792 Zimihydroxydul — Zinnober.
nenFormen durchAnränchern (Anrauchen) mitKien-holz oder über einer Lampeuflamme einen Überzugvon Ruß, od. einen Anstrich mit Wasser, worin Bo-lus, Thon oder Eisenocker zerrührt ist, u. läßt die-sen trocken werden. In der Regel gießt man nursehr einfache Gegenstände als Ganzes; viele, bes.hohle Stücke (so Terrinen u. andere Hohlgeschirre)gießt man in mehreren Theilen, welche man hernachzusammenlöthet. Beim Heißguß, welcher nur beieisernen und Messingsormen möglich ist, gießt mandas Zinn fast glühend in die metallenen Formen u.kühlt nun Liese durch nasse Lappen von außen ab;man erhält so schärsere, härtere u. klingende Güsse;beim Kaltguß wird das Zinn nur so heiß gemacht,daß es an der Oberfläche nicht farbig anläuft. DerKaltguß kann in jedes beliebige Formmaterial aus-geführt werden, gibt aber leichter blasige, undeut-liche oder sonst mißlungene Güsse. Man gießt Plat-ten, Löffel, Ringe in zweitheiligen Messingsormen;Figuren, wie Soldaten, Kanonen, Bäume, Thier-figuren in zweitheiligen Formen aus Messing oderSchiefer; Schalen, Teller, Krngdeckel i» zweitheili-gen Messing- od. Sandstein-, Henkel mit angegosse-nem Scharnier, Becher, Näpfe, Kleiderknöpfe rc.in mehrtheiligen Metallformen; Gegenstände mitbauchiger Höhlung, welche im Innern nicht glatt zusein brauchen, gießt man Lurch Stürzen, d. h. manmacht eine Form, wie für einen massiven Gegen-stand, gießt dieselbe voll Zinn, wartet eine Zeit lang,bis das Zinn an den Formwändsn auf eine gewisseDicke erstarrt ist, u. gießt nun das noch flüssige Zinndurch Umkehren der Form aus. Bei Scharnieren istdas Loch derselben in der Form beim Gießen durcheinen eisernen Stift ausgefüllt. Sehr große Stücke,z. B. einen Zinnkessel für eine Färberei, gießt man,wie der Glockengießer die Glocken, in der Erde. Zndünnen Zinnplatten wendet man Blechersteine, zweivierkantige Steine, an; zwischen diese<Lleine werdenzwei Bogen Pappe u. zwischen diese an drei L-eitenhölzerne Stäbchen von der Stärke der gewünschtenZinntasel gelegt, das Ganze in eine Presse gespanntund aus der noch offenen Seite das Zinn hineinge-gossen; noch größere und sehr dünne Platten gießtman auf der hölzernen, schräg liegenden, mit Lein-wand überzogenen Gießtasel. Ans sie wird oben einhölzerner, unten offener Kasten gesetzt, mit nahezuerstarrendem Zinn gefüllt und rasch an das untereEnde gezogen. Die Hinterwand des Kastens ist vonunten so weit fortgenommen, als die gewünschte Dickeder Tafel betragen soll. Die gegossenen Zinnwaarensehen matt aus und erhalten nur Glanz bei starklegirtem Zinn. Die Angüsse, Gußhälse, Gnßzapfenoder Gießköpfe werden mit der Kneipzange abge-nommen oder abgesägt, oder mittels einer stark er-hitzten Scheere abgeschnitten. Beim Abdrehen derTeller, Schüsseln rc. wird zuerst mit dem Hackeisender Rand abgedreht (Ansranden oder Bärteln, auchBärteln); dann wird das Stück auf der Außen- undInnenseite abgedreht, wobei das angestemmte Dreh-eiscn in immer engeren und parallelen Kreisen biszum Mittelpunkte der Zinnwaare geführt wird. Zu-letzt wird das Zinn mit Wasser benetzt u. währenddes Drehens mit Seife und dem Polirstahle polirt.Arbeiten, welche man wegen ihrer Gestalt nicht ab-drehen kann, werden nach dem Gusse beschabt. DasLöthen der Henkel, Ringe rc. ersolgt mittels des Lölh-
kolbens oder Löthrohrs. Als Loth dient entwederWismuth oder das ans 3 Thln. Wismnth, 2 Thln.Blei und 4 Thln. Zinn bestehende Schnellloth, beiGegenständen aus, reinem Zinn meist ebenfalls nurZinn. Um einzelne Theile, z. B. einen Henkel, an-zugieße», verfährt man folgendermaßen: der Ort,wo der Henkel hinkommen soll, wird inwendig etwasdick mit Lehm bestrichen, dann setzt man außen dieHenkelform auf, umsetzt dieselbe da, wo sie aufsitzt,ringsum mit Thon u. gießt das flüssige Zinn in dieForm ein. Solche angegossene (aufgebreitete)Theile ju. ebenso dieLöthfugen werden nachher noch geglättet(versäubert). Jmigck.
Zimihydroxydul, Zinnoxydulhydrat, Stanno-hydrat, chem. Verbindung von Zinn, Sauerstoff u.Wasserstoff, von der Formel LnkizO? (od. LnsOHsz).
Es scheidet sich in Form eines weißen Niederschlagsaus, wenn man eine Lösung von Zinnchlorür mitkohlensaurem Natron fällt; es löst sich in Säurenleicht unter Bildung von Zinnoxydulsalzen auf. Er- ^hitzt man es mit verdünnter Kalilauge, so erhält man !Zinnoxydul (Stannooxyd, 8nO) als braun-schwarzes, lockeres Pulver, das beim Erhitzen ander Luft wie Zunderzu Zinnoxyd verglimmt. Hetzer.
Zinnkies (Stannin), Mineral, krystallisirt re-gulär; Krystalle sehr selten, meist derb und einge-sprengt; Härte 4, spec.Gew.4,j; stahlgrau ins Speis-gelbe, metallglänzend, undurchsichtig, Strichschwarz;besteht aus Zinn, Kupfer, Eisen, Schwefel, biswei-len auch Zink; findet sich an manchen Orten in Corn-wall, sowie bei Zinnwald in Böhmen, Tambillo inPeru.
Ziililkraut ist Lgnisobnm lüsmuls.
Zinnkcgirungen. Außer den verschiedenen Le-girungen von Zinn u. Blei (s. Zinngießerei) sind bes.das Britanniametall (s. d.), Pewter (s. d.), das La- fgermetall (s. d.), das Kanonen- u. Glockennietall u.vor Allem die Bronze (s. d.) wichtige Z. Vgl. auch !Kupfer u. Zinklezirungen. Jungck.
Zinnober, 1) Natürlicher Z. (Cinnabarit),Mercurblende), Mineral, krystallisirt rhomboedrisch,meist in körnigen, faserigen, dichten Massen , einge-sprengt, erdig, als Überzug u. Anflug; Härte 2—3,spec. Gew. 8 — 8 , 2 , cochenill- od. scharlachroth, zu-weilen ins Blaugraue; diamantglänzend, dnrchschei-nenü bis undurchsichtig, Strich scharlachroth; bestehtausSchwefelquccksilber, ltz 8 . Es findet sich beiWolfs-berg u. Mojchellandsberg in Rheinbayern, Olpe inWestfalen, HorzowitzinBöhmen, Jdria, Rosenau u.Szlana in Ungarn, Hartenstein in Sachsen, Nipa u.Levigliani in Toscana, Vallalla in den Venetian.Alpen, Alinaden in Spanien, Neu-Almaden bei SanJose in Californien (wohl die reichste Gegend), imStaate Chihuahua in der Sierra Madre (Mejico).
Der natürliche Z. ist eins der wichtigsten Minera-lien zur Gewinnung des Quecksilbers u. dient bis-weilen, wie der künstliche Z., als Malerfarbe. 2)Künstlicher Z. Der größte Theil des im Han-del vorkommenden Zinnobers ist künstlich aus Queck-silber u. L>chwefel dargestellt. Man hat verschiedeneBereitungsweisen für denselben, u) Ans trocke-ne m W e g e. In Jdria bringt man 36 Thle. Queck-silber und 5 Theile gepulverten Schwefel in kleineFässer, welche durch ein Mühlrmrk um ihre Achsegedreht werden; dadurch erhält man Schwefelqueck-siiber als dunkles bis schwarzes Pnlver. Dasselbe