XVIII
Dic alphabetischen Encyklopüdieii.
fassen, doch waren bis zu seinem Tode nur 7, die Buchstaben A —C umfassend,seit 1701 zu Venedig erschienen. Das Werk blieb unvollendet und gerieth baldin Vergessenheit. Das zweite Werk, noch weit umfangreicher als dasCoronelli’s angelegt und überhaupt die grossartigste Compilation dieser Art,welche bis dabin erschienen war, ist das „Grosse vollständige Universal-Lexikonaller Wissenschaften und Künste“, welches 1732—50 im Verlage von Zedierin Halle und Leipzig in 64 Folianten vollständig erschien. Zu dieser Zahlkamen noch 4 andere Bände (1751 — 54), in welchen die Supplemente biszum Buchstaben C geführt wurden. Das grosse Unternehmen wurde vonneun Gelehrten zu gleicher Zeit geleitet (wie von J. A. von Frankenstein,P. D. Longolrus u. a.), doch wird es nach keinem derselben, sondern nachdem Verleger gewöhnlich das „Zedler’schc Lexikon“ genannt. Die Vorredeüber die Einrichtung des Werks, welches 136 Tlilr. kostete, verfasste J. P.von Ludewig. Wie auf dem unendlich laugen Titel ausdrücklich bemerktwird, sollte das Werk nicht blos die geographische und politische Beschrei-bung der Welt und aller Länder, Städte, Häfen und die Biographien derKaiser, Könige, Gelehrten u. s. w. bringen, sondern auch die Mythologie,Antiquitäten, Numismatik, Philosophie, Mathematik, Theologie, Jurisprudenzund Medicin in das Bereich der Darstellung ziehen. Zedler’s Lexikon istnoch jetzt besonders für die Fächer der Genealogie und Biographie eine vielbenutzte Fundgrube.
Näher an den Plan Moréri’s und Bayle’s schloss sich das „Allgemeinehistorische Lexikon“ an, welches von T. Fritsch, J. F. Buddeus, F. L.Bresler von Aschenburg, J. A. Ulile und B. G. Struve bearbeitet wurde(4 Bde., Leipzig 1709, Fol). Eine neue von A. F. Glafey, J. J. Schmauss,.1. M. Gesner und M. C. Ilanov vermehrte Ausgabe erschien zu Leipzig(4 Bde., Leipzig 1722, Fol.; Nachdruck: 4 Ilde., Basel 1729, Fol.), eineandere mit einem Supplementhand von J. C. Beck ebendaselbst 1730 fg.(5 Bde., Fol.).
Moréri und Bayle waren die ersten Encyklopädisten, welche den Bio-graphien namhafter Persönlichkeiten eine Stelle in ihren Werken einräumten,und sind dadurch, ohne es beabsichtigt zu haben, auch der Ausgangspunktfür die Gattung der biographischen Wörterbücher geworden. MehreWerke dieser Art erschienen bereits in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr-hunderts; das erste Werk jedoch, was unter dem Titel „BiographischesWörterbuch“ vor die Oeffentlichkcit trat, ist das von dem englischen Buch-händler Osborne 1761 begonnene „New and general biographical dictionary“.
c) Die französische Encyklopädie und ihr Gefolge.
Epochemachend in der Geschichte der encyklopädischen Literatur wurdeein in Frankreich erscheinendes Werk, die „Encyclopédie, ou Diction-naire raisonné des Sciences, des arts et métiers“, ein Werk,welches das gesammte wissenschaftliche Material im Geiste der Zeit zuerfassen und dabei die philosophische Weltanschauung des 18. Jahrhundertszur Geltung zu bringen bestrebt war, während alle bisher erschienenenencyklopädischen Werke, wenn sie sich in Bezug auf ihren Inhalt auchschon einer wirklichen Encyklopädie nähern, doch das Gesannntgebiet desmenschlichen Wissens und Könnens nicht zu erschöpfen suchten und überhauptmehr oder minder den Charakter von Compilationen an sich tragen. Diese„Encyclopédie“, welche überall mit Begeisterung aufgenommen wurde, gabnicht nur die Veranlassung, dass von nun an der Name „Encyklopädie“ fürähnliche Wörterbücher nicht nur allgemein in Anwendung kam, sondern dass