28
Ereignisse, die sich zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Mar-seille zugetragen hatten und zu beweisen schienen, was einerseitsdie Verabsäumung von Vorsichtsmaßregeln auf Seiten der Be-hörde verschulden, andererseits die Anwendung einer, wenn auchverspäteten, Sperre nützen kann.
Howard war also darauf bedacht, unter Anerkennung derNothwendigkeit, die Einschleppung der Pest von Staatswegenzu verhindern oder doch zu erschweren, seine Vorschläge den Be-dürfnissen seiner Zeit und den Verhältnissen seines Vaterlandesanzupassen.
Seine Vorschläge, die sich auf die Einrichtung eines Pest-lazareths an der englischen Südküste beziehen, haben heute untervöllig veränderten Umständen nur noch ein sehr untergeordnetesInteresse. Man thut Howard kein Unrecht, wenn man sie inder Hauptsache veraltet nennt. Niemand würde heute darandenken, den von ihm entworfenen Plan anzuempfehlen. Immer-hin aber verdienen manche von ihm gegebenen Winke doch be-achtet zu werden.
An Stelle der hergebrachten Zeitdauer der Quarantaineempfahl er deren Abkürzung gerade aus dem Gesichtspunkteder strengeren, thatkräftigeren Durchführung. Ebenso war vonihm nichts anderes zu erwarten, als daß er in den Anstaltender Absperrung die vollsten Bürgschaften der Gesundheitspflegedurchgeführt wissen wollte, um den Einzelnen vor demselbenSchicksal der Erkrankung zu bewahren, dem er selber mit ge-nauer Noth in Venedig entronnen war.
Howard selbst hat sicherlich gefühlt, daß, schriftstellerisch ge-nommen, seine Arbeit nicht vollständig war und einer Ergänzungbedurfte. Neben seinem unbezähmbaren Triebe, der Menschheitnützlich zu sein, mag er auch das Bedürfniß weiterer Aufklärungempfunden haben, als er sich zu seiner letzten großen, russischen
(ISt)