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Zigeuner.
selben Gegenden kamen, wo diese Sccte ihre Sitzehatte (Kleinasien, s. unten). Ohne Zweifel aber istder Name Z. (u. war es vielleicht ursprünglich) einSchimpfname. Die Zahl der Z. ist nicht bekannt,doch schätzt man sie in Europa auf ca. H Million,von welcher auf Österreich u. Rußland je 100,000,ans die Europäische Türkei und deren Schutzstaaten300,000 kommen sollen. Aus Deutschland, den Nie-derlanden u. Frankreich sind sie säst ganz verschwun-den, in Großbritannien finden sie sich auch nur nochspärlich. Ihrem Äußeren nach sind sie von mittlererGröße, schlankem, wohlgebildetem Körperbau, dieMänner durchschnittlich schöner als das weibliche Ge-schlecht, bei dem wirkliche Schönheit allerdings nichtganz selten ist, aber fast nur bei dem nnverheirathe-ten Theil gefunden wird. Haar u. Bart sind glän-zend schwarz, die Haut olivenfarben, die Lippen feingeformt, die Augen dunkel u. feurig. Die Frauenentwickeln sich schnell u. verblühen auch ebenso bald,bes. in der Ehe, in der sie auch hinsichtlich des ur-sprünglich guten Charakters rasch verwildern n. oftzu Scheusalen u. wahren Urbildern von Hexen ent-arten: ein Umstand, wozu wol die unstäte, kümmer-liche, oft elende Lebensweise und die harte Behand-lung, welche sie von Seiten der Männer, denen sieals unrein gelten, häufig ausgssetzt sind, das Meistebeiträgt. Unsauberkeit u. zerlumptes Wesen, das dieZ. gewöhnlich zeigen, hängt ebenfalls mit ihrer wan-dernden Lebensart zusammen; den Hang zu grellenFarben theilen sie mit allen Orientalen. Bestimmtereligiöse Anschauungen scheinen dieZ. nicht zuhaben; doch huldigen sie, auch wo sie zur Annahmedes Christenthums gezwungen worden, einem ge-heimnißvollen astrologischen Mysticismus. Äußer-lich halten sie sich zu der jedesmaligen Religion desLandes, der Gegend, des Ortes, durch den sie ziehen;die Protestanten verachtet er, doch läßt er seine Kin-der protestantisch taufen, wenn er dabei Patheuge-schenke erhält. Zerstreut u. unachtsam, ist der Z. den-noch klug u. verschmitzt, von scharfer Beobachtungs-gabe u. vielem Verstände, lernt aber äußerst schweretwas durch methodischen Unterricht; sein einzigerLehrmeister, von dem er etwas annimmt, ist dieäußerste Nothwendigkeit, mit der er überhaupt inbeständiger Beziehung steht. Bewundernswert!) sindseine Selbstbeherrschung in Bezug auf Geheimhalt-ung seiner Gesinnungen u. Absichten, seine Gewaltüber Mine und Geberde, sowie sein Nachahmungs-talent. Obgleich Furcht u.Feigheit ihn beherrschen,wird er leicht frech u. unverschämt, unter Umständenaber gleich wieder höflich n. sogar kriechend. Er istsehr begehrlicher Natur, üppig u. verschwenderisch,aber auch der größten Entbehrungen fähig. Tabaku. Spirituosen liebt er leidenschaftlich; selbst die Wei-ber u. Kinder rauchen. Außerdem sind Arbeitsscheuu. Faulheit, Leichtsinn, Lügenhaftigkeit u. Grausam-keit seine gewöhnlichen Fehler, wogegen mau ihnenDankbarkeit u. Anhänglichkeit an Wohllhäter, ehe-liche Treue, überhaupt strenge geschlechtliche Sittlich-keit nachrühmt, obwol letztere Eigenschaft auch wie-der bestritten wird. Diebereien sollen sie nur imäußersten Nothfalle begehen. Bor schweren Verbre-chen hüten sie sich. Kamen dergleichen zuweilenvor (bes. Brandstiftungen), so waren es stets nurRachcacte sür erlittene Mißhandlung, Verfolgung,Schimpf rc., u. sie wurden in den allermeisten Fällen
nur von entarteten Weibern ansgeübt. Es wirdihnen aber beharrlich nachgesagt, daß sie fremde Kin-der stehlen, während sie ihre eigenen Kinder ohneWeiteres verhandeln, wenn ein gutes Stück Gelddabei zu verdienen ist. Ihre Liebe zur Ungebunden-heit ist so groß, daß alle Anstrengungen, sie in festenColonien zu vereinigen, wie sie bes. in Österreich mitgroßer Beharrlichkeit gemacht worden sind, im Gro-ßen u. Ganzen scheiterten. Sporadischsinden sie sichjedoch ansässig in Siebenbürgen, Rumänien, Bul-garien rc., wobei aber die ärmeren Familien oderein Theil derselben dem Wanderleben fröhnen. Si-cherlich aber hat kein Volk der Welt sich von fremdenBeimischungen so rein gehalten, wie dieZ., weshalbsie auch in allenZeiten n. in allen Ländern dieselbengeblieben sind. Unter sich haben sie dabei altherge-brachte, durch die Hautfarbe bestimmte Kastenunter-schiede, an denen sie aufs Unerbittlichste festhalten.Unter den Erwerbszweigen der Z. nimmt die Musik,für welche sie ein eigenthümliches Talent haben, dieerste Stelle ein (vgl. Bartalus, Die Z. u. ihr Ver-hältniß zu unserer Musik, Ungarische Monatsschrift1808); dann sind sie geschickt alsSchmiede, bes. alsHufschmiede, Schlosser, Kesselflicker, Roßärzte, Seil-tänzer, Kunstreiter rc.; auch treiben sie als Traum-deuter, Schatzgräber ».Wahrsager ihr Spiel u. ver-kaufen Geheiminittel gegen Viehseuchen, Mißerntenu. Fcnersgefahr.
Nach Trnmpp sollen die Z. mit der indischen Pa-riakaste derTschangar identisch sein, welche als ganzbes. unrein gilt u. sich hauptsächlich nur von Fisch-fang nährt. Geschichtlich treten sie zuerst auf zu An-fang des 15. Jahrh. in Vorder-Asien u. Ägypten,1416 in der Moldau, 1417 in Ungarn u. Böhmen,an der Nord- u. Ostsee, 1418 in Meißen u. Oster-laud, auch in der Schweiz, 1419 in der Provence,1422 in Italien, 1427 in Paris, 1437 in Sieben-bürgen, in der zweitenHälfte des lö.Jahrh. inSpa-nien u, unter Heinrich VIII. in England. Es müssenaber schon mehrere Jahrhunderte vorher und mög-licherweise bereits unter dem Kaiser Nikephoros II.,Einwanderungen ins Byzantinische Reich von Bor-der-Asien her stattgefunden haben. Jedenfalls sindsie hier längere Zeit seßhaft gewesen, bevor sie sichnach dem N. ausbreiteten. Ihrerseits behauptetensie aus Ägypten zu kommen, n. ihr Vorgeben, ausPalästina rückkehrende Pilger zu sein, erwarb ihnenanfangs hier u. da Schutzbriefe, so 1425 vom KaiserSigismund, obschon sie auch die Kunst verstanden,solche Schutzbriefe nachzumachen. Schon damalstrieben sie Zauberei, und von ihnen soll auch dieaus giftigen Stoffen (Bilsenkraut, Stechapfel rc.) be-reitete Hexensalbe u. der ebenfalls narkotische Hexen-trank erfunden worden sein, seit deren Anwendungdie eigentliche Blüthe des Hexenwesens datirt (s. d.Art. Hexe, S. 278). Bei ihrem ersten Erscheine»standen alle Z. unter einem einzigen Qbcrhanpte(König). Dieser König hat sich am längsten bei denZ-u in England erhalten, die übrigen hattenHänpt-linge od. Hauptleute. In Deutschland gab es deren3, in Altpreußen, Ncupreußeu u. Hannover, u. nachdiesen Häuptlingen zerfielen auch die Z. in Deutsch-land in 3 Landsmannschaften: in Altprcnßen, derenFarbe schwarz u. weiß u. welche nur der Tanne be-sondere Ehrfurcht zollten; in Ncupreußeu, derenFarbe grün u. weiß und deren heiliger Baum die