdienste erworben. Prodncte:Roggen, Weizen (wenig), Gerste, Hafer, Buch-weizen, Kartoffeln, Hans, Flachs, Gemüse, nurwenig Obst; Pferde, Rindvieh, Schafe, Ziegen,Schweine. An der Küste wird Fischfang u. See-hundsjagd getrieben. Ihren Bedarf an Leinwandu. wollenen Zeugen weben sich die Bauern selbst.Es gibt im Gouv. sehr viele Mühlen u. zahlreicheBranntweinbrennereien. An größeren industriellenEtablissements besitzt es eine Baumwoll- und eine
Tuchfabrik, eine Cement- u. eine Papierfabrik, 3Maschinenfabriken n. Eisengießereien, ca. 50 Sa-gemühlen. Der Gesammtwerth der industriellenProducts beträgt etwa 16 Will. Rubel jährlich.Der Handel, welcher früher fast nur auf die Kü-stenplätze beschränkt war, hat sich, seitdem dasGonv. eine Eisenbahn (Baltische Eisenbahn) besitzt,sehr gehoben. Die hauptsächlichsten Einfuhrartikelsind: rohe Baumwolle, Wolle, Manufacturwaaren,Maschinen u. Maschinentheile, Heringe, Südfrüchterc.; die wichtigsten Ausfuhrartikel: Spiritus, Ge-treide u. Flachs. Die Bevölkerung besteht ausEhstländern n. Ehsten. Zu jenen gehören die ausDeutschen, Schweden u. Russen gemischte städtischeBevölkerung u. der Adel; sie sprechen meist einenbesonderen deutschen Dialekt. Die Ehsten, welcheznm Finnischen Volksstamme gehören, bilden dieeigentliche Bevölkerung des platten Landes nndreden ihre eigene Sprache (s. Ehstnische Sprache).Die Deutsche Sprache ist allgemein die Umgangs-sprache der Gebildeten n. die Sprache des höherenUnterrichts; in ihr sind auch alle alten Gesetzeabgefaßt. In neuerer Zeit gewinnt indeß auchdie Russische Sprache immer mehr an Boden.Die Ehsten sind weich von Gemnth, indolent,friedlich, halten fest an ihren alten Sitten u. Ge-bräuchen, haben goldgelbes Haar, tragen meistschwarze Kleidung, auf dem Kopse die Männer !Pelzmützen, die Weiber weiße leinene Tücher; ihre ^Häuser sind klein n. von Holz. Die Religion fastaller Bewohner ist die lutherische; sämmtliche luth.Kirchen stehen unter dem Confistorium in Reval.In neuester Zeit hat jedoch auch die russische Kircheviele Anhänger gewonnen. E. hat mit Livlandn. Kurland einen gemeinschaftlichen Landtag, dessenMitglieder nur Grundbesitzer sind u. der alle SJahre zu Riga Zusammentritt. Das Wappenbesteht aus 3 liegenden hellblauen Löwen in gol-denem Felde. Eintheilung in die 4 Kreise: Har-rien, Jerwen, die Wiek u. Warland. Hauptstadtist Rewel (Reval).
Geschichte. Nach angelsächsischen u. normänni-schen Historikern breitete sich im 9. Jahrh. das .Land der Ehsten, eines finnischen Volksstammes,vom Finnischen Meerbusen bis zur Weichsel ansn. Adam von Bremen bezeichnet damit das ganzeLand zwischen Düna u. Newa. König Knut VI.von Dänemark (1182 — 1202) begann, nachdemseit 1158 bremische Kanfleute, dorthin verschlagen,sich unter ihnen ansässig gemacht, u. auch, aller-dings ohne großen Erfolg, das Ehristenthum unterihnen gepredigt worden war, die Unterwerfung desLandes, 1217 eroberten die Schwertbrüder dieHälfte von Ehstland und damit gewann auch dasChristenthum dort festeren Boden nnd stand dieGründung des Bisthnms Reval damit in Ver-bindung. Da Dänemark indeß wegen dieses Besitzesmit den Schwertbrüdern fort und fort in Streitgerieth, verkaufte Waldemar III. 1347 E. andiese n. wurde dasselbe nun durch die Verbindungdieser mit dem Deutschen Orden in die Schicksaledieses Ordens verflochten. Der Orden führte dortdie Leibeigenschaft ein, um auf diese Weise diewiderspenstigen Ehsten in Unterwürfigkeit zu hal-ten n. stellte das Land mit Livland vereint untereinen Heermeister. Auf ehstnischem Boden wurden