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für bestehende Zustände befangen gemacht wurden oder im idealenStreben nach reiner, wissenschaftlicher Erkenntniß die praktischenAufgaben und Bedürfnisse ihrer eignen Zeit mit gleichgültigenBlicken betrachten.
Sich mit der öffentlichen Krankenpflege und den Ursachender Seuchen zu beschäftigen, war Howard schon dadurch ver-anlaßt worden, daß er vorzugsweise in den englischen Gefäng-nissen einen Heerd jenes furchtbaren „Kerkerfiebers" gefundenhatte, das zeitweise die Gefangenen selber weniger gefährdete, alsDiejenigen, die vorübergehend mit ihnen in Berührung traten.Er hatte die Ursachen solcher Erscheinungen erklärt, die der Aber-glaube auf übernatürliche Wunder zurückführte und es durch seineBeobachtungen außer Zweifel gesetzt, daß die schwarzen Assisenvon Oxford im Jahre l577, bei welchen von den betheiligtenRichtern und Zuschauern plötzlich 300 Personen durch ein töd-liches Fieber dahingerafft wurden, während die abzuurtheilendenVerbrecher verschont geblieben waren, als ein in Gestalt des Kerker-fiebers vollzogener Racheact der Gefäugnißverwahrlosung anzu-sehen waren. Es ist natürlich, daß Howard's Bekanntschaftmit den Ursachen und Erscheinungen des Kerkerfiebers, von demer merkwürdiger Weise trotz seines jahrelang fortgesetzten Verkehrsmit Gefangenen verschont blieb, seine Theilnahme auch für andereSeuchen, insbesondere die Pest, erweckte.
Noch eine anderweitige Beziehung bestand damals zwischenStrafanstalten und Pesthäusern. Wie man sagen konnte, daßein sehr großer Theil der englischen Untersuchungsgefangenenum die Mitte des vorigen Jahrhunderts nach unseren heutigenBegriffen in eine Krankenanstalt gehören würden, so läßt sich auchbehaupten, daß damals in der Mehrzahl der europäischen StaatenPestkranke oder der Pest verdächtige Personen, gleich schweren Ver-brechern, eingekerkert wurden. Der Bestrafung durch ein grau-c"°)