Di» alphabetischen Encyklopiidieii.
XV
hatten die Gegner Furetière’s den Beschluss gefasst, ebenfalls ein „Dictionnairedes arts et des sciences“ zu veranstalten und dasselbe dem „Dictionnaire del’Académie“ als Supplement beizugeben. Die Zusammenstellung desselben be-sorgte der dramatische Dichter und Akademiker Thomas Corneille, der Bruderdes grossen Dramatikers. Es erschien zuerst zu Paris 1694 in zwei Folio-bänden und wurde 1720 neu aufgelegt. Die dritte Auflage (1732) wurde vonFontenelle revidirt und durch viele Artikel aus der Mathematik und Fhysikvermehrt. Das Werk Corneille’s gerieth bald in Vergessenheit, ebenso wiesein „Dictionnaire universel géographique et historique“ (3 vols., Paris 1708,Fol), das, obgleich ungenau und oberflächlich, doch für damalige Zeit dasbeste Werk seiner Art war. Das Wörterbuch lebte noch längere Zeit in dem„Dictionnaire de Trévoux“ (seit 1704) fort, so benannt nach der StadtTrévoux, welche damals nicht unter französischer Jurisdiction stand und inder viele Werke [gedruckt wurden, welche die Sanction der französischenRegierung nicht erhalten konnten. Die Werke Furetière’s wie Corneille’swaren ursprünglich nur im sprachlichen Interesse angelegt worden; sie wareneigentlich nur Wörterbücher, welche die Worte und deren Bedeutungen auf-führten, keine Rea-lencyklopädien, welche sich mit einer nähern Erörterungder bezeichneten Dinge und Begriffe befassten. Das Werk Furetière’s nahmjedoch in seinen spätem Ausgaben mehr und mehr den Charakter einer En-cyklopädie an und verlor erst nach dem Erscheinen der „Encyclopédie“Diderot’s sein Ansehen.
An die Wörterbücher Fnretière’s und mehr noch Corneille’s lehnte sichdas „Lexicon technicum“ von Harris, das zuerst 1704 in einem Folio-bande zu London herauskam. Es ist die erste alphabetische Realencyklopädie,die in England erschien. Harris fasst in der Vorrede den Unterschied zwischenseinem Unternehmen und den Wörterbüchern seiner französischen Vorgängerschon richtig auf. Er sagt darin unter anderm: „That which 1 have aimedat is to make it a dictionary not only of hare words but things, andthat the reader may not only find here an explication of the technicalwords or the terms of art made use of in all the liberal sciences andsuch as border nearly upon them, but also those arts themselves and especiallysuch and such parts of them as are most useful and advantagious tomankind.“ Unter seinen Vorgängern nennt er noch den Cartesianer EtienneChauvin, den Verfasser des „Lexicon rationale sive thesaurus philosophicusordine atphabetico digestus“, das seit 1692 mehrmals im Druck erschien.Ueber ein halbes Jahrhundert lang in Ansehen stand in Frankreich das„Dictionnaire universel de commerce, d’histoire naturelle, d’arts et métiers“(3 vols., zuerst Paris 1723—30, Fol.) von J. Savary des Bralons.
Einen neuen Abschnitt in der Entwickelungsgeschichte der alphabetischenRealencyklopädie begründete Ephraim Chambers (gest. 15. Mai 1740 zuIslington) mit seiner „Cyclopaedia or Universal dictionary of the arts andsciences“ (2 vols., zuerst London 1728, Fol.), dem ersten Werke dieserArt, welches sich des Titels „Encyklopädie“ bediente. Es wurde frühzeitigins Französische und Italienische übertragen und rief in seinem Vaterlandemehrfache andere „Dictionaries of arts and sciences“ hervor. Chamberslieferte, wie der Titel auch besagt, nur ein Wörterbuch der Künste undWissenschaften, und das Buch behielt, diese Beschränkung seines Inhalts nichtnur in den spätem Auflagen bei, sondern selbst auch in der erweitertenBearbeitung von A. Rees (gest. 9. Juni 1825), die 1802—19 unter dem Titel„Rees’s Cyclopaedia“ als selbständiges Werk in 45 Qnartbänden erschien.Letzterer hatte schon vorher eine neue Ausgabe von Chambers’ „Cyclopaedia“(4 vols., 1776—86, Fol.) besorgt. Bei der Feststellung seines Plans schloss