wie er auch die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen unter all-gemeinen Gesichtspunkten zu ordnen verstand. Die damaligeso unvollständige Kenntniß vom feineren Baue des Menschen-körpers und vor Allem die mangelhafte Einsicht in die Bezie-hungen der Krankheiten zu den anatomischen Veränderungenmachten die Anwendung der theoretischen Begriffe auf dem Ge-biet der Erfahrung unmöglich.
Die Aetiologie oder die Kenntniß der Ursachen der Krank-heiten, welche immer eine wichtige Rolle in der Medicin gespielthatte, war für Linnaeus vom größten Interesse. Am meistenbemerkenswerth in dieser Hinsicht ist seine Theorie von „exan-tllsinntu viva," oder die Vorstellung, daß ansteckende Krank-heiten von „kleinen Thieren" und „lebendigen Ursachen" hervor-gerufen werden und auf jenen beruhen. Wenn wir heute be-denken, welche große Rolle mit Rücksicht auf ansteckende Krank-heiten, die Lehre von Pflanzen-Parasiten in der medicinischenForschung spielt, so sehen wir, wie Linnaeus schon ahnte, wasdamals noch nicht bewiesen werden konnte. Sehr merkwürdigist es, daß er zu seiner Zeit genaue Kenntniß von dem Krähe-thiere, ^oa-rrrs soubisi, besaß, dessen Sitz in der Haut istund die Ursache der Krätze bildet; gerade dieselbe Lehre, welchespäter und nach vielem Wechseln erst 1834 durch Renucci voll-ständig konstatirt wurde.
In unsren Tagen hören wir sowohl unter dem Volke wieunter den Aerzten so oft von Blutpfropfen, Itrrowboseu,sprechen und die Erfahrung späterer Zeiten hat dargethan, daßPersonen, welche daran leiden, nicht selten plötzlich gestorben sind,weil sie gegen den Rath des Arztes sich nicht ruhig verhaltenhatten. In dieser Hinsicht hat Linnaeus eine merkwürdigeAnsicht geäußert, nämlich daß faserige Ablagerungen in die Ge-