51
Ehrenwache
schon anwesenden Gesellen erhält. 3) Das mistPfeffer u. dergl. gemengte Bier, welches ehedembei Vermeidung einer Geldbuße der eingewan-derte Geselle, oder der Lehrling, welcher Gesellewerden wollte, anstrinken mußte. Beides jetztaufgehoben.
Ehrenwache, militärische Wache, die vor denQuartieren, oder beim Empfang fürstlicher oderhochstehender Militärpersonen ansgestellt wird;oft stellt eine solche Wache besondere Ehrenpostenans; letztere können aber auch von einer gewöhn-lichen Wache gegeben werden. z-
Ehrenwaffen, Waffen (meist Degen od. Säbel),welche Offizieren für besondere Auszeichnung ver-liehen werden.
Ehrenwcin, ein Geschenk an Wein, Jemandenzur Bezeigung seiner Achtung (z. B. bei Hochzeit,Dienstantritt), od. Ehrerbietung dargebracht; ehe-mals in Reichsstädten bei der Durchreise fiirstl.Personen üblich. Jetzt wird bisweilen der Weinso genannt, welchen eine Stadt den in ihrenMauern sich versammelnden Gesellschaften oderhervorragenden Besuchern von Festlichkeiten rc.darbietet.
Ehrenwort, ein Versprechen, mit unterpfänd-licher Einsetzung seiner Ehre gegeben, welches vonjedem Ehrenmanne einem Eide gleich geachtet wird.Juristisch bindet es nicht mehr, als ein gewöhn-liches Versprechen.
Ehrenzeichen, I) Zeichen, welches dem Besi-tzer desselben Ehre und Ansehen ertheilt, z. B.Orden, Titel, Wappen. 2) Eine niedere Klassevon Orden siir solche Personen, welche sich wegenihres Standes nicht zur Verleihung eines wirk-lichen Ordens eignen, aber doch öffentliche Aus-zeichnung verdienen. Dieselben bestehen thcils inMedaillen, theils in Kreuzen, als unterste Klasseeines Ordens od. als selbständige Auszeichnung,u. hat deren fast jeder Staat sowol für Militär-als auch für Civilverdienst.
Ehrfurcht, höchster Grad der Ehrerbietunggegenüber einer geistigen Macht wie einer Person,des Kindes gegen die Eltern, des Staatsbürgersgegen den Staat n. dessen Oberhaupt, des Gläu-bigen gegen die Kirche rc.
Ehrgefühl, das ins Bewußtsein übergegangeneGefühl dessen, was die eigene Ehre verlangt, alsihr schuldig.
Ehrgeiz, das heftige Verlangen nach Aner-kennung des eigenen Werthes von Seiten derAußenwelt, das aber nur zu leicht in Ehrsucht über-schlägt, bei welcher zur Erreichung der Anerkenn-ung des eigenen Werthes selbst unehrenhafte Mittelnicht verschmäht werden. Es ist jedoch zu unter-scheiden zwischen einem persönlichen E. n. einemauf einen Gegenstand, eine Sache, einen Zweckgerichteten.
Ehrhardt, Carl Ludwig, Historienmaler n.Professor an der Dresdener Akademie, geb. 1813in Berlin; ans der Akademie zu Düsseldorf gebil-det, hat er eine gewisse Vorliebe für romantischeStoffe und weiß besser das Anmnthige als dasGroßartige zu gestalten, wobei er durch glücklicheAnordnung, correcte Zeichnung u. frisches kräftigesKolorit unterstützt wird. Werke: Die zum Opfer-tode bereite Tochter Jephtas; Christus, Maria
— Ehstland.
;ir. Martha; Rinaldo u. Armida; der Tod desSängers Rndello; Carl V. in St. Inst rc. Auchlieferte E. Illustrationen zu verschiedenen Büchern,sowie treffliche Porträts, darunter das von Ludw.Richter n. viele Cartons für Glasgemälde in engl.Kirchen. Regnet.
Ehrhart, Friedrich, schweizerischer Botaniker,geb. 4. Nov. 1742 zu Holderbank (Kanton Bern);erregte schon früh durch seine Kenntnisse die Auf-merksamkeit Hallers; 1765 ging er nach Nürnberg,um sich in der Pharmacie anszubilden, dann nachErlangen, Hannover, Stockholm, Upsala, wo er1774—76 namentlich Botanik bei Linne stndirte.Dann lebte er bis 1780 in Hannover botanischenArbeiten, sammelte 1780—83 die hannoverschenPflanzen u. wurde dann Director des Gartens zuHerrenhansen. Er st. daselbst 1795. Bei schlechterBezahlung fehlten ihm die Mittel zur Herausgabeseiner Illora. Haimovsruna. Von getrocknetenPflanzen, von welchen die ersten Dekaden vor1780 erschienen, folgten später noch: Die skta-ntaoer/i>toKamioas mit 34 Dekaden; Oalamarias. 6ra-mina vt IHpstatoicksaiZ mit 14 Del.; officinellePflanzen, 46 Dek.; Kräuter, 16 Del.; Bäume,16 Dek. Dann seine Beiträge, Hann. 1787—92,7 Bde. r.
Ehrlosigkeit, 1) Mangel an Ehrgefühl; 2) derZustand, in welchem man durch sein Betragen od.dessen Folgen (bes. durch entehrende Strafen) derbürgerlichen Ehre u. Achtung beraubt worden ist(vgl. Infamie). Ehrlose Personen sind nachden allgemeinen Rechten z. B. Soldaten, welcheden als solche geleisteten Eid brechen, mnthwilligeBankerottirer, alle, welche unter Henkershändengewesen sind, Kuppler und öffentliche Dirnen.Distinguirte Personen können durch Strafen ehr-los gemacht werden (vgl. Ehrenstrafc). Die E.wird durch Ehrhaftmachnng (Ehrlichmachung,Uestitutio t'amas) wieder hergestellt. Diese kanneintreten bei der wirklichen E. (Infamie), u. beider Anrüchigkeit (s. n. Ehre). Das Recht, sie zuertheilen, gehört zu den Hoheitsrechten, und siekann daher nur vom Landesherrn erfolgen. S.übrigens den Art. Ehre.
Ehstland (Esthland, Estland; ehstnisch Wiroma,d. i. Grenzland, auch Eesti Maa od. Meie Maa,d. h. unser Land), Gonv. im Europäischen Ruß-land, die nördlichste der rnss. Ostseeprovinzen, grenztgegen N. an den Finnischen Meerbusen, gegen O.an das Gonv. St. Petersburg, gegen S. au denPeipus-See u. an Livland n. gegen W. an dieOstsee; 19,711 slstcm (357,^ s^M); 322,668Ew. (ans 1 Hstcm 16, im Enrop. Rußland ohnePolen 13). Die Oberfläche des Gonv. ist einvon W. nach O. sich hinzichender flacher, etwasgewellter Landrücken von 65 bis 130 m Seehöhe,der nach O. zur Narowa wieder niedriger wird.Nach S. gegen Livland senkt er sich allmählich u.sanft, nach stk. fällt er in mehreren Terrassen zumFinnischen Meerbusen ab. Höchste ErhebungenEbbafer Mäggi 148 in n. Emmo Maggi 168 m.Der Küstenabsall nach stk. ist häufig schroff undsteil. Nach W. senkt sich dis Küste allmählich ge-gen das Meer, indem sie an einzelnen Stellengroße Snmpfniedernngen bildet. Der größte Theil, der Oberfläche von E. ist mit Wald bedeckt;
4 «