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Über die Aufgabe der modernen Thiergeographie ; ein im geographischen Verein zu Frankfurt a/M. im October 1878 gehaltener Vortrag
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weiß, daß die Hautschuppen der Reptilien in sehr mannichfaltiger Weisegeziert sind durch allerlei Leisten, Rippen, Stacheln und ähnliche Vor-sprünge, die man bisher als Ornamente der Haut dieser Thiere aus-gefaßt hat. Eine physiologische Bedeutung derselben war bisher gänzlichunbekannt und man würde sie sicherlich dem entsprechend unter die mor-phologischen Charaktere eingereiht haben. Es hat sich nun aber durchdie Untersuchungen von Cartier herausgestellt, daß sie, wenn auch inihrer ausgebildeten Gestalt nur selten von irgend welcher Bedeutung,doch die Reste von Bildungen sind, welche die allerhöchste Bedeutung fürdas Leben der Thiere haben. Alle Reptilien müssen sich häuten, diemeisten thun dies dadurch, daß sie die alte, unbrauchbar gewordene Hautauf einmal abstreifen; andere, wie die Eidechsen schälen sie in verschiedengroßen Fetzen ab. Bei allen Sauriern, wie Schlangen nun, welche bis-her darauf untersucht worden sind, wird die Häutung eingeleitet durchdie Ausbildung einer mitten in den Schichten der Epidermis liegendenLage feiner elastischer Härchen oder Stacheln, welche von Cartier alsHäutungshaare bezeichnet wurden, da sie dazu dienen, die alte abzu-stoßende Haut zu lockern und so dem Thiere den, wie man weiß, sehrbeschwerlichen Prozeß der Häutung zu erleichtern und vorzubereiten.Haben diese Häutungshaare ihren Dienst gethan, so verschmelzen sie inden meisten Fällen zu jenen, die Schuppen zierenden Vorsprüngen, dievon da an ohne alle Bedeutung zu sein scheinen. In anderen Fällenbleiben sie als ein verschieden dichtes Haarkleid bestehen, wie z. B. beieiner im süßen Wasser der hinterindischen Inseln lebenden Schlange(Obsr^ckrus Arnuulstus), bei noch anderen wieder treten sie mit Tast-organen in Verbindung, wie z. B. derartige feine Tasthaare bei allenEidechsen gut entwickelt an den Lippenschildern anzutreffen sind. Bei denGeckotiden bilden sie endlich außerordentlich stark entwickelte Bürsten ander Unterseite der breiten Zehen; der mechanischen Wirksamkeit dieserLetzteren verdanken jene Eidechsen ihre bekannte Fähigkeit, an senkrechtenglatten Wänden empor- oder an den Decken der Zimmer mit größterGeschwindigkeit entlang zu laufen. Die letzterwähnten Bildungen habensomit, wie man sieht, einen ganz ausgesprochenen Nutzen für das Thier;aber diese sowohl, wie die physiologisch ganz unwichtigen Sculpturen aufden Schuppen der Schlangen und Eidechsen entstehen durch Umbildungder bei allen in gleicher Weise austretenden Häutungshaare, welche alseminent wichtige Organe im Leben dieser Thiere aufzufassen sind. Manweiß, daß viele Schlangen während der oft Tage lang Lauernden Hau-buig zu Grunde gehen; die Ursachen davon sind unbekannt. Aber esdarf als Vermuthung ausgesprochen werden, daß eine nicht genügendeAusbildung jener Häutungshaare und in Folge davon eine nicht zu-

(SSl)