Württemberg. 653
rich seine Landesordnnng vom 10. April 1515 und30. Juni 1549 erließ er eine Polizeiordnung. Erführte die Reformation, bes. durch Schneps u. Bla-rer in W. ein, setzte einen Kirchenrath nieder, zogdie geistlichen Güter nach n. nach, aber mit Schon-ung, ein u. verwendete dieselben theils zur Befrie-digung der Forderungen des Königs von Frankreichu. des Landgrafen von Hessen, theils zur Verbesser-ung der Schulen u. zur Besoldung der protestanti-schen Geistlichen, stiftete 1536—37 das EvangelischeSeminar in Tübingen, erließ 1536 eine Kirchen-ordnung, 1547 eine Visitationsordnung undSyno-dalordnnng. Ulrich versöhnte sich mit Bayern u. sei-nem Sohne Christoph Oct. 1541. Er sicherte sichdurch den Beitritt zum Schmalkaldischen Bunde April1536 den Besip seines Landes. Infolge des unglück-lichen Ansganges des Schmalkaldischen Krieges, andem er Theil genommen, besetzten die KaiserlichenDec. 1546 bis Jan. 1547 ganz W., Ulrich entfloh16. Dec. 1546 nach Hohentwiel, bat Karl V. umVerzeihung u. erhielt in dem Vertrage zu Heilbronn
з. Jan. 1547 das Land nur wieder, nachdem er denKaiser fußfällig um Verzeihung gebeten, 300,000Fl. Contribution bezahlt, alles Geschütz ausgeliefert
и. spanische Besatzung in seine Festungen ausgenom-men hatte. Ulrich sah sich auch genöthigt, 1548 dasInterim auznnehmen, worüber die Geistlichkeit theil-wcise mißvergnügt war n. st. 6. Nov. 1550, nochbevor alle Irrungen ausgeglichen waren. Auch Ul-rich I. hatte W. durch mehrere Erwerbungen, bes.von Hohentwiel u. Wendlingen vergrößert.
Ihm folgte sein Sohn Christ oph, ein trefflicherFürst, der 1552 im Fürstenkricge gegen Karl V.neutral blieb u. von der österr. Ästerlchnsherrschaftfrei wurde. Im Passaner Vertrag 1552 gab Erz-herzog Ferdinand auf Vermittelung des HerzogsAlbrecht von Bayern gegen eine Entschädigungs-summe von 300,000 Fl. seine Ansprüche auf W.aus u. 1553 gab Karl V. den Asperg zurück. Chri-stoph schasste 1552 das Interim ab, trat März 1553in den Heidelberger Verein n. wurde im Juni Ge-neraloberster, 6. Oct. Qberhaupimann desselben,was er bis 1554 blieb. Christoph hatte den wesent-lichsten Antheil an dem Augsburger Neligionsfrie-den, verkündete deitFrankfnrterNeceßvom 18.März1558 inW., besuchtel56ldenNaumbucgcr Fürsten-tag, vollendete die Reformation durch Joh. Brenzu.Jak.Audreä inW., erließ 1559 die große Kirchen-ordnung,that sehr viel für Volksschulen, verbessertedie Universität Tübingen, legte in vier der eingezo-genen Klöster Gelehrtenschuleu an, erwarb sich umdie Verfassung, Verwaltung, Rechtspflege u. Gesetz-gebung des Landes (er verfaßte die Landesordnungvon 1552 und Las Landrecht von 1555, verbessert1567) große Verdienste, erweiterte die Rechte derzu Landtagen zusammentretendenStände (Prälatenii. Abgeordneten der Städten.Ämter), richtete 1554diestätldischenAnsschüffe ein u. hielt den Adel in Ohn-macht. Kirchenlehre, Kirchengut u. Kirchenordnungstellte er ans dem Landtage von 1565 unter die Ge-währ der Stände; sein Testament ließ er von ihnenaus dem Landtage 19. Jan. 1566 zum Gesetze er-heben. Sein Ansehen auch im Auslande war sogroß, daß Katharina von Medici ihm März 1563die Stelle alz Oberstatthalter inFrankreich mit un-beschränkter Vollmacht zur Dämpfung der Unruhen
anbot, die er aber ausschlug u. der Kaiser wie Eli-sabeth von England mit ihm in naher Verbindnns-standen. Seit 1556 war er schwäbischer Kreisober-ster. Er st. 28. Dec. 1568. Auch unter ihm war W.durch Erwerbung mehrerer Orte gewachsen. Seinminorenner Sohn Ludwig stand anfangs unter derVormundschaft seiner Mutter (bis 1571), des Her-zogs Wolsgang von Zweibrücken u. der MarkgrafenGeorg Friedrich von Brandenburg-Ansbach n. Karlvon Baden u. trat die Herrschaft erst Sommer 1578im 24. Jahre an; er stiftete in Tübingen 1592 das6oils>-inin illustwo, eineBildungsanstalt sür Söhnevon Fürsten u. Adeligen, war starr lutherisch, be-schäftigte sich auch fortwährend mit Theologie, standunter der Aegide seiner Hofgeistlichkeit u. bemühetesich für das Zustandekommen der Concordicnformelvon 1577. Unter ihm wurden mehrere Schlösser u.Dörfer, z. B. Mötzingen, Höpfigheim, Dettingen er-kauft. Da er 8. Ang. 1593 kinderlos starb, folgteihm Friedrich I., ein Sohn des Grafen Georgvon W.-Mömpelgard (stoben). Friedrich wollte un-bedingt souverän regieren, war äußerst thätig u.kräftig, dabei stets bedacht den Tübinger Vertraganfzuheben und die Macht der Stände zu brechen,was ihm aber, da er stets Geld brauchte, nicht ge-lang; den Kadaner Vertrag von 1534 erkannte erzwar nicht an, löste aber doch durch den PragerVertrag vom 24. Jan. 1599 die Afterlehnsherr-lichkeit Österreichs mit 400,000 Fl. ab. 17. März1607 bewog er die Stände den Tübinger Vertragdahin zu mäßigen, daß er viele Rechte erhielt, u. a.Krieg u. Frieden ohne ihre Zustimmung beschließenkonnte. Er wurde im Streben nach Absolutismusvon seinem Minister Matthäus Enzlin stets ange-feuert (welcher später deshalb von Joh. Friedrichverhaftet, zu lebenslänglichem Gefängniß auf derFestung Urach verurtheilt, aber 1613 enthauptetwurde). Die Anmaßung der Theologen wies erschroff zurück. Durch Errichtung einer Leibgarde,kostbare Reisen, die Versuche Gold zu machen undbeträchtlichen Ankauf von Gebiet, so von Besigheim,Mundelsheim, halb Löchgau rc., der Ämter Älten-steig, Liebenzell, Oberkirch u. m. a. Besitzungen,des Herzogthums Alen^on in derNormandie (1612wieder von Frankreich ansgelöst) rc., stürzte er sichin Schulden. Doch that er viel für Gewerbe undHandel, förderte Kunst u. Wissenschaft, begünstigteden Seidenbau, legte Bergwerke an und erbauteFreudenstadt. Er st. 29. Jan. 1608. Sein SohnJohann Friedrich, beschränkt, unentschlossen u.nicht zum Herrschen geboren, gab den Landständendie 1607 vom Vater ertrotzten Rechte zurück, ließsich von den Geistlichen leiten u. die ProtestantischeUnion, der er inAuhausenl608 beitrat, blieb wirk-ungslos; sie löste sich 1621 auf. Nur mühsam ver-hinderte er jetzt die ÜberschwemmungW-s durch einkaiserliches Heer, 1622 drohte ein Einsall TillyS,doch wurde im Hellbrauner Vertrage von ihm 18.Juni 1622 W s Neutralität anerkannt, was freilichnicht vor vielen Unbilden des Krieges schützte. Wal-lenstein rückte 1627 in W. ein und mitten unterden Verheerungen durch ihn, welche noch durch dieMünzverschlechterung und die Prägung der Hirsch-gulden 1623 (von denen einer kaum den Werth von10 Kreuzern hatte) vermehrt wurden, starb JohannFriedrich aus Kummer über die Demülhigungen,