sehr durchdrungen, wie von der Unzulänglichkeit eines verein-zelten Vorgehens gegen einen Feind, der nicht mehr diesen oderjenen Staat, sondern die Menschheit und die Welt bedroht.Gerade die Entwickelung des modernen Handelsverkehrs hat dieseUeberzeugung zum Durchbruch gebracht. So entstand die neueAufgabe auf dem Boden der heutigen Gesittung: Die Aus-rottung der Cholera als eine gemeinsame Angelegenheit derKnlturstaaten mit gemeinsamen Mitteln zu betreiben. Indemdie West-Europäischen Staaten gemeinsam nach vorangegange-uem Einverstäudniß gleichzeitig handeln und entschlossenzur rechtzeitigen Verhängung einer Handelssperre gegen solcheStaaten schreiten, in deren Gebiet die Pest aufgetreten ist, sichernsie sich einen der Menschheit dienlichen Einfluß auf Regierungen,die aus Eigensinn, Unkenntniß, Bequemlichkeit oder Leichtsinnmit der Durchführung entscheidender Maßregeln zögern möchten.Die Möglichkeit, die vor hundert Jahren fehlte, ist heute ge-boten : Die Europäischen Staatsregierungen find befähigt, ihrengemeinsamen Einfluß an den außereuropäischen Ursprungs-stätteu der Cholera und Pest in nachdrücklicher Weise fühlbarzu machen und die allmählige Ausrottung jener Seuchen aazu-bahnen, indem man begreift, daß zu allermeist die Wander-seuchen an den ursprünglichen Stätten ihres regelmäßigen Ur-sprungs zu bekämpfen find.
Welches aber würde voraussichtlich das Verhalten der heu-tigen Gesellschaft sein, wenn es trotz aller Vorsichtsmaßregelnnicht gelänge, die Pest von den Gränzen der westlichen Euro-päischen Staaten fernzuhalten? Würden wir von Neuem durchSchreck gelähmt werden und dadurch den eindriugendeu Wider-sacher Vorschub leisten, wie es in früheren Jahrhunderten geschah?Würden sich Zucht und Sitte lösen, wie in den Zeiten des dreißig-jährigen Krieges? Würde die Masse der Furchtsamen durch