Druckschrift 
Bd. 18 (1879) Vacarius - Zywilsk
Entstehung
Seite
793
Einzelbild herunterladen
 

Zinnober, grüner Zinnsäurc.

793

wird in Portionen von 50 lex in gußeisernen Kolbenerhitzt, u. zwar anfangs mit aufgesetztem gußeisernemHelm, dann, wenn das hygroskopische Wasser verdampft u. der überschüssige Schwefel absublimirt isi u.das Quecksilber sich völlig mit dem Schwefel vereinigthat, mit irdenen Helmen u. Vorlagen. Man erhitztdie Kolben, bis das Schwefelquecksilber vollständigsublimirt ist, u. zerschlägt dann den Helm, an desseninnerer Wand sich der Z. in dunkelrothen, krystalli-nischen Massen (Stück-Z.) angesetzt hat. DerZ. wirddaun höchst fein gemahlen; je seiner das Pulver ist,um so feuriger u. Heller wird der Z. Indessen hängtdie Schönheit der Farbe nicht bloß von der feinenZertheilung, sondern hauptsächlich von der Beschaf-fenheit der Materialien, von dem Verfahren bei derDarstellung und von der Behandlung mit gewissenAgentien rc. ab. Der feinsteZ.ist übrigens der chine-sische, welcher zn May-nang natürlich Vorkommensoll. Die Farbe des Z-s soll noch dadurch sehr ver-schönert werden können, daß man ihm vor der Sub-limation 1°/o Schweselantimon zusetzt und diesesnachher durch monatelauges Behandeln des Z-s mitverdünnter Salpetersäure in dunklen Räumen oderdurch Digestion mit Kalilauge wieder extrahirt.b) Auf nassem Wege kann ebenfalls Z. von aus-gezeichneter Schönheit gewonnen werden. Z.B. manreibt (nach Brunner) 300 Thle. Quecksilber u. 114Thle. Schwefel innig zusammen, setzt dann eine Auf-lösung von 75 Thln. Ätzkali in 400 450 TheilenWasser zn u. erwärmt auf 45" 0., indem man dasGemisch anfangs fortwährend, dann nur von Zeitzu Zeit reibt und das verdampfende Wasser ersetzt,bis sich ein schönes Scharlachroth gebildet hat; manwäscht den Z. ab u. entfernt das metallische Queck-silber durch Schlämmen. Der Z. löst sich nicht inWasser und Säuren, nur durch Königswasser oderrauchende Salpetersäure wird er zersetzt; Natrium-sulfhydrat löst ihn sehr leicht auf; mit einer ammo-niakalischen Auflösung von salpetersanrem Silber-oxyd färbt er sich augenblicklich schwarz, indem sichSchwefelsilber bildet. Beim Erhitzen wird er dunk-ler, erhält aber seine roihe Farbe wieder, wenn dieErhitzung nicht bis zur Sublimation gesteigert wird.Man benutzt den Z. bes. als Malerfarbe, zum Zeug-druck und zur Siegellackfabrikation. Häufig wird erverfälscht und zwar hauptsächlich mit Ziegelmehl,Mennige, Colcothar, Chromroth oder Drachenblut;so versälschter Z. läßt beim Erhitzen einen Rückstand,während reiner Z. sich vollständig verflüchtigt. MitDrachenblut gefärbter Z. färbt beim Behandeln mitAlkohol diesen roth, indem jenes sich auflöst. Zu-weilen erhält er noch freien Schwefel beigemengt,wird dann in Berührung mit Kupfer braun u. kanndaher zum Rothdruck mit Kupferplatten, sowie zumMalen mit Messingschablonen (bei der Kartenfabri-kation) nicht benutzt werden; man erkennt einen Ge-halt an Schwefel im Z. an der gelben Farbe, wel-che Ätzkalilösung annimml, wenn man denZ. damitkocht; auf diese Weise läßt sich auch der freie Schwe-fel entfernen. Der beste Z. nach dem chinesischen,welcher in kleinen Päckchen in Seidenpapier in Han-del kommt), ist der französische (Vsrmillon), dannder spanische; der holländische u. österreichische siud^weniger geschätzt. Letzterer kommt in Beuteln, ä 12Hswelche zn je 2 in ein Fäßchen verpackt sind, in.Handel. Außer seiner vielfachen Verwendung als.

^Maler- n. Druckfarbe wird derZ. auch zum Färbendes Siegellacks u. der rothen Oblaten benutzt. ImLichte, bes. bei Gegenwart von Ammouiakdämpfen,dunkelt der Z. aber rasch nach. l)Vehmim». 2lJm,gS.

Zinnober, grüner, verschiedene feine grüneMalerfarben; bes. feines Chromgrün, Schweinfnr-tergrün und eine Mischung von Berlinerblau undChromgelb -c.

Zinnowitz, Dorf u Seebadeort im Kreise Use-dom-Wollin des preuß. Regbez. Stettin, zwischender Ostsee n. am Achterwasser, mit vielen Billen u.430 Ew. Z. ist seit 1850 Seebad und wurde 1877bereits von 810 Badegästen besucht.

Zinnoxyd, Zinnsänreanhydrid, auch wol fälsch,lich Zinnsänre ist eine chem. Verbindung von Zinnu. Sauerstoff von der Formel LnO.z. Dnrch Glühender eigentlichen Zinnsänre (s. d.l dargestellt, bildetes ein weißes, unschmelzbares, beim Erhitzen vor-übergehend gelb werdendes Pulver, welches wederin Wasser noch in Säuren löslich ist. Es findet sichin der Natur krystallisirt als Zinnstein (s.d.) u. kannauch künstlich in farblosen, sehr harten, stark glän-zenden Krystallen erhalten werden, wenn man einGemisch von Zinnchlorid- n. Wasserüampf durch einglühendes Rohr leitet. Beim Schmelzen mit ätzen-denAlkalien liefert es lösliche Zinnsänresalze. H-tz-r.

Zinnoxydsalze, Stannisalze, entstehen, wennder Wasserstoff einer Säure durch das vierwerthigeZinn ersetzt wird. Sic sind äußerst leicht zersetzbaru. daher nur wenig bekannt; mit Schwefelwasserstoffgeben sie einen gelben Niederschlag von Zinnsnlfid.Nach der Ansicht mancher Chemiker (Fremy) sind diewenigen Verbindungen dieser Art gar nicht als ei-gentliche Salze, sondern als Doppelsäuren zn be-trachten. Hetzer.

Zinnoxydul , s. u. Zinnhydroxydul.

Zinnoxydulsalze, Zinnsalze, Stannosalze, ent-stehen, wenn der Wasserstoff einer Säure Lurch daszweiwerthige Zinn ersetzt wird. Sie sind farblos,von unangenehmem, metallischem Geschmacke, undzum Theil in Wasser löslich, ans der Luft ziehen sieleicht Sauerstoff an; beim Glühen zersetzen sie sichunter Bildung von Zinnoxyd; durch Zink wird ansihren Lösungen das Zinn in krystallinischen Blättchengefällt (Zinnbanm); mit Schwefelwasserstoff gebensie einen schwarzbraunen, in Salzsäure löslichen Nie-derschlag von Zinnsulfür. Man stellt sie dnrch Auf-lösen von Zinn, Zinnoxydul ob. Zinnhydroxydul inSäuren dar. Hetzer.

Zinnsalz ist ZinnchlorürZnOI", wird dnrch Auf-lösen von Zinn in Salzsäure, Eindampfen u. Kry-stallisirenlassen erhalten; es zersetzt sich mit Wasser u.wird an der Luft Lurch Wasserauziehnug feucht, wes-halb man es in gut verschlossenen Gefäßen anfbe-wahren muß. Es ist giftig; in Salzsäure löst es sichklar auf. Es wird bes. in der Färberei als Beiz-mittel u. zu Lackfarben, in der Medicin wiro es zu-weilen als äußerliches Reiz- und Ätzmittel ange-wandt. Jmigck.

Zinnsänre, a) Ortho-Z., chem. Verbindung vonZinn, Wasserstoff n. Sauerstoff von der Zusammen-setzung UzZnO,. Man erhält sie als weißes, seiden-glänzendes Pulver, wenn man Zinnchlorid mit Was.ser kocht, oder wenn man zinnsanres Kali mit Salz-säure fällt n. den Niederschlag im luftleeren Raumetrocknet. Sie ist in Wasser wenig, in Salz- u. Sal-