XXIII
Die alphabetischen Enzyklopädien.
d) Das Conversations -Lexikon.
Als Vorläufer des Conversations -Lexikon sind mehre kleinere encyklo-pädisclie Werke zu betrachten, welche nicht wie die soeben namhaft gemachtenumfangreichen Encyklopädien und Realwörterbücher ein gelehrtes oderwenigstens höhergebildetes Publikum im Auge hatten, sondern zur Verbreitungsogenannter „gemeinnütziger“ Kenntnisse für „Ungelehrte“ und, wie öfterausdrücklich hinzugesetzt wird, „für gebildete Frauenzimmer“ bestimmt waren.Am bekanntesten unter diesen Werken dürfte das „Real-, Staats-, Zeitungs-und Conversations -Lexikon“ sein, welches zum ersten male in einem massigenOctavbande 1704 zu Leipzig im Verlage von J. F. Gleditsch erschien undgewöhnlich nach J. Hühner, dem berühmten Schulmann (gest. 31. März 1731als Rector des Johanneums zu Hamburg), der auf Veranlassung des Verlegers dieVorrede dazu schrieb, das Hübner’sche benannt wird.*) Der eigentliche Verfasserist unbekannt. Auf die Empfehlung Hübner’s hin hatte das zeitgemässe Bucheinen solchen Erfolg, dass es bis 1712 bereits fünf Auflagen erlebt hatteund der Verleger veranlasst wurde, als Seitenstück ein „Curieuses Natur-,Kunst-, Gewerk- und Handelslexikon“ bearbeiten zu lassen, das er ebenfallsmit einer Vorrede Hübner’s (Leipzig 1712, 8.) der Oeffentlichkeit übergab.Dasselbe wurde von dem durch zahlreiche kameralistische Schriften rühmlichstbekannten Paul Jakob Marperger (geh. 27. Juni 1656 zu Nürnberg,gest. 27. Oct. 1730 zu Dresden als kursächsischer und polnischer Hof- undCommerzienrath) ausgearbeitet. Beide Bücher erlangten eine ungemeine Ver-breitung und erhielten sich das ganze Jahrhundert hindurch in Ansehen. Das„Curieuse Natur-, Kunst-, Gewerk- und Handelslexikon“ wurde von G. II.Zinken verbessert und erschien noch 1792 zu Leipzig in einer neuen Be-arbeitung; bald darauf wurde es verdrängt durch „Neues Natur- und Kunst-lexikon, enthaltend die wichtigsten und gemeinnützigsten Gegenstände aus derNaturgeschichte, Naturlehre, Chemie und Technologie. Zum bequemen Ge-brauch insonderheit auch für Ungelehrte und für gebildete Frauenzimmer aus-gearbeitet von G. H. E. Lippold und herausgegeben von C. Pli. Funke“(3 Bde., Weimar 1801-—4, 8.). Das Hübner’sche „Zeitungs- und Conver-sati ons-Lexikon“ erschien zuletzt in einer einunddreissigsten Auflage, „demjetzigen Stande der Cultur angemessen und mit vorzüglicher Rücksicht aufdie nächste Vergangenheit und Gegenwart, besonders Deutschlands, erweitert,umgearbeitet und verbessert von F. A. Rüder“ (4 Tide., Leipzig 1824—28,8., mit 150 Bildnissen).
Neben den Ilübner’schen Werken sind noch einige lexikalische Arbeitenanderer Natur zu erwähnen, welche in den letzten Jahrzehnten des vorigenJahrhunderts erschienen und auch noch in den ersten Jahren des 19. sehrverbreitet waren. Dahin gehört vor allem J. F. Roth’s „GemeinnützigesLexikon für Leser aller Klassen; ein Hand- und Hülfsbuch für diejenigen,welche sich über alles das, was ihnen beim Lesen oder hei der mündlichenUnterhaltung nicht ganz verständlich scheint, sowol allgemeines Wissen alsFremdwörter, Kunstausdrücke u. s. w., näher unterrichten wollen“ u. s. w.(Nürnberg 1788, 8.; 3. Aufl., 1806; 4. vermehrte und verbesserte Auflage,2 Bde., Halle 1833, 8.). Hierzu kamen E. F. C. Oertel’s „GemeinnützigesWörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der im gemeinen Leben vor-kommenden fremden Ausdrücke, nach dem Plane des beliebten Roth’selienLexikons bearbeitet“ (2 Bde., Ansbach 1804, 8.) und F. A. Hänsch’s „Ge-
*) S. Schröder, „Lexikon der hamburger Schriftsteller bis zur Gegenwart“(Hamburg 1857, 8.), III, 419.