35
gewechselt, denn während die Römer die braunrothen Stücke,die sie nach der Farbe ihres feurigen Weins Falerner nannten,für die werthvollsten hielten, werden heute die wenig durch-sichtigen weißgelben sogenannten knmstfarbigen (Kumst wirdin der Danziger Gegend der Weißkohl genannt) am höchstenbezahlt. Ueberhaupt ist der Werth des Bernsteins seit demAlterthume sehr heruntergegangen, und wenn er damals demGolde gleich gehalten wurde, so müssen es heute schon sehr-schöne Stücke sein, wenn sie den Werth des Silbers erreichensollen (15 Gramm 1 Thaler).
Freilich wird eine Art Bernstein auch heute noch so hochbezahlt wie das Gold und noch höher, das ist der auf derInsel Sicilien gefundene Bernstein. Derselbe zeichnet sich durchverschiedene Farbeneigenthümlichkeiten vor dem nordischen Bern-stein aus, indem sich unter seinen Stücken so leuchtend hyacinth-rothe finden, wie sonst nirgends, außerdem aber haben vieleStücke die merkwürdige Eigenschaft der Fluorescenz, d. h.sie zeigen bei auffallendem Tageslicht eine ganz andere Farbeals bei durchfallendem. So erscheinen röthliche Stücke bei auf-fallendem Tageslichte mit grünem und weingelbe mit bläulichemSchimmer. — Ist die Zahl der Orte auf Sicilien, wo sichdieser ausgezeichnete Bernstein findet, auch groß, so ist er dochüberall so selten, daß sich daraus sein hoher Preis hinlänglicherklärt; so findet er sich bei Mistretta, Nicolosia, Petra-lia, Castrogiovanni und ganz besonders bei Catania, beiletzterem Orte in den Anspülungen des Flusses Simeto. Auchbei den anderen genannten Orten findet er sich im Alluvium,offenbar aber auf secundärer Lagerstätte, indem er höchst wahr-scheinlich aus seiner ursprünglichen Lagerstätte, den auf Siciliensehr verbreiteten Kalken und Mergeln der Tertiärzeit heraus-gespült wurde.
Es scheint, daß die Alten den sicilianischen Bernstein nichtkannten, wenigstens erwähnt keiner ihrer Schriftsteller, daß auf
3 * (S7S