IV
Dii systematischen Encyklopädien.
greifenden logischenPrincip gegliedert, also systematisch abhandeln; die speciellenEncyklopädien hingegen können sich zwar einer systematischen (wenigstenseiner mehr oder weniger planmässigen) Form bedienen, werden in neuererZeit aber, um praktischen Bedürfnissen zu genügen, meist in alphabetischerabgefasst. Bei letzterer werden die einzelnen Begriffe und Gegenstände ohneRücksicht auf ihren organischen Zusammenhang unter gewissen Stichwortenin der Form eines Wörterhuchs (Realencyklopädie) besprochen. Man machtdeshalb auch häufig einen Gegensatz zwischen Rcalencyklopädien (Realwörter-büchern) und systematischen oder formalen Encyklopädien. Während die specielleEncyklopädie, mag sie nun planmässig und systematisch oder alphabetischangelegt sein, stets einen aggregativen Charakter bewahrt, muss die generelleEncyklopädie, da ihr Hauptzweck nicht die Darstellung der Wissenschaftenselbst, sondern blos die Darstellung ihres wechselseitigen Zusammenhangs ist,nach den Principien eines vollständigen Systems entworfen sein. Sucht diegenerelle Encyklopädie die Mannichfaltigkeit der einzelnen Erkenntnisssphärenzu einer Einheit zu gestalten und somit ein System der Wissenschaften auf-zustellen, so erhebt sie sich zur Wissenschaftskunde (oder Encyklopädik).
I.
Die systematischen Encyklopädien.
Werke, welche das gesammte menschliche Wissen zu umfassen suchten,kennt schon das Alterthum. In der griechischen Literatur der vorchristlichenZeit ist nichts bekannt, was auf den Namen einer Encyklopädie Anspruch machenkönnte. Bei den Römern dagegen verfasste schon der gelehrte M. TerentiusVarro (geh. 116, gest. 27 v. Chr.) zwei grössere cncyklopädische Werke: die„Antiquitates rerum humanarum et divinarum“ (in 25 und 16 Büchern) unddie „Novem libri disciplinarum“, welche jedoch beide verloren gegangen sind.Nach Ritschl’s Forschungen enthielt letzteres Werk die erste Darstellung dersogenannten „Artes liberales“, indem Varro in den sieben ersten Büchern derReihe nach die Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik,Astrologie und Musik, in den beiden letzten wahrscheinlich die Architekturund die Medicin behandelte. Ihrem Inhalt nach gehören zur Kategorie derencyklopädischen Werke auch die 37 Bücher der „Historia naturalis“ vonPlinius dem Jüngern, die im Jahre 77 zur Veröffentlichung gelangte und einengrossen Reichthum von Kenntnissen und Tliatsachen aus dem Naturreich, denWissenschaften und technischen Künsten aufspeichert, wenn auch nur nachäusserlichen Ordnungen in ein blosses Fachwerk vertheilt. Eine Encyklopädieder sieben freien Künste ist uns in den neun Büchern „Satirae“ des MarcianusMineus Felix Capella erhalten, die völlig auf Varro beruhen und durch zweiBücher „De nuptiis philologiae et mercurii“ eingeleitet werden; das Buchwurde gegen Ende des 5. Jahrhunderts oder vor der Vandalenzeit in Karthagoverfasst und blieb als Compendium der spätrömischen Schulweisheit das ganzeMittelalter hindurch in höchstem Ansehen. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts