Druckschrift 
Karl von Linné : Gedächtnißrede bei der Feier in der Königlichen Akademie der Wissenschaften am 10. Januar 1878 in Stockholm gehalten von derem gegenwärtigen Präses
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

und sich nach der Akademie begeben sollte, bekam er vom Rektordes Gymnasiums Krok ein Zeugniß folgenden Inhalts:Wiedie Jugend in den Schulen mit kleinen Bäumen in einer Baum-schule verglichen werden kann, wo es zuweilen, obgleich selten,geschieht, daß junge Bäume trotz aller auf sie verwendeten Sorg-falt nicht gut arten, sondern in wilde Stämme ansarten, aberwenn sie schließlich umgesetzt und verpflanzt werden, verlassen sieihre wilde Art, werden schöne Bäume und geben angenehmesObst; so und in keiner andern Absicht wird jetzt dieser Jüng-ling zu der Akademie entlassen, wo er vielleicht in ein solchesKlima kommt, das sein Zunehmen im Wachsthum begünstigenwurde." Mit diesem wenig empfehlenden Zeugnisse reiste Lin-naeus nach Lund, wo er Unterstützung von einem Verwandten,Professor Humerus, zu gewinnen hoffte. Bei seiner Ankunftin Lund läuteten alle Glocken der Stadt. Linnaeus fragte,wessen Beerdigung es sei und erhielt zur Antwort, daß der Dom-probst Humerus bestattet werde. Dies war ein schwerer Schlagfür Linnaeus und seitdem konnte er nie Glockenläuten ertragen.Glücklicherweise traf er jetzt seinen früheren Informator, GabrielHök, und wurde, ohne sein unvortheilhaftes Abgangszeugnißvorzeigen zu brauchen, als dessen Discipel bei der Akademie ein-geschrieben, wo er bald durch seine botanischen Kenntnisse unddurch seine Eigenschaft als Medicin Studircnder von dem ge-lehrten Professor, später Arkiater, Kilian Stobaeus, in dessenHause er auch wohnte, beschützt wurde. Hier sah er zu seinergroßen Freude eine größere Sammlung von Steinen, Vögeln,Schnecken und gepreßten Pflanzen und erhielt Gelegenheit, sichselbst ein Herbarium zu sammeln und die gesammelten Pflanzenmit den Beschreibungen von Tournefort zu vergleichen. DwNächte durch studirte Linnaeus; und da Stobaeus von seiner

(eos)