Bas Wort Encyklopädie lässt sicli bpi den griechischen und römischenSchriftstellern seihst nicht nachweisen ; es ist eine neulateinische Bildung,welche aus dem griechischen ¿yxuxXioc; TtaiSeioc, einem besonders seit der Zeitdes Aristoteles häufig angewendeten und auch in das Lateinische (encycliosdisciplina z. B. bei Yitruv und Quintilian) übergegangenen Ausdrucke, ent-standen ist. Man bezeichnete mit demselben den Inbegriff oder Kreis vonKenntnissen, Wissenschaften und Künsten, den ein jeder freie Grieche alsKnabe und Jüngling sich zueigengemacht haben musste, ehe er zur Vor-bereitung für einen besondern Lebenszweck oder zum werlcthätigen Lebenselbst überging. Der Name Encyklopädie kam wahrscheinlich in den erstenJahrzehnten des 16. Jahrhunderts in Deutschland auf und fand in Italien undFrankreich Annahme; eine weniger gute Nebenform Cyclopaedia, die zuerstvon Joachim Stergk van Ringelbergh (1529) gebraucht worden zu sein scheint,hat sich im Englischen festgesetzt, jedoch ohne auch hier die Form Ency-clopaedia ganz auszuschliessen.
Bei den Literarhistorikern und Bibliographen ist in neuerer Zeit dasWort Encyklopädie der Gattungsname für alle diejenigen Bücher geworden,welche die Gesammtheit des menschlichen Wissens, oder wenigstens umfassendereGebiete desselben, mehr oder minder eingehend behandeln. Die Sache istviel älter als der Name. Encyklopädische Werke gab es schon längst, eheder Name Encyklopädie aufkam, und auch die encyklopädische Literatur derletzten drei Jahrhunderte macht zahlreiche Bücher namhaft, denen auf demTitel das Wort Encyklopädie oder encyklopädisch völlig fremd ist. Dagegensind in neuester Zeit nicht wenig Bücher erschienen, welche nur misbräuchlichsich als Encyklopädie bezeichnen und mit einer solchen höchstens nur einigewenige Aeusserlichkeiten, wie etwa die alphabetische Behandlung des Inhaltsgemein haben.
Man hat die in der Literatur vorhandenen Encyklopädien in verschiedenerWeise eingetheilt. Seit Krug unterscheidet man in Rücksicht auf die Formspecielle und generelle Encyklopädien. Während die speciellen Encyklo-pädien ihren Gegenstand in einer dem jedesmaligen Zwecke angemessenen Voll-ständigkeit behandeln, geben die generellen nur einen allgemeinen Abriss derWissenschaft mit Uebergehung des Einzelnen und Besondern. Beide Arten dieserEncyklopädien können sich nun wiederum entweder auf die Gesammtheit derWissenschaften oder nur auf einzelne wissenschaftliche Gebiete, die miteinandernäher verwandt sind, beziehen. In Rücksicht auf die Materie oder das Objectgibt es daher entweder universale oder partiale (particulare) Encyklopädien.Auf diese Weise lassen sich sämmtliche Encyklopädien unter vier Ilauptgruppenbringen: 1) generelle und 2) specielle Universalencyklopädien, 3) generelle und4) specielle Particularencyklopädien. Die generellen Encyklopädien müssen dasgesannnte menschliche Wissen oder ein einzelnes Wissensgebiet nach einem durcli-
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