XIX
Dic alphabetischen Eneyklopädien.
auch in Frankreich, England und Deutschland umfangreiche encyklopüdischeFnternehmungen begonnen wurden, die in wahrhaft wissenschaftlichem Geisteangelegt und bearbeitet waren.
Die erste Veranlassung zu dem Werke bot der pariser Buchhändler LeBreton, welcher das obenerwähnte englische Werk von Chambers in einerfranzösischen Bearbeitung herausgeben wollte und deshalb ein königlichesPrivilegium vom 21. Januar 1746 kaufte. Er wandte sich für die Ausführungan einen Deutschen, Namens Sellins, und an einen Engländer, Mills. Nachdembeide die Arbeit schon begonnen hatten, zerschlugen sich die VerhandlungenLe Breton’s mit ihnen wieder. Letzterer übertrug nun die Ausführung einemAbbé Gua; es zeigte sich jedoch bald, dass derselbe dem Unternehmen nichtgewachsen war. In dieser Verlegenheit wandte sich Le Breton an Diderot,der auf seine' Vorschläge einging und sich mit d’Alembert einigte. Diesebeiden Männer waren es, welche von ganz andern hohem Gesichtspunktenaus das Werk zu einem national-französischen umschufen. Neben Diderotund d’Alembert machte sich zunächst der Bitter Louis Jaucourt um dasUnternehmen hoch verdient. Unter den übrigen Mitarbeitern, die manunter dem Namen der „Encyklopädisten“ zusammenzufassen pflegt, befandensich Kousseau, der sich jedoch bald zurückzog, ferner Grimm, Dumarsais,Voltaire, der Baron von Holbach u. s. w. Im November 1750 war man soweit, dass man den Prospect der „Encyclopédie“ erscheinen lassen konnte,welcher von Diderot verfasst war.
Das Werk erschien zuerst in Paris 1751 — 72 in 28 Foliobänden, wovon11 die Kupfer umfassen, ein Supplement (mit dem Druckort Amsterdam)folgte 1776 — 77 in 5 und eine „Table analytique et raisonnée des matières“(von Monchon) 1780 in 2 Bänden in Folio. In spätem Ausgaben (39 vols.,Genf 1779, 4., wovon 3 vols. Kupfer, und 33 vols., Lausanne 1778, 8., und3 vols. Kupfer in 4.) sind die Supplemente gehörigen Orts eingereiht. Dieyverduner Ausgabe (1778—80, 58 vols., 4., wovon 10 vols. Kupfer) hat vieleUmarbeitungen und Zusätze von de Felice und andern erhalten und war des-halb längere Zeit sehr geschätzt. Nachdrucke des Werks erschienen auch zuLucca (28 vols., 1758—71, Fol., mit Noten von Ottavio Diodati) und zuLivorno (33 vols., 1770, Fol.). Die geographischen Artikel waren eingeführtworden, die Biographie blieb hingegen streng ausgeschlossen. Nur dasSupplement bringt einige biographische Artikel. Vgl. Ilosenkranz, „Diderot’sLeben und Werke“ (2 Bde., Leipzig 1866, 8.), I, 106 fg.
Auf das Werk Diderot’s unmittelbar begründet war die „Encyclopédieméthodique par ordre des matières“, ein grossartiges Unternehmen, welcheszu seiner Durchführung 50 Jahre (1782—1832) erforderte. Dasselbe wurdevom Buchhändler C. J. Panckoucke in Paris, der 1781 den „Plan d’uneEncyclopédie méthodique“ vorausschickte, begonnen und fortgeführt, bis 1792der Buchhändler Agasse für ihn eintrat. Das Ganze zerfällt in 48 Special-wörterbücher über einzelne Wissenschaften und Gegenstände (darunter auchsolche für „Géographie“ und für „Histoire“), welche zusammen 166 Quart-hände Text und 51 Bände Kupfer (6439 Tafeln) bilden. Die einzelnen Ab-theilungen sind sehr verschieden an Werth. Eine spanische Uebersetzung(Bd. 1'—11, Madrid 1782—1806) blieb Bruchstück. Hierher lässt sich auchrechnen: „Dictionnaire universel des sciences morale, économique, poli-
tique“, das von Robinet, Castilhon, Sacy, Pommereul und andern her-ausgegeben wurde und zu Paris (angeblich London) 1777—83 in 30 Quart-bänden erschien.
Einen sehr günstigen Boden fänden die encyklopädischen Bestrebungenin England, der Heimat von Chambers’ „Cyclopaedia“. Nach dem Erscheinen der
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